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Periodical volume IV. Erziehunge- und Bildungswesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1910/1911

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in der die Kinder für alle höheren  Knabenschulen vorgebildet werden. Bei der Real­
schule stellte sich die Ziffer i. J. 1910 auf 88.81, i. J. 1911 dagegen  insbesondere in­
folge der für den Neubau erforderlichen V erzinsung und Amortisation auf 153.75 M. 
Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei der höheren  M ädchenschule  und M ädchen- 
Mittelschule, deren ungetrennte  Kopfquote i. J. 1910: 68.25 M. betrug, w ährend  nach 
der E rrich tung  des Schulgebäudes D onaustraße sich die Kopfquote der höheren 
M ädchenschule  auf 120.43, die der M ädchen-Mittelschule auf 73.56 stellte.
Die B elastung der Stadt durch Volksschulen und höhere  Lehranstalten  ergibt 
sich aus den Durchschnittsziffern, w onach  im G egensatz  zu der Kopfquote pro Volks­
schüler  von 71.18 M. sich die Kopfquote für einen Schüler  der höheren  Lehranstalten  
auf 138.67 M., für eine Schülerin der höheren  M ädchenschule  oder M ädchen-Mittel­
schule auf 92.89 und für einen B esucher einer höheren  Lehranstalt überhaupt auf 
120.10 M. stellte.
G. Naturhistorisches Schulmuseum.
Das naturhistorische Schu lm useum , g eg ründe t  1896, befindet sich im O ber­
geschosse  der Turnhalle  des Schu lhauses  in der Boddinstraße. E s  hat den Zweck, 
den h ies ig en  Schülern  A nschauungsm ateria l  darzubieten, sowohl für den Heimat- wie 
den naturkundlichen Unterricht. Die Verwaltung untersteht der Schuldeputation, die 
L e itung  liegt in den Händen des M useum sle iters  Fischer.
Das M useum  erhielt durch G önner  w iederum  Z uw endungen . Die zoo log ische  
Abteilung, in der besonders Gewicht auf V erm ehrung  der biologischen T ie rg ru p p e n  
gelegt wird, um den Beschauern einen unmittelbaren E indruck von den T ie re n  der 
Heimat und ihrer Lebensweise  zu gew ähren , wuchs durch m ehrfache S c h e n k u n g e n .  
F ü r  die heimatkundliche Abteilung fertigte die M useum sverw altung  einen n a tü r l ic h e n  
Bodenaufbau Neuköllns an. Ingenieur Härtel ließ von seinem V erm essungsbureau  
eine Landkarte  herstellen, den geologischen Aufbau Neuköllns darstellend. P läne , 
historische Karten, Bilder von städtischen und privaten Bauten, öffentlichen A nlagen  
usw. ge langten  zur Auslage. Neu geordnet w urden  die Konchilien-, die Eier-, die 
Mineralien- und die Schm etterlingssam m lung, w ährend  die gewerbliche Abtei ' u n g  
erweitert wurde. Die M useumsbibliothek und die Lehrmittelabteilung erfuhren s ta rk e  
Bereicherung durch eine S am m lung  der  in den N euköllner Schulen e ingeführten  
Schulbücher und Lehrmittel, die von den einzelnen Verlegern in an e rk en n en sw er te r  
Weise unentgeltlich übere ignet wurden. Anläßlich der zu Pfingsten 1912 in Berlin 
stattgefundenen T ag u n g en  des Deutschen Lehrervereins und des Deutschen Vereins 
für Schulgesundheitspflege veranstaltete der M useum sleiter auf Ersuchen  der S chu l­
verw altung  eine schulhygienische S onderausste llung  „Das gesunde  und kranke 
Schu lk ind“, die sich eines guten  Besuches und allgemeiner A n e rkennung  zu er­
freuen hatte.
Das M useum  w urde  w ährend  der Unterrichtszeit fortgesetzt von den Klassen 
h iesiger Schulen besucht, auch der sonntägliche Besuch war äußerst rege.
Bei dieser G elegenheit sei noch von einem F u n d e  von archäologischer B edeu tung  
berichtet, der im Beginn des Ja h re s  1912 am W indm ühlenberg , dicht bei dem der 
Stadt verm achten G artengrundstück  des K iesgrubenbesitzers Körner gem acht wurde, 
und der nach A ussage  von Sachverständigen in der Mark einzig in seiner Art dasteht 
und zu den interessantesten Denkmälern der  späteren  G erm anenzeit  (etwa 6. J a h r ­
hundert)  gehört. Bei A usschachtungsarbeiten  stieß man auf ein germ anisches Reiter­
grab von etwa 2.5 m Tiefe, das unter  der leitenden Aufsicht des Assistenten am 
M ärkischen M useum  Herrn Dr. Kiekebusch mit den dabei nötigen Vorsichtsmaßregeln 
aufgedeckt wurde. Man fand darin einen Reiter mit seinem Roß und Schwert. Der 
Schädel des M annes ist gu t erhalten, er hält die Mitte zwischen Kurz- und L ang­
schädel; die Pferdeknochen lassen auf ein mittelgroßes, derbes, kurzköpfiges Tier 
schließen. Außer dem großen zweischneidigen Schwert, das der Bestattete wohl im 
linken Arm hielt, fanden sich Teile der hölzernen Scheide und des ledernen mit
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