Publication:
1913
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8240172
Path:
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Betrachtet man die Verteilung der Altersklassen über die einzelnen Stadtteile, so 
ergibt sich, daß die Säuglinge über dem Durchschnitt (2.59 Pz.) vertreten waren im 
Tempelhofer (3.14), Britzer (2.82), Treptow er (2.75) und im Deutschen Stadtteil (2.74). 
Der Anteil der Schulkinder im Alter von 6 bis 14 Jahren belief sich für die ganze 
Stadt auf 15.02 Pz., darüber hinaus waren sie vertreten mit 16.93 im Treptower, 16.58 
im deutschen, 15.80 im Tempelhofer, 15.61 im Köllnischen Stadtteil und mit 15.66 in 
der Innenstadt; auffallend gering war der Prozentsatz von 12.47 für den Berliner Stadt­
teil. Die über 90 Jähre alten Personen verteilten sich mit Ausnahme des Britzer und 
Treptow er Stadtteils über das ganze Stadtgebiet.
Ueber die Verschiedenheit der Anteile der Hauptaltersklassen in den drei Volks­
zählungsjahren 1900, 1905 und 1910 gibt die Tabelle 5 und das Schaubild aüf Seite 9 
Aufschluß. Der Anteil der Säuglinge ging von 3.06 auf 3.04 bzw. 2.59 Pz. zurück; 
eine Erscheinung, die im wesentlichen auf dem Sinken der Geburtenziffer beruhen 
dürfte. Auch die Zahl der noch nicht schulpflichtigen Kinder im Alter von über 1 bis 
zu 6 Jahren ist von 14.39 auf 12.69 bzw. 12.38 Pz. gesunken, ebenso die der Schul­
pflichtigen von 17.14 auf 15.83 bzw. 15.02. Bei den im Alter von 14 bis 21 Jahren 
stehenden Personen war im Jahre 1905 gegen 1900 eine geringe Zunahme von 10.14 auf 
11.08 Pz. festzustellen, von 1905— 1910 wieder eine Abnahme auf 10.55 Pz. Bemerkens­
wert ist das Anwachsen der im erwerbsfähigsten Alter von 21 bis 50 Jahren stehenden 
Personen von 46.47 auf 48.42 bzw. 50.28 Pz., während die höheren Altersklassen 
über 50 Jahre mit 8.80 bezw. 8.64 und 9.18 Pz. fast gleich geblieben waren.
Der für das ganze Königreich Preußen übereinstimmenden Zählkarte A der Volks­
zählung vom 1. Dezember 1910 waren von den Groß-Berliner kommunalen Statistischen 
Aemtern einige Zusatzfragen eingefügt worden, von denen eine der interessantesten 
die F rage nach der Ernährungsw eise der Säuglinge ist. Die tabellarische Aufbereitung 
dieser Zusatzfrage ist für Neukölln wie für die andern Vororte vom Statistischen Amt der 
Stadt Berlin vorgenomm en worden. Die F rage lautete: „Bei Kindern im ersten Lebens­
jahre: Womit wird das Kind jetzt (1. Dezember) ernährt? M uttermilch? — Ammen- 
milch? — Flasche? — F ür Kinder, die jetzt nicht Brustmilch bekommen: Hat das 
Kind früher die Brust bekom m en? W enn ja, bis wann M uttermilch? — Am m enm ilch?“
In Neukölln wurden am 1. Dezember 1910 6145 Säuglinge gezählt, darunter 
3183 (51.79 Pz.) Knaben und 2962 (48.21 Pz.) M ädchen. Wie aus Tabelle 6 er­
sichtlich, waren mit Muttermilch allein und mit Muttermilch und Flasche gleichzeitig 
1972 (32.09 Pz.) Kinder ernährt. H ierunter befanden sich für die Geburtsmonate 
Juli, Juni und Januar je 1 Knabe, im August und im Februar je 1 Mädchen, zu­
sammen also 5 Säuglinge, die Ammenmilch bekamen. Mit Muttermilch allein wurden 
1746 Kinder (28.41 Pz.) ernährt, d. h. noch nicht 8/io aller Säuglinge. Nur die 
Flasche bekamen 3953 (64.33 Pz.) Kinder, davon 1896 (30.86) schon von der Geburt 
an, ein nicht gerade günstiges Ergebnis. Für 220 (3.58) Fälle war die E rnährungs­
weise nicht bekannt.
B. Bevölkerungsbewegung.
Die Erm ittelung der Bevölkerungszahl für die zwischen den Volkszählungen 
liegenden Jahre erfolgt durch die sogenannte Bevölkerungsfortschreibung im Statistischen 
Amte der Stadt. Fortgeschrieben wird die Bevölkerungszahl in der Weise, daß man 
ständig zu ihr den Zugang aus Geburten und Zuzügen addiert und andererseits den 
Abgang aus Sterbefällen und W egzügen subtrahiert. Da aber die Meldungen besonders 
der W egzüge stets sehr unvollständig eingehen, so wird zu den W egzugsmeldungen, 
um diese Fehlerquelle möglichst einzuschränken, seit einigen Jahren regelmäßig noch 
ein Zuschlag gemacht. Wie hoch er zu bemessen ist, das läßt sich genau für das 
zwischen den letzten beiden Volkszählungen liegende Jahrfünft erst nach der Fest­
stellung des endgültigen Zählungsresultats der letzten Volkszählung beurteilen. Aus 
der Abweichung der durch Fortschreibung berechneten Bevölkerungszahl von der durch 
Zählung ermittelten, die als die zuverlässigere anzusehen ist, ergibt sich die Höhe des
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