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Periodical volume VI. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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dein bereits kanalisierten Gebiete Neukölln-Nordwest, das im Mischsystem ausgebaut 
ist, erhält das Gebiet Neukölln-Südost Trennsystem. Bei dem hohen G rundw asser­
spiegel und dem geringen Gefäll stellt sich das Trennsystem hier trotz des doppelten 
Leitungsnetzes in der Ausführung billiger als das Mischsystem. F ür die Regenw asser­
kanäle wurde ein Berechnungsregen von 90 sl ha und 20 M inuten Dauer mit 55%  
Abfluß in die Leitungen festgelegt. Die Brauchwasserkanäle vermögen 2.4 sl/ha ab­
zuführen. Zur Behebung der Nachteile der zu geringen und der zu großen Abfluß­
geschwindigkeiten wurden für jedes Kanalprofil sogenannte kritische Gefälle festgelegt. 
Die M indestwassergeschwindigkeit wurde dabei auf 0.80 m sec., die Höchstgeschwindig­
keit auf 2.50 m sec. bemessen. Die Regenwässer fließen dem Neuköllner Schiffahrts­
kanal zu, die Brauchwässer werden dem Pumpwerk zugeführt. Als Antriebskraft für 
die Pum pm aschinen werden Dieselmotore gewählt. Diese Kraftmaschinen entsprechen 
den Anforderungen auf Betriebssicherheit, Betriebsbereitschaft und Wirtschaftlichkeit 
am meisten und vermögen sich der wechselnden Abwasserm enge am besten anzupassen. 
Für die größeren Leistungen werden direkt gekuppelte Centrifugalpumpen, für die 
kleineren Kolbenpumpen mit Riemenantrieb aufgestellt. Die Pumpen sind zur Förde­
rung auch grober Schmutzstoffe geeignet, so daß Sandfang- und Abfangegitter ent­
fallen. Mit dem Ausbau des Systems ist bereits begonnen.
Die Abwässer für das Pumpwerk Südost und Nordwest werden in gem einsame 
Druckrohre gedrückt. Der höchste Betriebsdruck im Pumpwerk Nordwest war bisher 
auf 40 m W assersäule bemessen. Nach völliger Besiedelung der Stadt sind bei S turz­
regen in der Sekunde von Südost bis zu 960 sl, von Nordwest bis 1800 sl abzufördern. 
Bei Beibehaltung eines Höchstdruckes von 40 m würden dereinst 4 Druckrohre er­
forderlich. Um die Verlegung eines vierten Druckrohres zu vermeiden, wurde der 
maximale Betriebsdruck des Pumpwerks Nordwest von 40 auf 50 m gesteigert.
Infolge der außergewöhnlichen Zunahm e der Bevölkerung ist auch die Abwasser­
menge bedeutend gestiegen. Eine Erw eiterung des Pumpwerks Nordwest ist erforderlich. 
Das bestehende Pumpwerk wird mit Dampf betrieben. Bei Sturzregen kann sich die 
Betriebsbereitschaft der Pumpen dem Bedürfnis nicht anpassen, weil die Kessel den 
erforderlichen Dampf in der Kürze der Zeit nicht liefern können. Außerdem sind die 
M aschinen-Aggregate sehr klein bemessen, so daß der heutige Pum penbetrieb un­
verhältnismäßig viel Personal erfordert. Bei dieser Sachlage erwies es sich als wirt­
schaftlich am vorteilhaftesten, den gesamten Dampfbetrieb still zu legen und für das 
Pumpwerk Nordwest den reinen Dieselmotorbetrieb für die bestehende Anlage und 
für die Erw eiterung einzuführen. Für die größeren Leitungen werden auch hier 
Centrifugalpumpen, für die kleineren Kolbenpumpen aufgestellt. Mit dem Umbau des 
Pumpwerks ist bereits begonnen. Die freiwerdenden Kolbenpumpen finden in dem 
Pumpwerk Südost Verwendung.
Die städtischen Abwässer werden nach den Rieselfeldern abgefördert. Der 
Umfang der beiden städtischen Rieselgüter reicht jedoch nicht aus, um nach völliger 
Besiedelung der Stadt die gesamten Abwässer im Rieselfeldverfahren zu reinigen. 
Zur Erhöhung der Aufnahmefähigkeit wurde auf dem zweiten Rieselgute Boddinsfelde 
eine kleine Filterfeldanlage geschaffen und in Betrieb genom m en. Die Aufnahme­
fähigkeit derselben erweist sich etwa 8 mal so groß als die der Rieselfelder. Umfang­
reichere Anlagen für biologische A bwasserreinigungsanlagen sollen später in W aßmanns­
dorf nach Regelung der Vorflutfrage geschaffen werden.
Bezüglich der Einleitung der Rieseldrainwässer in die Vorflutgräben bestehen auf 
dem Rieselgut W aßmannsdorf noch durchaus unsichere Rechtszustände. Zur Behebung 
derselben soll das gesam te gereinigte Abwasser künftig durch einen neu herzustellenden 
offenen Graben durch den städtischen Besitz bis an die G em arkungsgrenze mit Rudow 
und durch diese als geschlossener Rohrlauf dem Teltowkanal zugeführt werden. Die 
Verhandlungen sind nahezu abgeschlossen. Der Entwurf ist fertiggestellt und liegt 
der Landespolizeibehörde zur G enehm igung vor.
Nach Verwirklichung dieser Entwürfe wird die Stadtentw ässerung in vollem 
Umfange nach einheitlichen Gesichtspunkten durchgeführt sein.
        
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