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Periodical volume 13. Februar 1920

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1920

Bürovorsteher in der Schulverw altung, denn die B e­
arbeitung  der ganzen M aterie  ist doch e tw as anders. 
S ie  darf nicht bürom äßig aufgezogen werden, sie m uß 
m ehr ins Volk reingehen. Aber das alles sind o rg an i­
satorische F rag en , die m an hier im  P len u m  nicht ohne 
w eiteres entscheiden soll. Ich  möchte also bitten, dem 
A ntrage, daß die sozialpädagogische D eputation heute 
aus gelöst werden soll, nicht zuzustimmen. Sch möchte 
dann  in E rw ägung  gebest, ob w ir diesen A ntrag  nicht 
der sozialpädagogischen D eputation überweisen, dam it 
w ir uns schlüssig w erden: w as kann davon hinein in 
die sozialpädagogische D eputation? Vielleicht über­
weisen S ie  ihn auch einer anderen Kommission. V iel­
leicht ergibt das die Aussprache.
S tad tvero rdneter T reffert (B ürgl. V .): Ich  habe 
nam ens m einer F reunde  zu erklären, daß w ir ebenfalls 
gegen oie Auslösung der sozialpädagcgischen D epu­
tation sind, weil sie allgemeine pädagogische Problem e 
zu verfolgen und zu lösen hat, die im  einzelnen soeben 
der H err S tad tvero rdnete  Heyn ausgezählt hat. Ich 
brauche deshalb auf die M aterie  selbst nicht m ehr ein­
zugehen. Unsere Ansichten decken sich vollkommen m it 
der Ansicht, die eben der H err Kollege Heyn vorgetragen 
hat. W ir sind dagegen, daß sie aufgelöst w ird, w ürden 
un s  aber dam it einverstanden erklären, daß die ganze 
M aterie  nochmals an die sozialpädagogische D eputation 
zurückverwiesen w ird.
S tad tvero rdneter Schneider. K arl (U .S . P .) :  E s 
kommt u n s  ja w eniger da rau f an, daß die sozial- 
pädagogische D eputation  nun  aufgelöst w ird, a ls viel­
m ehr darauf, daß heute der A n trag  angenom m en wird, 
ein Volks'bitdungsam t zu schaffen. Ich sehe eigentlich 
nicht m ehr die Notwendigkeit für das Weiterbestehen 
der D eputation  ein, w enn w ir die Volkshochschule usw. 
herausnehm en. Die Zukunft w ird es ja erweisen, ob sie 
noch notwendig ist. Ich  stelle also den A ntrag , daß 
unser A n trag  vom zweiten Absatz an : „es w ird  ein 
V olksbildungsam t eingerichtet" —  angenom m en w ird, 
und daß dann eine gemischte Kommission gewählt 
w ird, der der A n trag  überwiesen w ird, dam it die 
Kommission auch schon bestimmte Direktiven ha t und 
arbeiten kann. W enn w ir heute wieder den A ntrag  
einer D eputation überweisen, die dazu S te llung  nimm t, 
dann vergeht wieder ein halbes J a h r  und w ir kommen 
nicht vo rw ärts . W ir müssen schnell handeln, dam it 
d as  Ziel, w as ich vorhin geschildert habe, erreicht 
werden kann.
S tadtschulrat D r. B uchenau: Nach den A u s­
führungen der H erren V orredner kann ich sagen, daß 
ich grundsätzlich der Sache zustimme, denn es liegt im 
R ahm en dessen, w as w ir gewollt haben mit der sozial- 
pädagogischen D eputation. E s  dürfen aber nicht die 
Schwierigkeiten verkannt werden, die einer solchen N eu ­
ordnung gegenüberstehen. I m  A ntrage heiß t es nicht 
nu r negativ, es soll w as aufgelöst werden, sondern es 
soll eine ganz neue Einrichtung, im G runde wieder 
sozialpädagogischer N a tu r, geschaffen w erden. E in  
solches D olksbildungsam t soll nicht nu r die Volkshoch­
schule in ffich schließen, sondern volkstümliche V eransta l­
tungen, und zweifellos in  einem viel w eiteren S inne , 
a ls  w ir cs b isher gehabt haben. D ann sollen T heater­
vorstellungen m it hineingenom m en werden, das 
städtische Lichtspielhaus soll hinein, in  der F o rm  der 
G ründung  eines Volkshaufes. W er die L ite ra tu r in 
der F rag e  verfolgt hat, der hat doch den Eindruck, daß 
diese Dinge noch ziemlich der K lärung bedürfen, und 
wenn m an  sich die letzteren Sachen, V olkshaus, Licht­
spielhaus, vor A ugen hält, so haben doch schon die b is­
herigen B eratungen  innerhalb  der städtischen K örper­
schaften ergeben, daß noch viel A rbeit übrig  bleibt. 
Ich  stimme den beiden H erren, die zuerst geredet haben, 
insofern durchaus zu, daß ich sage, w ir müssen und
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werden das auch alles genau und ausführlich in einer 
größeren gemischten D eputation, etw a 5 : 10, beraten. 
Ich  möchte aber doch dringend bitten, sich erst dann, 
w enn diese Kommission getagt hat, wieder zu dem A n ­
trage zu äußern  und sich festzulegen. H err S ta d tv e r­
ordneter Schneider bezw. seine F raktion  könnte den 
E inw and  machen, es müsse schnell gehandelt werden. 
Dem steht aber nichts im W ege. E s steht nichts im 
Wege, daß w ir in V erbindung treten m it dem von dem 
H errn  S tad tverordneten  Schneider genannten Ausschuß 
für volkstümliche Kunstpflege in  B erlin , dam it w ir 
sehen, w as w ir davon bei u ns einorganisieren können. 
Und die gemischte D eputation, die sich über diese durch­
au s nicht leichte M aterie  ausspricht, soll ruhig in den 
nächsten T agen zusam m entreten. Ich  möchte aber 
bitten, daß der W eg so gewählt w ird : erst die B eratung  
in der gemischten D eputation, und dann m ag m an so 
schnell, wie es geht, dieses Neue schaffen. V orläufig ist 
die Sache so. daß hier die A rbeit verschiedener Dezer­
nate zusam m engenom m en werden soll, eine Sache, die 
doch auch reiflich im Schoße des M ag istra ts  überlegt 
w erden m uß. Die Sache ist ja, wie Ih n e n  bekannt sein 
w ird, schon seit J a h re n  in  der L ite ra tu r vertreten 
worden. E in  JBolksbilbungsam t ist etw as, w as m an 
gerade unserer Ärbeitergem einde durchaus wünschen 
muß.
S tad tvero rdneter Exner (Dt.-dem. P .) :  Die demo­
kratische F rak tion  steht der Vereinheitlichung des B il- 
dungsw cfens in  B erlin  durchaus glcichfühlig gegenüber. 
E s  geht nicht an , daß in einer so großen S ta d t das 
B ildungsw esen nicht straff, zusamm engefaßt w ird  und 
in  einer großen G liederung vereinigt ist. D a aber die 
F ra g e  noch keineswegs so behandelt ist, daß m an  über­
a ll klar sieht, so schließen w ir u ns dem A ntrage an, die 
F ra g e  zunächst in  einer Kommission zu erörtern, bis 
m an  in der F rag e  ganz klar sehen kann. W ir werden 
nach dieser Richtung unsere S tim m e abgeben.
S tad tvero rdneter Schneider, K arl (U. S . P .) :  Ich 
kann mich Len A usführungen des H errn  Stadtschulrats 
nicht anschließen. E s  spricht doch ein gut Teil B ü ro ­
kratism us aus seinen A usführungen. W ir haben die 
Volkshochschule, w ir haben die volkstümlichen V eran ­
staltungen, die Theatervorstellungen und das Licht­
spielhaus, w ir brauchen auf keinem dieser Gebiete noch 
Versuche zu machen. E s handelt sich hier darum , alle 
diese V eranstaltungen zusammenzuschließen und in 
einen gewissen P la n  einzureihen, dam it p lanm äßige 
A rbeit auf diesem Gebiete geleistet'w irb, und darüber 
kann sich jeder heute schon klar sein. Ich nehme an, 
daß  ein  ganz Teil der H erren und D am en sich schon 
von selbst m it der F ra g e  befaßt hat. E s ist außer­
ordentlich viel in der M aterie  in Neukölln gearbeitet 
w orden und zum Teil gute und schlechte A rbeit ge­
leistet w orden, wie es in  der N a tu r der Sache liegt. 
Nehm en S ie , bitte, den A ntrag  im P rin z ip  an, und in 
der D eputation können w ir noch genügend darüber 
reden.
S tad tvero rdneter Hcyn (S . P .  D .): Ich möchte im 
N am en m einer F rak tion  das, w as ich angedeutet habe, 
zum A n trag  erheben: W ir möchten die Sache der 
sozialpäöagogischen D eputation überweisen. Ich stehe 
nicht auf dem S tandpunk t des H errn  Kollegen 
Schneider, daß die Sache aussprachereif ist. Selbst die 
Kostenfrage spielt dabei eine gehörige Rolle, w enn m an 
die ganze Sache zu einem K om prom iß zusamm enfaßt. 
E in  eigenes.D ezernat m uß auch wieder da sein. (R ufe: 
I s t  doch da!) Jedenfalls m uß die Sache erst geprüft 
werden. D er H err K äm m erer hätte in  der F rag e  auch 
noch ein W ort mitzusprechen. W ir befinden uns in einer 
Lage, die u ns nicht erlaubt, so m it dem Gelde her­
umwirtschaften zu können. (Rufe: D a s  kostet doch kein 
Geld!) E s  kostet aber doch Geld, und nicht zu wenig.
        
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