Path:
Periodical volume II. Allgemeine Verwaltung

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

— 83 —
Es hat sich herausgestellt, daß in wirtschaftlicher Beziehung das im Rathause 
eingeführte System nicht zu empfehlen ist, weil die Ersparnis bei den Nebenanschlüssen 
von je 10 M. den tatsächlichen Unterhaltungskosten gegenüber nicht ins Gewicht fällt. 
Es müssen z. B. auch die Hauptanschlüsse voll bezahlt werden wie auch die Zahl 
der Hauptanschlüsse — nämlich für 5 Nebenanschlüsse 1 Hauptanschluß — voll erfüllt 
werden muß, während bei reinem Postbetriebe insofern Vergünstigungen eintreten, als 
nur für je 10 oder mehr Nebenanschlüsse ein Hauptanschluß gefordert wird, wie dies 
z. B. bei der Zentrale des Krankenhauses der Fall ist. Ferner kommt bei dem ge­
mischten System hinzu, daß sehr oft Störungen nicht schnell genug beseitigt werden, 
weil jede der beteiligten Stellen den Fehler der anderen Seite zuschieben will.
Die gesamten Kosten des Fernsprechwesens betrugen im Jahre 1910 13 770 M., 
im Rechnungsjahr 1911 15 713 M.
HI. Reichs-^ Staats- und Provinzialangelegenheiten.
1. Vertretung der Stadt 
im Reichstag, Landtag, Provinziallandtag und Verband Groß-Berlin.
A. Reichstag.
Der Stadtkreis Neukölln bildet mit den Stadtkreisen Charlottenburg, B.-Schöneberg, 
B.-Wilmersdorf und einem kleinen Teile des Stadtkreises Berlin*) sowie mit den 
Landkreisen Teltow und Beeskow-Storkow den 10. Reichstagswahlkreis des Regierungs­
bezirks Potsdam. Dieser W ahlkreis ist mit rund 1 315 000 Einwohnern und mehr als 
300 000 W ählern der größte des Deutschen Reichs. Bei der ersten nach der Reichs­
gründung vorgenom m enen Zählung betrug die Bevölkerung dieses W ahlkreises rund 
149 500, die Zunahm e von 1871 bis 1910 stellte sich also auf rund 1 165 000 oder 
780 Pz. Nach den gegenwärtigen Verhältnissen würden dem ganzen Wahlkreis 
8 M andate zustehen, auch Neukölln allein hätte nach der bei der letzten Volkszählung 
ermittelten Bevölkerungszahl eine eigene Vertretung zu beanspruchen. Vertreter des 
W ahlkreises ist seit 1893 der Expedient Fritz Zubeil (Soz.) in Berlin.
Der Reichstag wurde am 5. Dezember 1911 geschlossen, und der Beginn der 
A uslegung der W ählerliste für die bevorstehenden Reichstagswahlen auf den 14. De­
zember 1911 festgesetzt. Die Auslegung der W ählerliste erfolgte während der Dienst­
stunden im Rathause, außerdem werktäglich abends von 6—8 Uhr und am Sonntag 
von 1—5 Uhr nachmittags in 4 Turnhallen. Sie dauerte bis einschließlich 21. De­
zember 1911. Die Wählerliste wurde in 14 047 Fällen eingesehen. Es wurden 
802 Einsprüche erhoben.
Die Neuwahlen für den Reichstag fanden am 12. Januar 1912 statt. Hierzu 
wurde die hiesige Stadtgem einde unter Zugrundelegung des Ergebnisses der Volks­
zählung vom 1. Dezember 1910 (237 289 Einwohner) in 75 W ahlbezirke mit durch­
schnittlich 3164 Seelen eingeteilt. Bei den Vorwahlen von 1907 und 1903 hatte man 
sich noch mit 49 bzw. 36 W ahlbezirken begnügen können. Die Bevölkerung der 
einzelnen W ahlbezirke schwankte 1911 zwischen 2950 und 3476. Die Zahl der Wähler 
betrug insgesam t 65 041 und zwar in dem kleinsten Bezirke 535, in dem größten 1330. 
Ihr Stimmrecht haben 57 647 W ähler (88.63 Pz.) ausgeübt. Die W ahlbeteiligung war
*) Von Berlin gehört zum Wahlkreise ein nur wenig bewohnter Teil des Tiergartens be­
stehend aus: Bellevueufer, Park und Schloß Bellevue, Berliner Str. 152 (fiskalisches Grundstück an der 
Charlottenburger Chaussee), Gartenufer, dem Gärtnergrundstück an der großen Quer- und Bellevueallee, 
Hippodrom und W asserwerke im Tiergarten, Kurfürstendamm 9, Kurfürstenplatz, Lützowufer 39, dem 
Tiergarten, Tiergartenförsterei, Schleuseninsel, Schweizerhaus, den Stadtbahnbogen 488 bis 530, Tier­
gartenufer, Zeltenallee, dem Zoologischen Garten.
II'
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.