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Periodical volume III. Allgemeine Verwaltung

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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In d e r  Berichtszeit  w urden  vier g rö ß e re  P rozesse  im V erw altu n g ss tre i tv e r fa h re n ,  
un d  z w a r  drei die R ichtigkeit der  W äh le rl i s ten  1912 und  1913 betreffend, in denen  
zwei E n tsc h e id u n g e n  von  prinzipieller B ed eu tu n g  e rg a n g e n  sind, und e ine r  g e g e n  die 
G ü lt ig k e i t  d e r  am  3 Mai 1912 im 3. Bezirk d e r  II. W ä h le ra b te i lu n g  erfo lg ten  W ah l 
d e s  M a u re rm e is te r s  S chuch  geführt.
In die W ähle r l i s te  1912 w a r  die S tad tg e m e in d e  als W ä h le r  e in g e trag e n .  H ie r ­
g e g e n  h aben  2 E in w o h n e r  (Hellw ig  und G rubich)  E in sp ruch  erhoben . Die S ta d t ­
v e r o r d n e te n v e r s a m m lu n g  g a b  den  beiden E in sp rüchen  statt und beschloß, am  14. O k ­
to b e r  19i 2 e ine  en tsp re ch e n d e  B e r ich t ig u n g  d er  W ählerlis te .  D er E ig e n tü m e r  Höffler 
füh lte  sich du rch  d iesen Beschluß  beschw ert  und  ver lang te  se ine  A ufhebung , indem  
e r  den  E in sp ru ch  von H ellw ig  und G rubich  bem änge lte .  D urch die E n tsc h e id u n g  des 
B e z i rk sa u s sc h u sse s  vom  11. F e b r u a r  1913 w u rd e  die K lage m a n g e ls  A ktiv leg itim ation  
d e s  K läg e rs  (Höffler) ab g e w iesen .  D iese E n tsc h e id u n g  w urde  auch  am  22. Mai 1913 
v o m  O b e rv e rw a l tu n g s g e r ic h t  bestät igt,  o h n e  daß  auf die w eite re  F ra g e ,  ob  die S tre i­
c h u n g  d es  M a g is tra t s  in d e r  W ähle r l i s te  m it Recht erfolgt ist o d e r  nicht, e in g e g a n g e n  
w u rd e .  G e g e n  die Richtigkeit der  W äh le rl is te  1913 ha t ten  d e r  E ig e n tü m e r  Höffler 
und  d e r  B u re a u v o rs te h e r  K urtzrock  E inspruch  erhoben  und  die E in t r a g u n g  des  
M a g is t ra t s  in die W äh le r l i s te  gefordert.  Die S ta d tv e ro rd n e te n v e rs a m m lu n g  hat den 
E insp ruch  durch  Besch luß  vo m  7. O k to b e r  1913 abgew iesen .  G eg e n  den ab w e ise n d en  
B esch luß  h ab e n  beide Klage im V erw altungss tre i tve r fah ren  erhoben . D er  B ezirks­
a u s s c h u ß  ha t  a m  12. Mai 1914 en tsch ieden , daß  d er  M agis tra t  in die Liste d e r  s t im m ­
fäh igen  B ü rg e r  fü r  d a s  J a h r  1913 au fz u n eh m e n  sei. Diese E n tsc h e id u n g  hat inzwischen  
die R ech tsk ra f t  e r la n g t .
G eg e n  die Richtigkeit d e r  W äh le r l i s te  1912 hatte  d e r  B u c h d ru c k e r  M ax  Roß 
E in sp ru c h  e rhoben ,  weil ihm  4 M. S teue rn  se iner  m in d e r jäh r ig e n  T o ch te r  nicht 
a n g e re c h n e t  w a re n  und  e r  ans ta t t  mit 7b M. n u r  mit 72 M. A u fn a h m e  in d e r  W ä h le r ­
liste g e fu n d e n  hatte . D er  E insp ruch  w u rd e  von der  S ta d tv e ro rd n e te n v e rs a m m lu n g  
z u rü c k g e w ie s e n  und  auch  die h ie rauf  bei dem  B ez irk sausschuß  zu P o tsd a m  erh o b e n e  
K lage  h a t te  ke inen  Erfolg. D as  O b e rv e rw a l tu n g sg e r ic h t  hat in der  S i tz u n g  vom  
27. O k to b e r  1913 die E n tsc h e id u n g  des  B e z i rk sa u ssc h u sses  vom  11 M ärz 1913 dahin  
a b g e ä n d e r t ,  daß  d e r  K läger  in d e r  W ä h le r l i s te  von  1912 statt m it 72 M. m it 76 M. 
S te u e rn  zu v e rze ichnen  sei.
Am 19. D ez em b e r  1912 hat die S ta d tv e ro rd n e te n v e rs a m m lu n g  fo lgenden  
B e sch luß  von  g ru n d sä tz l ic h e r  B e d e u tu n g  gefaß t:
Die K ra n k enhausp f lege ,  eben so  die Heim-, Heil- und  E rh o lu n g ss tä t te n ­
pflege soll künftig , soweit d a s  k o m m u n a le  W a h lrech t  in F ra g e  kom m t,  a ls  
A rm e n u n te rs tü tz u n g  nicht an g e se h e n  w erden ,  w en n  nach B e e n d ig u n g  des 
P flegefa l les  6  M ona te  h indu rch  re g e lm ä ß ig e  R ü c k zah lungen  geleis tet w o rd e n  
sind  und  w e n n  diese  Pflege nicht ans te l le  von  lau fender  U n te rs tü tzu n g  oder  
A rm en -  bezw. S ie c h e n h a u sp f le g e  g e w ä h r t  w o rd e n  ist.
2. F ü h r u n g  u n d  B e r i c h t i g u n g  d e r  W a h l -  u n d  M e l d e -  
b l ä t t e r .  Z u r  A u fs te l lu n g  d e r  W äh le r l i s ten  für  die W a h le n  zum  R eichstage  und 
A bgeord netenh ause und fü r  die S tad tv e ro rd n e te n w a h le n ,  sow ie  zur A ufs te llung  der  
Listen z u r  A u sw ah l  d e r  Schöffen und  G esc h w o re n en  und  d e r  V orsch lags lis ten  für 
E hrenbeam te wird eine K artenregistratur verw ende t.
D iese Kartenregistratur wird nach den polizeilichen An- u n d  A b m eld u n g en  
S ow ie den A nzeigen  der Standesäm ter über Sterbefälle berichtigt und in jedem  J a h r e  
nach erfolgter A ufnahm e d es P ersonenstandes z u r  Kontrolle mit d en  H ausl is ten  ver­
g lich en . Für die innerhalb d es S tadtgebietes w ohnenden w ahlbe rech t ig ten  P e rso n e n  
w erden Karten an gelegt, die alphabetisch nach Straßen, innerhalb d er  S t ra ß e n  nach 
H ausnum m ern und w iederum  innerhalb der H äuser alphabetisch g eo rd n e t  sind. Die 
vorkom m enden  V erzüge w erden auf Hauskarten von gelber Farbe verm erkt. Die 
Karten für preußische S taatsan geh örige sind von  w eißer ,  die für R e ichs in länder  von  
roter Farbe. Bei M itteilungen d es Polizeipräsidenten über die erfolgte A ufnahm e in 
den preußischen Staatsverband w erden die roten Karten d ieser Personen vernichtet 
und w eiß e Karten m it entsprechendem  Vermerk an geleg t Verzieht eine Person aus
        
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