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Periodical volume VII. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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B o d d i n s f e l d e .  N e u b a u t e n ,  B e s c h a f f u n g e n  u n d  G e l ä n d e ­
a n k a u f .  In Boddinsfelde waren ebenfalls neue Anlagen auszuführen. Der bei der 
Bildung eines eigenen Gutsbezirks vorgeschriebene Kirchhof w urde an dem Klein- 
Kienitz-Mittenwalder Landweg in dem Kieferwäldchen gegenüber dem G utsparke a n ­
geleg t und erforderte mit Einebnung, Bepflanzung, Einfriedigung und Brunnen einen 
Kostenaufwand von 2036 M. Wie W aßm annsdorf, so wurde auch Boddinsfelde an 
das  Kabelnetz der Geberlandzentrale der B. E. W. angeschlossen und nicht nur der 
Gutshof mit elektrischen Kraft- und Beleuchtungsanlagen versehen, sondern auch auf 
dem Rieselfeld eine Pum penanlage  mit elektrischem Betriebe errichtet, welche das 
W asse r  aus  dem H aupten tw ässerungsgraben  zur nochmaligen Verrieselung auf die 
Felder hebt, um diese zu bewässern  und gleichzeitig eine weitere Reinigung des 
W asse rs  unter Ausnutzung der im D rainwasser reichlich enthaltenen Stickstoffver­
bindungen  als Pflanzennährstoffe herbeizuführen. Für  die E inrichtungen zum Anschluß 
an das  Kabelnetz, zur V erw ertung des S trom es usw. wurden im ganzen 15 268 M. 
verausgabt. Durch Vertrag w urde der günstige Strom preis  von 6% Pfg. für die 
Kilowattstunde gesichert.
Da die Dorfschmiede in Brusendorf fast 2 km vom Gutshof Boddinsfelde 
entfernt liegt und infolgedessen das Beschlagen der Pferde, das Ausbessern und In­
standsetzen von Maschinen, Ackergeräten, W agen usw. zeitraubende W ege bedang 
und die Arbeit, wie unnötiger Aufenthalt sich der Aufsicht entzog, so wurde eine 
eigene G utsschmiede mit Beschlagsschuppen auf dem Gehöft erbaut und mit einer 
zweiten Anlage zur W asse rve rso rgung  verbunden. Letztere w ar  erforderlich, weil die 
beim Aufbau des Gutsgehöftes eingerichtete W asserverso rgung  durch eine in der 
Stellm acherwerkstatt aufgestellte Pum pe unter Verw endung eins alten, im Neuköllner 
K rankenhause  entbehrlich gew ordenen  Benzinmotors der  W asserversorgung  nicht 
m ehr  genüg te  und der Feuersicherheit nicht entsprach, da für den Fall einer Ent­
zündung  der Holzabfälle und Holzvorräte in der Stellmacherei die W asserversorgungs­
anlage leicht unzugänglich werden konnte und damit das Löschen eines S chaden­
feuers in F rage  gestellt worden wäre. Für  die neue W asserversorgung  wurde neben 
der Schm iede in 50 m Entfernung von dem vorhandenen Tiefbrunnen auf W asser 
gebohrt,  welches aber in 62 m Tiefe nur in ganz unzureichender Menge angetroffen 
wurde, obwohl sich unterhalb dieser Tiefe eine anscheinend sehr mächtige undurch­
lässige Tonschicht vorfand. Unter Benutzung der W ünschelrute in der Hand eines 
R utengängers  w urde  in 57 m Entfernung von dem Bohrloch eine Stelle ermittelt, an 
welcher in der vom R utengänger angegebenen  Tiefe W asser in ausreichender Menge 
angetroffen und nutzbar gem acht wurde.
Zur U nterbringung des im Jah re  1910 für 15 725 M. angekauften  Ihace-Pflug- 
m otors und der im Ja h re  1911 beschafften Feuerlöschgeräte  als fah rbare  H anddruck ­
spritze nebst Mannschafts- und W asserw agen  sowie zur Anlage von Federviehställen 
für die beiden W irtschaftsbeamten w urde in der Mitte des Gutshofes ein durch einen 
tu rm artigen  Taubenschlagaufbau gekröntes  Spritzenhaus für 5 057 M. erbaut. Auch 
in Boddinsfelde nötigte die V erm ehrung  der Ackerflächen und der steigende Boden­
er t rag  (beim W in terroggen  von 20 Ztr. je ha im Jah re  1906 auf 40.73 Ztr. im Jahre  
1910, zur E rrich tung  einer weiteren Feldscheune, welche ihren Stand am Ragower- 
w ege östlich des M ühlengrundstücks  erhielt und 4 873 M. kostete.
Eine wesentliche A brundung  des Grundbesitzes w urde  erreicht durch den 
Ankauf der stillgelegten „Dampfziegelei Brusendorf“ mit Ringofen, Maschinenbaus, 
Arbeiterw ohnhaus und zahlreichen Trockenschuppen, mit vollständigem Inventar, Feld­
bahngle isen  und Kippwagen sowie 15.3 ha Landfläche für 90 000 M. und mit Vorkaufs­
recht für einen angrenzenden Acker von 5.12 ha  des Rittergutes Brusendorf. Abgesehen 
davon, daß hierdurch die Gefahr beseitigt wurde,von den Besitzern der Ziegelei wegen 
W a sse ran d ran g  nach den Tongruben  infolge unterirdisch abirrenden Rieselwassers in 
Anspruch genom m en  zu werden, entfiel durch den Ankauf die Beeinträchtigung des 
übrigen Besitzes infolge eines grundbuchlich eingetragenen  Vorflutrechtes für das aus 
den T ongruben  ausgepum pte  G rundw asser  nach dem im Gutspark  liegenden Höllen-
        
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