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Periodical volume X. Verkehrswesen, Märkte, Preise

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Ferner kam der Vertrag wegen des Baues eines neuen Ringbahnhofs an der 
Kaiser-Friedrich-Straße zustande. Dieser Bahnhof, der unter erheblicher finanzieller 
Beteiligung der Stadtgem einde errichtet wird, soll noch im Laufe des Jahres 1912 in 
Betrieb genom m en werden. Auch die Verhandlungen wegen Errichtung eines Bahn­
hofes an der Niederschöneweider Anschlußbahn im Gebiet der sogenannten Köllnischen 
Heide unweit des Dammweges kamen zum erfolgreichen Abschluß, dagegen gelang 
es nicht, den mehrfachen Eingaben auf Verm ehrung der Zugfolge auf dem Südringe 
und auf günstigere Verlegung der Zuganschlüsse auf der N iederschöneweider Strecke 
Geltung zu verschaffen, da nach den Bescheiden der Eisenbahndirektion betriebs­
technische Gründe eine V eränderung der Fahrpläne nicht zuließen.
B. Straßenbahnen.
Vom 1. Mai 1910 ab wurden auf drei Straßenbahnlinien Veränderungen der 
Fahrstrecken eingeführt: die Linie 21 (Moabit—Britz) wurde von der Knesebeckstraße 
bis zur Germ aniaprom enade in Britz verlängert, die Linie 58 (Britz—Zentral-Viehhof) 
von der Germ aniaprom enade bis zum Britzer Rathaus zurückgezogen und die End­
haltestelle der Linie 48 (Britz—Schönhauser Allee) von der W alterstraße nach der 
Jahnstraße in Britz verlegt. Am 20. Oktober 1910 konnte auch der S traßenbahn­
verkehr nach Treptow, allerdings zunächst nur teilweise, bis zur Elsenstraße Ecke 
Heidelberger Straße aufgenom m en werden, und zwar durch die Linie 89 (W ildenbruch­
platz—Zoologischer Garten). Die Gleisanlagen in der W ildenbruch-, Harzer und 
Elsenstraße wurden auf Kosten der Stadtgem einde hergestellt und ihre Benutzung der 
Südlichen Berliner Vorortbahn gegen 5 prozentige Verzinsung des Baukapitals gestattet. 
Nachdem dann im angrenzenden, der Gemeinde Treptow gehörigen Teil der Elsen­
straße gleichfalls die Schienenanlagen fertiggestellt waren, wurde die Linie 89 wieder 
nach dem W ildenbruchplatz zurückgezogen und eine neue Linie 19 eingeführt, die als 
Ringlinie folgende Hauptverkehrspunkte berührt: vom Bahnhof Putlitzstraße zum 
Hackeschen Markt, am Rathaus Berlin vorüber zum Alexanderplatz, von hier zum 
Moritzplatz bzw. über Treptow nach Neukölln durch die Ziethen- und Steinmetzstraße. 
Am 9. August 1911 wurde die Linie 28 (Britz—W ittenau) von der Anstalt Dalldorf 
bis zum Nordbahnhof W ittenau weitergeführt. Am 21. August 1911 wurden drei neue 
Straßenbahnlinien für Neukölln dadurch geschaffen, daß die Endpunkte von bisher in 
Berlin am Dönhoffplatz endigenden Linien zur Entlastung des dortigen starken Ver­
kehrs weiter nach Neukölln gerückt wurden, und zwar die der Linien P (W estend— 
Ringbahnhof Neukölln), R (Spandauer Bock—W ildenbruchplatz) und 13 (Knesebeck­
straße—Moabit). Die Linie R stellt eine Verbindung vom Spandauer Bock über den 
Zoologischen Garten, Potsdam er Platz, Moritzplatz zum W ildenbruchplatz dar, während 
die Linie P von W estend über den Zoologischen Garten, Potsdam er Platz, Dönhoff­
platz bis zum Ringbahnhof Neukölln führt. Die Linie 13 (Knesebeckstraße—Moabit) 
führt als Verlängerung der Linie 94 (Knesebeckstraße—Dönhoffplatz) über den Haus­
voigteiplatz, K aiser-Franz-Josephplatz, Reichstagplatz nach Moabit Birkenstraße.
Auch sonst waren die Straßenbahngesellschaften bemüht, dem starken Verkehrs­
andrang, der insbesondere zu den Zeiten des Berufsverkehrs sich bem erkbar machte, 
Rechnung zu tragen. Bei der Beurteilung der Verkehrsverhältnisse darf aber nicht 
außer acht gelassen werden, daß sie für Neukölln dadurch eine nicht gerade günstige 
Aenderung erfahren haben, daß in Britz ein neuer Straßenbahnhof in Betrieb ge­
nommen ist und bisher in Neukölln endigende Linien weiter nach Britz geführt worden 
sind. Der erstere Umstand hat für gewisse Teile des Neuköllner Gebietes dem Spät­
verkehr die Möglichkeit zur Benutzung bisher auf dem Bahnhof Kanner Straße aus­
setzender letzter W agen entzogen, der andere hat zur Folge, daß die von Britz 
kommenden W agen bereits eine stärkere Besetzung aufweisen und das Mitkommen 
nach Berlin hinein erschweren, und daß auf den Fahrten von Berlin nach Neukölln 
unsere E inw ohner bei der B ahnbenutzung nunm ehr auch in Konkurrenz mit den 
Britzer Einwohnern treten müssen. Zu diesen beiden Erschwernissen des Straßen­
bahnverkehrs gesellt sich noch als drittes Moment die unvorteilhafte Verkehrsverbindung
        
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