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Periodical volume VIII. Gesundheitswesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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VIII. Gesundheitswesen.
1. Gesundheitskommission.
Die Gesundheitskom m ission trat in der Berichtszeit zu 5 Sitzungen und 3 Be­
sichtigungen zusammen. Sie beschäftigte sich außer mit den Angelegenheiten des 
Desinfektionswesens, dem unten unter „Desinfektionsanstalt“ ein besonderes Kapitel 
gewidmet wird, insbesondere mit Vorschlägen und der Beratung von M aßnahmen, die 
aus Anlaß des drohenden epidemischen Auftretens infektiöser Krankheiten notwendig 
wurden. Die im Jahre 1910 in Rußland heftig aufgetretene Cholera ließ Vorbereitungen 
nötig werden, die sich auf Sicherstellung von Baracken zu Isolierzwecken und Be­
zeichnung von Transportmitteln und von Leichenaufbewahrungs- und Sezierräum en 
erstreckten. Erfreulicherweise blieb unsere Stadt von Cholerafällen verschont; dagegen 
traten in beiden Sommern 1910 und 1911 Typhuserkrankungen in vermehrtem Maße 
auf, die mangels nachweisbarer Krankheitsherde innerhalb des Stadtgebietes auf von 
außerhalb eingeschleppte Keime zurückgeführt werden müssen. F ür die Typhusfälle 
wurde eine besonders schnell eingreifende Desinfektion angeordnet. Ferner brachen 
im November und Dezember 1911 (wie in ganz Groß-Berlin) D iphtherie und Scharlach 
in so großem Umfange aus, wie seit Jahren nicht. W ährend man bei der Bekämpfung 
der Ausbreitung des Scharlachs sich auf die Vornahme von Desinfektionen, gegebenen­
falls auch auf Isolierung beschränken mußte, wurde dem Umsichgreifen der Diphtherie 
dadurch mit Erfolg begegnet, daß auf Beschluß der städtischen Körperschaften im 
Bedürfnisfalle für Einw ohner mit einem Einkommen bis zu 2000 M. Diphtherie-Serum 
auf städtische Kosten geliefert wurde. Von dieser E inrichtung wurde seit ihrem Be­
stehen, dem 24. Dezember 1911, bis zum 31. März 1912 in 109 Fällen Gebrauch gemacht.
Der Vertrag mit der Stadtgem einde Schöneberg über die Vornahme bakteriologi­
scher U ntersuchungen für die Stadt Neukölln mußte wieder aufgenommen werden, da 
die Aufsichtsbehörden mit der Errichtung eines eigenen, städtischen U ntersuchungs­
amts beim Krankenhause Buckow nicht einverstanden waren. Es wurden im Schöne­
berger U ntersuchungsam t für Neukölln im Jahre 1910: 238, im Jahre 1911: 258 Unter­
suchungen ausgeführt.
Dem Aerzteverein des Berliner Rettungswesens wurde die Errichtung einer nur 
für den Nachtdienst bestimmten Rettungswache gegen eine Jahressubvention von 
4500 M. übertragen. Diese W ache eröffnete er am 22. Dezember 1910 im Hause 
Herm annstraße 168 Ecke Schierkestraße, also unweit des Bahnhofes Herm annstraße. 
Die Frequenz war bisher im allgemeinen schwach, da durchschnittlich nur etwa 
20 Hilfeleistungen im M onat beansprucht wurden. Anscheinend ist die W ache beim 
Publikum noch nicht genügend bekannt geworden. Diesem Uebelstande soll jetzt 
durch Aufstellung von Transparentlaternen und durch Plakatanschläge in den Häusern 
abgeholfen werden.
2. Krankenpflege. 
A. A llgem eines.
Schon bald nach der im Herbst 1909 erfolgten Eröffnung des vorläufig für 
332 Betten eingerichteten neuen Krankenhauses hatte es sich gezeigt, daß die vor­
handene Bettenzahl den stetig steigenden Anforderungen der Einw ohner um Auf­
nahme in das Krankenhaus nicht genügte. Im Laufe des Jahres 1910 wurden daher 
einige Pavillons zwecks besserer A usnutzung durch Ausbauten erweitert: so wurde
        
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