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Periodical volume VI. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Die geplante Fortsetzung des Neuköllner Schiffahrtskanals wird den Landw ehr­
kanal mit dem Teltowkanal verbinden, so daß zum Ausgleich der W asserstände dieser 
Kanäle der Einbau einer Schleuse notwendig wird. Aus Gründen der Kostenersparnis 
werden nur ein Ober- und ein Unterhaupt im Abstande der Länge eines 600 t-Schiffes 
in die Kanalstrecke eingebaut, so daß die Schleusenkam mer nur als einfache Kanal­
strecke erscheint. Zur ständigen Spülung des Schiffahrtskanals wird seitlich der 
Schleuse eine besondere Leitung eingebaut, die regulierbar und mit einem Meß­
apparat ausgestattet ist.
W ährend der bestehende Stichkanal nur für 300 t-Schiffe zugängig ist, wird die 
Fortsetzung jenseits der Teupitzer Brücke bis zum Teltowkanal im 600 t-Schiff aus­
gebaut. Die Breite des Kanals ist hier derart bestimmt worden, daß 3 Schiffe mit 
den erforderlichen Abständen an jeder Stelle Platz haben. Die Liegestellen sind eben­
falls für die Länge des 600 t-Schiffes eingerichtet. Der Kanal erhält natürliche 
Böschungen und nur an den höher liegenden Brückenrampen Stützmauern.
Die Bauwerke und die Herstellung des Kanalbettes sind zur Zeit in der Aus­
führung begriffen. Die Inbetriebnahm e des neuen Kanals wird voraussichtlich im 
Som m er 1913 erfolgen.
E. Erweiterung und Umbau der Stadtentwässerungsanlagen.
Die außergewöhnlich starke Zunahme der Bevölkerung Neuköllns seit Anfang 
des Jahrhunderts hatte zur Folge, daß die Entw ässerungsanlagen in dem Stadtgebiete 
innerhalb der Ringbahn nach dem im Jahre 1893 landespolizeilich genehm igten Ent­
würfe nunm ehr nahezu vollständig ausgebaut sind. Zu kanalisieren bleiben noch der 
größte Teil des außerhalb der Ringbahn belegenen Stadtgebietes und die großen 
Freiflächen innerhalb der Ringbahn: das Gelände der Friedhöfe und der ehemalige 
Gutsbezirk Hasenheide.
Die Entwürfe für die ausgeführten Entw ässerungsanlagen sind nach Hobrecht 
für einen Höchstabfluß von 22.8 sl,ha berechnet. Durch systematische, über ein 
M enschenalter ausgedehnte Regenbeobachtungen ist festgestellt worden, daß diese 
Abflußziffer für die Verhältnisse in Groß-Berlin zu niedrig gegriffen ist, um gefährliche 
Aufstauungen im Kanalnetz bei Sturzregen zu vermeiden. Mit der fortschreitenden 
Besiedelung des Entw ässerungsgebietes nehm en daher die Ueberstauungen im Kanal­
netze auch in Neukölln immer größeren Umfang an und führen bei heftigen Regen­
güssen zu umfangreichen Straßenüberschwem m ungen in den niedrig gelegenen Stadt­
gebieten. Um dem Bedürfnis einer geregelten Straßenentw ässerung zu genügen, ist 
die E rhöhung der Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes erforderlich.
Nach den Regenbeobachtungen gehen in Neukölln im Durchschnitt jährlich vier 
Regen mit einer Heftigkeit von 50—80 sl ha und drei mit einer Heftigkeit von 
80—90 sl ha nieder. Die heftigsten Regen währen etwa 20 Minuten. Bei 55" „ Ab­
fluß in die Leitungen ist mithin ein Kanalnetz von rund 50 sl ha Leistungsfähigkeit 
erforderlich. Unter Zugrundelegung dieser Abflußziffer wurde ein Entwurf für die 
Verstärkung der bestehenden Stadtentw ässerung aufgestellt. Die E rhöhung der 
Leistungsfähigkeit wird unter Vermeidung um fangreicher Umbauten in dem bestehenden 
Kanalnetz erreicht: durch Abtrennung des südlich der Ringbahn belegenen Stadtteils 
von dem bestehenden Entw ässerungsgebiet Nordwest und Umleitung desselben nach 
dem geplanten Entw ässerungsgebiet Südost, durch den Bau eines besonderen Regen­
wasserauslasses für das Grenzgebiet der Hasenheide, durch Umlegung m ehrerer 
Zweigleitungen und durch Einfügung einer größeren Zahl von Entlastungsleitungen, 
die nach neuen Notauslaßkanälen führen. Die Verstärkungsbauten können auf eine 
längere Zeit verteilt werden. Zunächst und gleichzeitig mit dem ersten Ausbau des 
Radialsystems Südost wird die A btrennung des Gebietes jenseits der Ringbahn durch­
geführt werden.
Der bereits im Jahre 1909 in Angriff genom m ene Entwurf für die Entw ässerung 
des Stadtgebietes Neukölln-Südost ist im Jah re  1910 fertiggestellt worden und hat am 
1. Septem ber 1911 die landespolizeiliche G enehm igung gefunden. Im Gegensatz zu
        
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