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Periodical volume V. Verwaltung der Gemeindeliegenschaften

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Zur Errichtung einer Baugewerkschule, die ebenfalls seit längerer Zeit von uns 
angestrebt wurde, haben w ir ein 360 qR großes Grundstück an der Leinestraße von 
der Dottischen Terraingesellschaft und Gebr. Schickler erworben. Der Baubeginn ist 
für den 1. April 1913 in Aussicht genommen.
Was den auswär t igen  G rundbes i tz  anbetrifft, so sind größere Grundstücks­
komplexe von zusammen 279 Morgen in Groß- und Klein-Ziethen, Schönefeld und 
eine kleinere Fläche in Brusendorf zur Vergrößerung der Rieselfelder angekauft worden.
Außerdem hat das Friedhofsgelände an der Gottlieb-Dunkelstraße eine vorteilhafte 
Vergrößerung durch Hinzukauf der südlich vorgelagerten Maske von den Körnerschen 
Erben erfahren.
Der Grundstückserwerbsfonds hat in den Berichtsjahren erhebliche Mittel auf­
wenden müssen, um die in seinem Besitz befindlichen Grundstücke baureif zu machen. 
Durch Ankauf des Bartaschen Grundstücks hatten w ir uns, wie bereits im vorigen 
Berichte erwähnt, die Abrundung des städtischen Besitzes gesichert. Nachdem die 
Errichtung des neuen Bahnhofs Kaiser-Friedrich-Straße genehmigt war, erwies sich eine 
Neuaufteilung des vorgelagerten Baublocks notwendig, und es kamen Austausch­
verhandlungen mit Meyerhoff, Müller, Niemetz und Groß zustande, die der Stadt 
und den beteiligten Eigentümern eine vorteilhaftere Ausnutzung ihrer Baustellen 
gestatteten.
Auch die Grundstücke Weichselstraße 24/25 und Fuldastraße 38/39 sind durch 
den Ausbau der Ossastraße in baureife Parzellen umgewandelt worden, wie auch das 
Grundstück Nansenstraße 10/12 durch die Regulierung der FramStraße zu einem wert­
vollen Eckgrundstück geworden ist. Zu den Straßenanlagekosten der Thiemannstraße 
und Roseggerstraße sind die anteiligen Beträge an die Hauptverwaltung gleichfalls 
gezahlt worden.
Zwar ist die Mehrzahl der vorgenannten Grundstücke zum Verkauf gestellt worden, 
jedoch haben sich bei der schlechten Lage des Grundstücksmarktes wenige Kauf­
lustige gemeldet. Geschah dies, so wurden so niedrige Preise geboten, daß ein 
Verkauf nicht zu rechtfertigen gewesen wäre. W ir sind überzeugt, daß nach Besserung 
der allgemeinen Lage des Grundstücksverkehrs auch für die städtischen Grundstücke 
ein Absatzgebiet vorhanden sein wird, und w ir geben uns der Hoffnung hin, daß bei 
Inanspruchnahme der städtischen Hypothekenanstalt, die auch Baugelder gewährt und 
Hypotheken regelt, eine regere Nachfrage nach städtischen Baustellen im nächsten 
Jahr einsetzen wird.
Einige Verkäufe waren zu verzeichnen. Abgesehen von den bereits erwähnten 
Baustellen an der Bürknerstraße haben w ir eine 43 qR große Parzelle an der Gang­
hoferstraße an die Reichsbank verkauft, die die Absicht hat, für die bisher in Miet­
räumen untergebrachte Nebenstelle ein eigenes Gebäude zu errichten. Dem Eisenbahn­
fiskus haben w ir Flächen im Werte von mehr als */3 M illion von dem städtischen 
Grundbesitz hinter der Ringbahn zur Verbreiterung des Ringbahnkörpers und Anlegung 
eines Güterverbindungsgleises übereignet.
Es war vorauszusehen, daß die geringen Mittel, mit denen der Grundstücks­
erwerbsfonds bei seiner Gründung ausgestattet war, nicht ausreichen würden, um die 
mit den Ankäufen verbundenen grossen Ausgaben zu decken, und es mußte bereits 
zu Beginn des Rechnungsjahres 1911 die aus der 34 Millionenanleihe stammende 
Verstärkung in Anspruch genommen werden. Auch diese Mittel haben nur hingereicht, 
um die Anzahlungen und unbedingt geforderten Hypothekenrückzahlungen zu leisten. 
Für Neuankäufe und zur Deckung der auf 9 Millionen aufgelaufenen Hypotheken­
schulden waren Reserven nicht mehr vorhanden. Es ist demzufolge die Aufnahme 
einer 20 Millionenanleihe von den städtischen Körperschaften beschlossen und von 
der Aufsichtsbehörde genehmigt worden. Bemerkenswert ist, daß sich die Aufsichts­
behörde den Verhältnissen des Grundstücksverkehrs Rechnung tragend, mit einer 
Amortisationsquote von 1 '/* Pz. gegenüber 2 Pz. bei den früheren Anleihen ein­
verstanden erklärt hat. Die zeitweilig aus dieser Anleihe benötigten Mittel werden 
in den Voranschlägen nachgewiesen werden.
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