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Periodical volume VIII. Gesundheitswesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Desinfiziert wurden
im Etatsjahre 
1910 1911
Räume einschl. S t a t i o n e n ............................................. 138 147
M atratzen, Keilkissen, Kopfkissen, wollene Decken 14 344 19 320 
Kleidungsstücke für P a t ie n te n ....................................... 3 995 6 188 
Verschiedenes, Krankenwagen usw ................................ 122 932
Das Personal bestand aus einem Oberdesinfektor, einem Desinfektor zur Bedie­
nung des Dampfdesinfektionsapparates und 6 Desinfektoren für die Ausführung der 
W ohnungsdesinfektionen. Zu den vorhandenen Desinfektionstransportwagen trat im 
Herbst 1911 ein neuer größerer W agen hinzu. Die Bespannung, Bedienung usw. der 
W agen erfolgte durch die städtische Straßenreinigungsanstalt.
Die Gesam taufwendungen für das Desinfektionswesen (ohne Gebäudeverzinsung) 
waren 1910 mit 18 300 M., 1911 mit 21 600 M. veranschlagt.
Die mannigfachen Bem ühungen, die Desinfektionen beim W ohnungswechsel 
Tuberkulöser populär zu machen, waren nach wie vor leider nur von geringem  Erfolg 
begleitet.
4. Säuglings-, Trinkerfürsorge.
Die Kommission zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit trat in der Berichts­
zeit zu 4 Sitzungen zusammen.
Ihre Maßnahmen erstreckten sich wie in den früheren Jahren  auf die Verwaltung 
des Betriebes der Säuglingsfürsorgestelle in der Steinm etzstraße 113 und auf Propagie­
rung ihrer Bestrebungen insbesondere durch Verteilung von M erkblättern auf den 
Standesäm tern und O rientierung der Hebammen. F ür die Fürsorgestelle wurde ein 
zweiter Arzt eingestellt und die Annahme einer dritten Fürsorgeschw ester für das 
Jah r 1912 in Aussicht genommen. Die Zahl der ärztlichen Konsultationen in der 
Fürsorgestelle betrug im Jahre 1910: 10 353, 1911: 11 418, die durchschnittliche 
Sprechstundenfrequenz 68 bzw. 76. Die Sprechstundentage wurden aus Zweckmäßig­
keitsgründen auf Montag, Mittwoch und Freitag verlegt. In Fürsorge befanden sich 
im Jahre 1910: 2044 (davon 1704 neu aufgenommen), im Jahre 1911: 2260 Kinder 
(davon 1850 neu aufgenommen). Jedes Kind wurde also in beiden Jahren  durch­
schnittlich 5 mal dem Arzt vorgestellt. Von der Gesamtzahl der Lebendgeborenen 
(1910: 6319, 1911: 6311) standen in Fürsorge 32.3 bzw. 35.8 Pz. und zwar waren 1910: 
1773, 1911: 1903 Kinder bzw. 86.7 und 84.2 Pz. der in Fürsorge befindlichen Kinder 
ehelich; 1910: 271, 1911: 358 Kinder bzw. 13.3 und 15.2 Pz. unehelich. Der stärkere 
Prozentsatz der Unehelichen i. J. 1911 ist als der Erfolg von M aßnahmen anzusehen, 
die ergriffen wurden, um den unehelichen Kindern die Fürsorge, der sie am ehesten 
bedürfen, in weiterem Umfange zugänglich zu machen.
Der Anschlag der Ausgaben für Zwecke der Fürsorgestelle betrug 1910: 
10 700 M., 1911: 13 000 M., wovon 4000 bzw. 6000 M. für Unterstützungszwecke zur 
Verfügung standen. Aus diesen Mitteln wurden an bedürftige Familien außer anderen 
K indernahrungsm itteln und Nährpräparaten im Jahre 1910 verausgabt: 12 429 1 Voll­
milch und 3868 1 Kindermilch, im Jahre 1911: 16 387 1 Vollmilch und 5354 1 Kindermilch.
Die Säuglingssterblichkeit in Neukölln betrug im Jahre 1910: 14.34 Pz. der Lebend­
geborenen und hielt sich mit dieser Ziffer nicht unerheblich unter dem Durchschnitt 
der letzten drei Jahre. Unter dein Einfluß der durch die ungewöhnlich heiße Juli- 
und A ugusttem peratur hervorgerufenen starken Sommersterblichkeit der Säuglinge 
stieg diese Prozentziffer für 1911 auf 19.61.
Die städtische A u s k u n f t s -  u n d  F ü r s o r g e s t e l l e  f ü r  A l k o h o l k r a n k e  im 
Hause Steinmetzstraße 113, in der wöchentlich Mittwochs in allen die Trinkerfürsorge
        
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