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Periodical volume VI. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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selbstregistrierenden W age gew ogen. Ebenso ist unterhalb der trichterförmigen 
Bunkerausläufe je eine autom atische Wage mit Zählwerk eingebaut, so daß eine 
Kontrolle der eingehenden sowie der täglich verfeuerten Kohle gewährleistet ist.
Nach Passieren der W age fallen die Kohlen durch viereckige Eisenrohre in die 
Vorratstrichter der Kessel und werden von den durch einen Elektromotor angetriebenen 
Kettenrosten neuester Konstruktion der Verbrennung zugeführt. Es werden sonach 
die Kohlen vollständig maschinell vom Schiff zu der Verbrennung befördert, ohne von 
einer Schaufel berührt zu werden, stets unsichtbar und ohne Staubentwickelung.
Auf der von dem Kanal abgewendeten Seite des M aschinenhauses ist eine 
Anlage für die Rückkühlung des für die Kondensation des verbrauchten Dampfes 
erforderlichen Kühlwassers untergebracht. Der Bau einer solchen war erforderlich, 
da der Kanal, aus dem das Kühlwasser wohl sonst hätte entnommen werden können, 
bisher als Stichkanal ausgeführt ist, der keine Zirkulation besitzt. Bei den verhältnis­
m äßig recht erheblichen Kühlwassermengen würde das in den Kondensatoren der 
Maschinen erwärm te und dem Kanal wieder zu geführte W asser ohne vorherige Ab­
kühlung wieder den M aschinen zufließen, also bereits warm in die Kondensatoren 
eintreten, und somit die beabsichtigte W irkung nicht haben.
In dem H auptgebäude ist die Kessel- und die M aschinenanlage untergebracht. 
Das Kesselhaus, das eine Länge von 27 m und eine Breite von 30 m hat, bietet 
Raum für 6 Kessel, die, wie bereits erwähnt, in 2 Reihen angeordnet sind. Zunächst 
sind jedoch nur 3 Kessel von je 410 qm Heizfläche aufgestellt, ein 4. ist bereits in 
Auftrag gegeben. Jeder Kessel ist mit einem Ueberhitzer von 120 qm und einem 
Oekonomiser von 240 qm Heizfläche ausgerüstet und erzeugt stündlich bis zu 12000 kg 
Dampf von 16 Atm. Ueberdruck und 380—400° Ueberhitzung, w ährend die Oekonomiser 
das Speisew asser auf etwa 110" L vorwärmen und so auch noch den letzten Rest der 
Wärme der Verbrennungsgase, soweit dieselbe nicht für den Auftrieb (Schornsteinzug) 
erforderlich ist, ausnutzen. Hervorgehoben soll hier werden, daß die Verbrennung 
der Kohle auf den Ketten rosten eine durchaus vollständige, d. h. rauchfreie ist.
Der in den Kesseln erzeugte Dampf wird der H auptleitung über automatisch 
wirkende Rohrbruchventile, die auch von Hand betätigt werden können, zugeführt. 
Diese automatisch wirkenden Ventile schließen sich, sobald eine übermäßig starke 
Dampfentnahme stattfindet, d. h. bei einem Bruch der Rohrleitung. Sie schützen also 
das Bedienungspersonal gegen die Gefahren eines Rohrbruches. Die Hauptleitung 
ist als vollständige Ringleitung ausgebildet und so dimensioniert, daß sie für die F ort­
leitung des Dampfes von 4 Kesseln bei voller Belastung ausreicht. Bei weiterer 
V ergrößerung der Kesselanlage wird eine 2. H auptleitung verlegt werden. Es ist dies 
aus wirtschaftlichen Gründen vorteilhafter, als wenn die Rohrleitung von vornherein 
in einer solchen Weite ausgeführt worden wäre, daß sie für alle im Kesselhaus auf­
stellbaren Kessel ausreichend wäre.
Vom Kesselhaus durch eine Betonwand getrennt ist das M aschinenbaus. Seine 
Länge wurde so gewählt, daß sie gleich der Breite des Kesselhauses ist, also 30 m. 
Dadurch w urde erreicht, daß beide Räume unter einem Dach vereinigt werden konnten 
und dadurch äußerlich als ein um so imposanteres Ganze wirken. Die Breite des 
M aschinenhauses beträgt 18 m. Der mittlere Teil desselben ist fast ebenso hoch wie 
breit und oben durch eine durchbrochene Kassettendecke, deren D ehnungen die Ventilation 
des Raumes bilden, abgeschlossen. In etwa 10 m Höhe über dem Fußboden be­
findet sich die Laufbahn für einen über die ganze Länge des M aschinenhauses ver­
fahrbaren Laufkran, der mit 2 Laufkatzen von je 15 000 kg Tragfähigkeit ausgerüstet 
ist, so daß Stücke bis zu 30000 kg Gesamtgewicht mit demselben gehoben und 
transportiert werden können. In diesem gewiß recht imposanten für ein großstädtisches 
Elektrizitätswerk jedoch kleinen M aschinenraum ist Platz für 5 Dampfturbinen bis zu 
einer Größe von je 8— 10000 PS.
Bevor der von den M aschinen erzeugte Strom in die Hauptkabel gelangt, muß 
er eine Reihe von Apparaten und Instrumenten bzw. die diese betätigenden Strom- 
und Spannungsw andler durchfließen. Die für die Beobachtung und Regulierung der 
M aschinen erforderlichen Instrum ente sind in Schaltpulten untergebracht, die auf einem
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