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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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B. Unfallversicherung.
Auf dem Gebiete der Unfallversicherung sind im Rechnungsjahre 1910: 2767, 
im Rechnungsjahre 1911: 2644 Sachen erledigt worden. Wie in den Vorjahren, wurden 
die Lohnnachw eisungen von E igenbauunternehm ern nur sehr selten eingereicht, so 
daß fast ausschließlich eine amtliche Schätzung der Löhne und Aufstellung der Lohn­
nachweisungen erfolgen mußte, was eine erhebliche Arbeit verursachte. Für Unfälle 
bei Bauarbeiten, zu deren Ausführung w eniger als 6 Tage erforderlich sind, hat die Nord­
östliche Baugewerks-Berufsgenossenschaft im Jahre 1910: 30265 M. und im Jahre 1911: 
27391 M. aufwenden müssen. Diese Kosten sind auf die im Bezirke der Berufsgenossen­
schaft belegenen Kreise nach der Einwohnerzahl um gelegt worden. Neukölln hat im 
Jah re  1910: 425 M. und im Jahre 1911 infolge der bei der letzten Volkszählung auf 
237289 festgestellten Einwohnerzahl 558 M. als beitragspflichtiger Stadtkreis zahlen 
müssen. Unter den Verletzten befindet sich ein Einwohner Neuköllns, der im Jahre 1910 
einen Betrag von 945M., im Jahre 1911: 552 M. an Renten und sonstigen Entschädigungen 
erhalten hat.
Als recht vorteilhaft stellt sich immer m ehr und m ehr die Selbstversicherung 
unserer Arbeiter in dem E igenbaubetriebe. der Stadtgem einde heraus. W ährend die 
Stadtgem einde durch die Versicherung bei der Tiefbauberufsgenossenschaft jetzt jährlich 
etwa 7500 M. an Prämien hätte zahlen müssen, sind an Kosten im Rechnungsjahre 1910 
nur 2359 M. und im Rechnungsjahre 1911: 2401 M. entstanden, ln den Etat sind 
jährlich 5000 M. eingesetzt; der nicht verwendete Betrag wird einem Sammelfonds 
zugeführt, der am Schluß des Rechnungsjahres 1911 nach erst sechsjährigem  Bestehen 
bereits die ansehnliche Höhe von 22992 M. erreicht hat. Falls der Erfolg sich weiter 
so günstig  gestalten sollte, wird man in einigen Jahren dazu übergehen können, die 
entstehenden Kosten aus den Zinserträgen des aufgesparten Kapitals zu bestreiten. Im 
Rechnungsjahre 1910 haben sich in den der Selbstversicherung unterliegenden Betrieben 
18 Unfälle ereignet, darunter 2, die zu einer Entschädigung geführt haben, im Jahre 1911 
waren 23 Unfälle mit 3 Entschädigungspflichtigen zu verzeichnen. Im ganzen erhielten 
im Rechnungsjahre 1910: 10 und im Jahre 1911: 8 Personen Renten. Nach der Reichs­
versicherungsordnung wird ein großer Teil der Betriebe, die bisher nicht versichert 
waren, neu in die Unfallversicherung aufgenommen. Auf Grund des Artikels 49 des 
Einführungsgesetzes und der A usführungsbestim m ungen des Reichsversicherungsamts 
hatten die U nternehm er eines Betriebes, der nach den neuen Bestimm ungen unfall­
versicherungspflichtig wird, bis zum 15. März d. J. die erforderlichen Anmeldungen zu 
bewirken. Da den Bekanntm achungen in den Zeitungen erfahrungsgem äß wenig 
Beachtung geschenkt wird, sind ca. 300 U nternehm er der mutmaßlich in Frage 
kom m enden Betriebe durch besondere Schreiben zur Beantwortung der notwendigen 
Fragen aufgefordert worden, um sie vor W eiterungen zu schützen. Dieses Verfahren 
hat sich insofern bewährt, als die Angaben möglichst rechtzeitig und vollständig erfolgten 
und Strafen nicht verhängt zu werden brauchten.
C. Invalidenversicherung.
Nach dem Inkrafttreten der Vorschriften des vierten Buches der Reichsversicherungs­
ordnung über die Invaliden- und H interbliebenenversicherung am 1. Januar 1912, das 
einen weiteren wesentlichen Fortschritt in der sozialen Fürsorge bedeutet, haben auch 
die hinterbliebenen Witwen und W aisen der auf Grund der Reichversicherungsordnung 
für den Fall der Invalidität und des Alters versicherten Personen unter bestimmten 
Voraussetzungen Anspruch auf Zahlung einer laufenden Rente. F rüher hatten sie nur 
die von dem verstorbenen E rnährer geleisteten Versicherungsbeiträge zurückgezahlt 
bekommen.
Nach § 36 der Reichsversicherungsordnung muß bei jeder unteren Verwaltungs­
behörde eine Abteilung für A rbeiterversicherung — ein Versicherungsamt — errichtet 
werden. Das Versicherungsam t hat die Geschäfte der Reichsversicherung wahrzunehmen, 
und in Angelegenheiten der Reichsversicherung Auskunft zu erteilen. Die Kosten der 
V ersicherungsäm ter haben, soweit diese den M agistraten der kreisfreien Städte angegliedert
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