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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Haus- und Grundbesitzervereins mit Hilfe der Provinz ein Pfandbriefamt ins Leben 
gerufen wurde, das dazu bestimmt sei, auch die Bedürfnisse der Neuköllner H aus­
besitzer zu befriedigen.
Die städtischen Körperschaften beharrten trotzdem bei der Errichtung einer eigenen 
sich nur auf das Gebiet der Stadt Neukölln erstreckenden Anstalt, weil sie der Ueber­
zeugung waren, daß die Förderung des Grundkredits nur durch lokale E inrichtungen 
erfolgen kann und beschlossen die Aufnahme einer Anleihe von 20 Millionen Mark 
zum Betriebe einer städtischen Hypothekenanstalt. F ü r die Verwaltung der Anstalt 
selbst w urde ein O rtsstatut auf Grund des § 11 der Städte-O rdnung vom 30. Mai 1853 
erlassen. Dieses Ortsstatut fand unter dem 5. März 1912 die G enehm igung des 
Bezirksausschusses zu Potsdam  und, da am gleichen Tage auch die Aufnahme der 
Anleihe in der vorbezeichneten Höhe genehm igt wurde, stand der Eröffnung der 
Anstalt nichts m ehr im Wege.
Die Anstalt beleiht nur bebaute Grundstücke, die in Neukölln belegen sind und 
zwar bis zur Höhe von ®/io des Grundstückswertes, der durch die Taxe zweier 
gerichtlicher Sachverständigen festgestellt wird. Unbebaute Grundstücke dürfen nur 
dann belieben werden, w enn sie an anbaufähiger Straße belegen sind und wenn die 
aufzunehm ende Hypothek zur B ebauung des Grundstücks bestimmt ist. Der zunächst 
4 'A  Pz. betragende Zinssatz für erststellige Hypotheken mußte infolge der andauernden 
Versteifung des Geldmarktes auf 4 s/a  Pz. erhöht werden. Daneben ist eine einmalige 
Abschlußprovision von 1 Pz. sowie Ersatz der Stem pelkosten für die Aufnahme der 
Anleihegelder in Höhe von ’/«  Pz. zu zahlen. Außerdem muß der Eigentüm er die Kosten 
für die G rundstückstaxe tragen. Neben den Zinsen wird zur T ilgung der Hypothek 
ein Betrag von '/* Pz. der Darlehnssum me jährlich erhoben. Die Tilgung der Hypo­
theken ist von dem Bezirksausschuß bei der G enehm igung der Anleihe ausdrücklich 
zur B edingung gem acht und muß in jedem Falle von den Eigentüm ern verlangt 
werden. Die getilgten Beträge werden den Eigentüm ern mit dem jeweiligen Zinsfuß, 
den die städtische Sparkasse für die Spareinlagen gewährt, bis zur vollständigen Tilgung 
der Hypothek verzinst.
In der Zeit vom 5. März 1912 bis Ende Septem ber 1912 sind bei der Anstalt 
bereits 32 schriftliche Anträge auf erststellige Beleihung gestellt und mindestens die 
gleiche Zahl von Anträgen ist in m ündlicher Besprechung erörtert worden. Abgelehnt 
wurden 14 Anträge, w ährend 18 Anträge in Höhe von zusamm en 2 372 500 M. g e­
nehm igt wurden.
Die städtischen Körperschaften haben nun aber ihr Augenm erk nicht nur auf die 
Bereitstellung von Mitteln für e rs ts te llig e  Hypotheken gerichtet, sondern sie legten vor 
allen Dingen W ert darauf, den Eigentüm ern auch Mittel für zw eits te llig e  Hypotheken 
in angem essenen Grenzen zur Verfügung zu stellen, um den gerade auf diesem Gebiet 
noch viel schärfer hervortretenden Mißständen, die teilweise zu wucherischer A usnützung 
der Eigentüm er führten, entgegenzutreten. Um sofort den ärgsten Uebelständen abzu­
helfen, wurde beschlossen, zunächst die städtischen Sammelfonds für diesen Zweck 
nutzbar zu machen. B edingung für die Hergabe einer zweiten Hypothek ist, daß 
der Eigentüm er in allen Fällen in Neukölln seinen W ohnsitz hat, damit so eine 
Seßhaftm achung des Grundbesitzers erreicht wird. Die Hypotheken dürfen über 75 Pz. 
des durch eine Taxe festgestellten W ertes nicht hinausgehen und müssen an zweiter 
Stelle im Grundbuch eingetragen sein. In besonderen Fällen, namentlich dann, wenn 
das Grundstück in besonders guter Verkehrsgegend liegt und sein Ausbau ein hervor­
ragend guter ist, kann die Beleihungsgrenze bis auf 80 Pz. ausgedehnt werden. Die 
zweitstelligen Hypotheken werden stets auf 5 Jah re  festgeschrieben. Der Zinssatz 
beträgt 5 Pz. Zur Deckung der Verwaltungsunkosten gelangt eine einmalige G ebühr 
von 1 Pz. zur Erhebung.
Auf zweitstellige Beleihung sind von Juni 1911 bis Ende Septem ber 1912: 92 An­
träge gestellt worden. Davon mußten 56 abgelehnt werden, während 36 mit einem 
Kapital von 970500 M. berücksichtigt werden konnten. Es wird hervorgehoben, daß 
die Bearbeitung gerade der Anträge auf G ew ährung zweitstelliger Hypotheken mit 
Rücksicht auf das immerhin vorhandene Risiko der Stadtgem einde eine besonders
        
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