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Periodical volume VI. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Abgabefrei war vertragsm äßig die Lieferung von Strom an die Stadtgem einde 
zur Beleuchtung von Straßen sowie für die Lieferung zum Betriebe elektrischer 
Bahnen.
Die S teigerung des Elektrizitätskonsums und der von den B. E. W. an die Stadt 
gezahlten Abgaben ist in nachstehender Uebersicht kenntlich gemacht.
Stromverbrauch Betrag der an die
Stadt vertragsmäßig
Kalenderjahr Lichtstrom Kraftstrom | überhaupt gezahlten Abgabe
Kilowattstunden M.
2. Hälfte 1901 4 493.65 18 362.9 22 856.55 597.59
1902 30 377.51 185 866.09 216 243.60 5 197.55
1903 63 215.93 316 722.25 379 938.18 9 887.43
1904 119 863.4 455 681.7 575 545.10 14 245.58
1905 208 499.1 724 459.7 932 958.8 22 727.69
1906 339 281.5 1 166 591.4 1 505 872.9 39 965.85
1907 440 493.3 1 540 551.3 1 981 044.6 43 936.09
1908 498 725.9 1 730 547.9 2 229 273.8 57 053.63
1909 559 175.— 1 976 481.— 2 535 656.— 64 315.07
1910 772 573.3 2 394 166.5 3 166 739.8 80 743.20
1.1. bis 16.X. 1911 743 953.1 2 153 169.4 | 2 897 122.5 75 353.88
In dem Konzessionsvertrage der Stadt mit den B. E. W. war bestimmt, daß es 
der Stadt freistehen sollte, nach Verlauf von 10 Jahren, gerechnet von der erstmaligen 
Strom abgabe, und mit zweijähriger Kündigungsfrist die Strom versorgung des S tadt­
gebietes anderw eitig zu regeln. Im Falle der Kündigung von Seiten der Stadt sollte 
diese berechtigt und verpflichtet sein, das Kabelnetz nebst Zubehör (Transformatoren, 
Zähler usw.) zum Buchwert — tatsächliche zugleich angem essene Anschaffungskosten, 
verm indert um m in d e s te n s  3 Pz. Abschreibungen pro Jah r — zu übernehm en.
Diese für den Weitblick der Stadtverw altung zeugende bedeutungsvolle Vertrags­
bestim m ung muß in jeder Hinsicht als glücklich bezeichnet werden. Hätte die Stadt 
zu jener Zeit, wie es damals erwogen wurde, ein eigenes Elektrizitätswerk erbaut, 
das den derzeitigen Verhältnissen, selbst unter Berücksichtigung einer starken E nt­
wickelung, entsprochen hätte, so wäre sie mit diesem W erke auf die Dauer doch nicht 
ausgekomm en. W ar doch die Gesam tleistung des Ende der 90 er Jahre projektierten 
W erkes kaum größer als die Leistung der jetzt in dem neuen städtischen Werk zur 
Aufstellung gelangten kleinsten M aschine! Außerdem ist aber in den Antriebsmaschinen 
größerer elektrischer Zentralen eine vollständige A enderung eingetreten: früher waren 
Kolbenmaschinen üblich, jetzt kommen lediglich Dampfturbinen in Betracht, die sehr 
viel w eniger Platz und Bedienung erfordern und infolge der Möglichkeit der An­
w endung höherer Dampftemperaturen sehr viel sparsam er arbeiten. Der mit den 
B. E. W. geschlossene Vertrag, der auf Grund eben der Kündigungsklausel nur ein 
Provisorium darstellen sollte, hat beiden Kontrahenten Vorteil gebracht. Die Stadt 
hat von den B. E. W. in den 10 Jahren 1901 — 1911 ansehnliche Beträge als
Konzessionsabgabe erhalten, und sie konnte bei E inrichtung ihres eigenen neuen
W erkes alle Vorteile der modernen Technik zur A nw endung bringen, und auch die 
B. E. W. haben sich nicht schlecht gestanden, zumal sie Neukölln von den vorhandenen 
Kraftstationen mitversorgen konnte, also kein besonderes Kraftwerk hatten errichten 
müssen.
Schon im Jahre 1908 war von den städtischen Körperschaften die Kündigung
des Strom lieferungsvertrages mit den B. E. W. und der Bau eines eigenen städtischen
Kraftwerks beschlossen worden. Am 1. Oktober 1909 wurde für die Bearbeitung und 
die Ausführung des Projekts ein eigenes Baubureau unter Leitung des Ingenieurs Voß, 
jetzigen Direktors des Werks, geschaffen.
        
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