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Periodical volume VII. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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von noch nicht 2 m, also ein Gefällsverhältnis von etwa ^  zur Verfügung. Dieser 
W asserlauf hätte nur durch einen sehr umfassenden und außerordentlich kostspieligen 
Ausbau zur Aufnahme der Rieselfeldabflüsse umgestaltet werden können, ohne daß die 
Gefahr dauernder Durchfeuchtung der angrenzenden, meist tiefliegenden Ländereien 
und der naheliegenden Ortschaften und Siedlungen hätte ausgeschlossen werden 
können; der Notteschau-Verband, welcher ohnedies die Benutzung als Vorflut von 
der Zah lung  einer bedeutenden En tschäd igungssum m e abhäng ig  gemacht haben würde, 
verhielt sich deshalb durchaus ablehnend, ebenso w ar der Besitzer von Rangsdorf 
nicht geneigt, die G enehm igung zur Benutzung des ihm gehörigen Rangsdorfer Sees 
zu erteilen.
Die zweite Vorflutmöglichkeit ergab sich in östlicher Richtung unter Benutzung 
des „Selchower F lu tg rabens“, welcher übrigens seiner Beschaffenheit nach, insbesondere 
bei der hohen Lage der Sohle innerhalb der G em arkung  Diepensee weder den frucht­
baren  Niederungsländereien und der Dorflage von Selchow, noch der fruchtbaren 
N iederung  und der Dorflage von W aßm annsdorf  Vorflut zu gew ähren  in der Lage 
war. Beide Gemeinden w aren deshalb auf die Glasowbachvorflut angewiesen, bis 
kurz vor dem Ankauf des Rittergutes W aßm annsdorf  durch die Gemeinde Rixdorf die 
Gemeinde W aßm annsdorf  auf Grund amtlicher A nordnung durch Abdäm m en der 
G rabenverb indung  von dieser Vorflut abgeschlossen wurde. Der „Selchower F lu tg raben“ 
verläuft innerhalb  der G em arkungen  W aßm annsdorf, Diepensee, Rotzis, Karlshof. 
Kiekebusch, W altersdorf und Schulzendorf und mündet in den Plum pengraben, welcher 
sein W asse r  innerhalb  der G em arkung  Zeuthen in die „Zeuthener S ee“ genannte  
E rw eiterung  der D ahm e abführt. Das Vorflutrecht der G em arkung  W aßm annsdorf an 
diesem W asserlauf w ar  schon früher amtlich festgestellt. Dieses Vorflutrecht erstreckt 
sich indessen nach dem Gesetz vom 28. Februar 1843 nur auf natürlich entstehendes 
W asser  und nicht auf W asser, welches, wie Rieselwasser, aus  einem anderen N ieder­
schlagsgebiet künstlich zugeführt wird. Das Gefälle, das für diesen W asserlauf zur 
V erfügung steht, ist ein außerordentlich günstiges, weil auf 14 km Länge ein G esam t­
gefälle von etwa 6 m bei H ochwasser im Zeuthener See. also ein Gefällverhältnis von 
^  vorhanden  ist.
Unter Zustim m ung  der Anliegergemeinden wurde von den Aufsichtsbehörden 
der Gemeinde Rixdorf die G enehm igung  erteilt, den W asserlauf zur Abführung der 
gerein ig ten  Abgüsse aus der Rieselei des Rittergutes W aßm annsdorf  zu benutzen unter 
der Bedingung, daß Rixdorf auf seine Kosten den Ausbau und die U nterhaltung zu 
übernehm en hatte. Ein zweifelloses Recht der Stadt an der dauernden Benutzung des 
Selchower F lutgrabens als Vorflut für die Rieseldrainwässer von W aßm annsdorf  konnte 
jedoch bei dieser Gelegenheit nicht begründet werden. Dieser Mangel verursachte 
Schwierigkeiten für die Unterhaltung und führte seinerzeit, als die Zunahm e der 
W asse rm enge  eine Erweiterung des G rabens notwendig machte, zur W eigerung  der 
Grabenanlieger, das erforderliche Gelände neben dem Graben gegen  Entschädigung 
als Eigentum  oder pachtweise herzugeben. Andrerseits hatten sich in W aßm annsdorf  
selbst infolge unterirdischen Abirrens von Drainwässern nach den westlich und nördlich 
angrenzenden N iederungen in Klein- und Groß-Ziethen Streitigkeiten und dauernde 
Schadenersatzansprüche wegen Durchfeuchtung ergeben. Um beide Uebelstände 
grundsätzlich zu beseitigen, w urde beschlossen, die Vorflut durch den Selchower 
Flu tgraben  aufzugeben und dafür in Gemeinschaft mit der Gemeinde Steglitz, für 
deren Rieselgut Klein-Ziethen ähnliche Schwierigkeiten bestanden, eine neue Vorflut 
nach dem inzwischen angelegten Teltowkanal zu schaffen ln W aßm annsdorf  wie in 
Klein-Ziethen beginnt diese Vorflut in Gestalt offener Gräben innerhalb der im eigenen 
Besitz befindlichen bezw. zu diesem Zweck erworbenen Ländereien in den G em arkungen  
Klein- und Groß-Ziethen und ist innerhalb der G em arkung  Rudow als geschlossener 
Rohrlauf bis zum Teltowkanal geführt. Dieser Rohrlauf besteht in der oberen Strecke 
auf 1741 m Länge aus kreisförmigen Zem entrohren von 1000 mm 0 und auf der 
2360 m langen unteren Strecke aus einem in Beton gestampften tunnelförmigen Kanal. 
Vor dem Einlauf in diese unterirdische Leitung ist ein doppeltes Klärbecken eingeschaltet,
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