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Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

Vorwort .
Im vorliegenden Verwaltungsbericht, dem ersten, den die Stadt unter dem Namen 
Neukölln herausgibt, wird eine aktenm äßige Darstellung von der Entwickelung der 
städtischen Verwaltungszweige gegeben. Trotz kürzester F assung des Inhalts hat der 
Bericht, entsprechend der A usdehnung der Gemeindeverwaltung, wiederum eine E r­
w eiterung erfahren. Neu sind die Abschnitte über Grundstücksm arkt und Bautätigkeit, 
über Rechtsangelegenheiten, Polizeiverordnungen, Bebauungspläne u. a. m.
Die im Vorbericht bereits erwähnte Besserung des W irtschaftslebens hat in den 
Berichtsjahren 1910 und 1911 w eiter angehalten. Obwohl T euerung und Kriegsgefahr 
schädigend auf alle ökonom ischen W erte wirkten, sind der deutschen Volkswirtschaft r 
krisenhafte E rschütterungen größeren Umfangs ferngeblieben. Der Beschäftigungsgrad 
in Industrie und Handel w ar in den Gemeinden Groß-Berlins günstig. Auf dem 
Grundstücksm arkt m achte sich freilich, durch die veränderte G esetzgebung, den teuren 
Geldstand und die dam it verbundene Schwierigkeit der Hypothekenbeschaffung, eine 
weitgehende Depression bemerkbar. Auch in der Bautätigkeit fehlte es an Leben und 
Unternehm ungslust.
Trotzdem hatte sich die Stadt w iederum eines stetigen Aufschwungs zu erfreuen. 
Die Bevölkerungszunahm e war mit 17 168 und 14 695 oder 7.7 und 6.1 Pz. immer 
noch lebhaft, obschon sie hinter dem Bevölkerungsw achstum  früherer Jahre, ins­
besondere der Jah re  1904 und 1905, die eine Verm ehrung um 20 309 bzw. 20 201 
oder um 17.5 bzw. 14.8 Pz. gebracht hatten, erheblich zurückblieb. Allem Anschein 
nach wird unter der E inwirkung der verringerten Bautätigkeit die ruhigere W eiter­
entw ickelung der Gemeinde auch noch in den nächsten Jahren anhalten.
Die Neuköllner Kom m unalverwaltung w ar bemüht, eine w eitausschauende Politik 
zu treiben. Von Erfolg gekrönt waren die B em ühungen der Stadt um eine plan­
mäßige A brundung und V ergrößerung des städtischen Grundbesitzes. Unter anderm 
wurden angekauft die um fangreichen Grundstücke der Lazarusschen Erben am M arien­
dorfer Weg, das Gelände der Luisenstadt-Kirchengemeinde am Mittelweg, 5 Hektar 
unbebauten Geländes zwischen Grenzallee und Britzer Osthafen, die Randflächen des 
dem K iesgrubenbesitzer Körner gehörigen Grundbesitzes in der Jonasstraße zwecks 
Anlegung des Körnerparks. An H ochbauten wurden u. a. fertiggestellt: das städtische 
Elektrizitätswerk am W eigand-Ufer, der Erw eiterungsbau des Rathauses in der Donau­
straße, die Mittel- und Gemeindeschule in der Donaustraße, die Realschule am 
Boddinplatz, die Feuerw ache und Straßenreinigungsanstalt in der Em ser Straße. Von 
sonstigen Neuschöpfungen sind zu nennen: die Errichtung der städtischen Hypotheken­
anstalt, des Leihamts und der städtischen Druckerei.
N e u k ö l l n ,  Anfang März 1913.
Der Magistrat.
K a i s e r .
        
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