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Periodical volume X. Soziale Fürsorge, Wohlfahrtspflege

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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Die unter Ziffer 7 aufgeführte Krankenkasse der Weber- und W irker-Innung 
ist zum  Schlüsse des Jah res  1913 aufgelöst und das Vermögen der Kasse im Betrage 
von 500,68 M der Allgemeinen O rtskrankenkasse  in Neukölln überwiesen worden.
Die Regelung der ärztlichen V ersorgung der Kassenmitglieder ist im Bezirke 
des V ersicherungsam ts Neukölln im Gegensatz zu den Verhältnissen in anderen Orten 
und Gegenden Deutschlands nirgends auf Schwierigkeiten gestoßen, sodaß eine Ge­
fährdung  der o rdnungsgem äßen Fürsorge für die Kassenmitglieder nicht eintrat. Ein 
Eingreifen der Aufsichtsbehörde w ar nicht erforderlich geworden.
Durch die A usdehnung der Krankenversicherungspflicht auf die H ausgew erbe­
treibenden ist einem allseitig anerkannten Bedürfnis Rechnung getragen worden. Nach 
der von der Allgemeinen O rtskrankenkasse  geführten Statistik sind in Neukölln bis 
zum 1.4.14: 5871 Hausgewerbetreibende versichert worden. Diese Zahl dürfte aber 
den tatsächlichen Verhältnissen nicht genau  entsprechen. Nach überschläglicher 
Schätzung  ist anzunehmen, daß noch etwa 2000 Hausindustrielle in Neukölln tätig 
sind, die ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Versicherung gegen  Krankheit bisher 
noch nicht nachgekom m en sind. Mit Rücksicht auf die nunm ehr eingetretene gesetz­
liche R egelung der K rankenversicherung der in der Hausindustrie tätigen Personen 
hatte übrigens s. Z. die Stadtgem einde von der ursprünglich beabsichtigten Ausdehnung 
der Krankenversicherungspflicht auf die Hausgewerbetreibenden gem äß dem K. V. G. 
durch Ortss ta tu t Abstand genom m en.
F ü r  die durch die Reichsversicherungsordnung versicherungspflichtig gew or­
denen Dienstboten ist in Neukölln die Allgemeine O rtskrankenkasse zuständig, da 
durch Beschluß der städtischen Körperschaften von der Errichtung einer Landkranken­
kasse nach den Vorschriften der Reichsversicherungsordnung Abstand genom m en 
worden w ar  Von dem den Arbeitgebern durch die R. V 0 .  gegebenen Rechte der 
Befreiung ist verschiedentlich Gebrauch gem acht worden, wie nachstehend näher an ­
gegeben  ist. Es waren am 31. März 1914: 955 Dienstboten versichert, ln der Zeit 
bis zum 31. März 1914 waren für 111 Dienstboten Befreiungsanträge gestellt worden
Es wurde 54 Befreiungsanträgen s ta t tgegeben ;
53 Befreiungsanträge w urden abgelehnt;
4 Befreiungsanträge wurden zurückgenom m en.
Vom O berversicherungsam t Groß-Berlin sind für den Bezirk des Versicherungs­
amts Neukölln folgende Ortslöhne neu festgesetzt w o rd e n :
Für  männliche Personen über 21 J a h r e ........................4.—  M.
von 16— 21 J a h r e n ........................3.—  „
unter 16 J a h r e n ............................. 1.80 „
F ü r  weibliche Personen über 21 J a h r e .............................2.60 „
von 16— 21 J a h r e n ........................ 2 20 „
unter 16 J a h r e n  1 4 0  „
Auf Grund des § 160 Absatz 2 der Reichsversicherungsordnung ist der Wert 
der Sachbezüge für den Bezirk des V ersicherungsam ts Neukölln wie folgt festgesetzt 
w o r d e n :
A. F ü r  B e t r i e b s b e a m t e ,  W e r k m e i s t e r ,  a n d e r e  A n g e s t e l l t e  i n  
ä h n l i c h  g e h o b e n e r  S t e l l u n g ,  H a n d l u n g s g e h i l f e n ,  G e h i l f e n  i n  
A p o t h e k e n ,  B ü h n e n -  u n d  O r c h e s t e r m i t g l i e d e r ,  L e h r e r  u n d  E r z i e h e r :
1. D i e n s t k l e i d u n g  jährlich . . . 70 M.
II Wo h n u n g  u n d  B e k ö s t i g u n g
Männliche Personen Freie W o hnung Beköstigung Freie Station
mit eigenem Zimmer 200 M. 540 M. 740 M.u
ohne eigenes Zimmer 100 M. 540 M. 640 M.TZ
Weibliche Personen JZ
mit eigenem Zimmer 200 M. 450 M. 650 M.
ohne eigenes Zimmer 100 M. 450 M. 550 M.
        
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