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Periodical volume V. Verwaltung der Gemeindeliegenschaften

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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Nach langjährigen Verhandlungen ist es auch gelungen, die Eigentümer der 
Grundstücke Richardplatz 27 a und b zum Verkauf ihres auf der ehemaligen Dorfaue 
belegenen Privatbesitzes zu veranlassen. Nach Besitzergreifung ist sofort die Nieder­
legung der Baulichkeiten erfolgt; indes war es wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit 
nicht mehr möglich, eine gärtnerische Ausgestaltung der freigelegten Flächen in diesem 
Jahre vorzunehmen. Der Ankauf des alten Schmiedegrundstücks ist wegen der über­
mäßig hohen Preisforderung des Eigentümers nicht zustande gekommen, und es wird, 
falls man nicht die Schmiede überhaupt als Andenken an Alt-Rixdorf bestehen läßt, 
die Einleitung des Enteignungsverfahrens notwendig sein, wenn der Eigentümer von 
seinen Forderungen nicht abgehen sollte.
Im alten böhmischen Dorf hat die Stadtgemeinde Neukölln einen uralten Besitz 
in Gestalt des böhmischen Schulzenackers. An dieses Grundstück, das nach dem 
Bebauungsplan eine ungünstige Lage hat, grenzt von zwei Seiten das früher im 
Winkelmannschen Eigentum stehende Grundstück Richardstraße 94, Donaustraße 64 
und 69 und Treptower Straße 102/103. Es war daher naheliegend, den Ankauf des 
Grundstücks zu betreiben, zumal der Besitzer mit einem äußerst billigen Angebot 
hervortrat. Die weitere Folge war, daß die vorgelagerten Grundstücke an der 
Gärtnerstraße, die nach Feststellung der neuen Baufluchtlinie allein nicht mehr bebaubar 
waren und von der Stadt bei Regulierung dieser Straße, möglicherweise im Wege der 
Enteignung, hätten erworben werden müssen, in das Eigentum der Stadtgemeinde 
gebracht werden mußten. Wegen der auf dem Grundstücke vorhandenen Gebäude 
mußte eine höhere Bewertung und Bezahlung gegenüber dem Winkelmannschen Grund­
stücke stattfinden, die aber durch seine bessere Gestaltung wieder ausgeglichen wird.
Ebenfalls im böhmischen Dorf erwarb die Stadtgemeinde das seit etwa 100 Jahren 
im Besitze der Familie Zoufall befindliche Grundstück Kirchgasse 3/4, um im Zusammen­
hange mit dem vom Dädrichschen Grundstücke und den von der evangelischen 
Brüdergemeine erworbenen Teilparzellen die Freilegung des Platzes zu erwirken, auf 
dem das Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm I. errichtet worden ist.
Zur Vergrößerung des für die Badeanstalt ausersehenen Grundstücks wurden 
Teile des Ungerschen und des Ottoschen Grundstücks Richardstraße 111/112 angekauft. 
Hierdurch war die Möglichkeit gegeben, die im Wettbewerb für die Bebauungspläne 
Groß-Berlins vielfach wiederkehrende Anregung der Schaffung einer Verbindungsstraße 
in der Verlängerung der Ziethenstraße bis zum Einlauf in die Innstraße zur Ausführung 
zu bringen. Dieses Vorhaben hat die Verlegung des Kriegerdenkmals von seinem 
jetzigen Standorte nach dem Hertzbergplatz zur Folge. Die Straße ist inzwischen 
reguliert worden. Die Hauptfront wird von der Badeanstalt beherrscht werden, mit 
deren Bau inzwischen begonnen ist. Die der Badeanstalt benachbarte Parzelle ist an die 
Reichsbank verkauft worden; die Eckbaustelle an der Richardstraße stehtzum Verkauf.
In Verbindung mit der Durchlegung der Straße stand die abgeänderte Flucht­
linienführung der Donaustraße zwischen vorgenannter Straße und Anzengruberstraße. 
Der Bebauungsplan sieht eine Platzanlage vor, die erhebliche Teile des Beckerscheu 
und Niemetzschen Grundstücks Richardstraße 115/117 in Anspruch nimmt. M it Fran 
Becker war eine Einigung bisher nicht zu erzielen; mit den Niemetzschen Erben kam 
ein Kaufvertrag über das Hinterland zustande, der uns gleichzeitig die unentgeltliche 
Hergabe des Straßen- und Platzgeländes sicherte.
Das Verfahren wegen Zusammenlegung der Grundstücke in der Köllnischen Heide 
und Bärwinkel ist, wie an anderer Stelle ausgeführt wird, hauptsächlich wegen des 
Widerstrebens mehrerer Eigentümer, nicht vorwärts gekommen. Da in diesem Gebiets­
teile die Stadtgemeinde Neukölln nur ein Grundstück von altersher besitzt, das den 
künftigen Bedarf auch nicht annähernd gedeckt hätte, sind Kaufverhandlungen mit 
einigen unzugänglichen Eigentümern eingeleitet und erfolgreich zu Ende geführt 
worden, die uns einen Besitz von rund 2900 qR eingebracht haben. Das alte Grund­
stück hat durch Austausch mit den Nachbarn eine veränderte Gestalt erhalten und soll 
zur Errichtung einer zweiten Pumpstation dauernd in Anspruch genommen werden. W ir 
glauben unsern Einfluß auf die Neugestaltung des Geländes durch kein wirksameres 
Mittel ausüben zu können, als daß w ir den dortigen städtischen Grundbesitz vergrößern.
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