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Periodical volume 17. September 1920

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1920

aber heute feststellen können, daß  die städtischen V e r­
kaufsstellen w enig  F reu n d e  in der Bevölkerung ge­
funden haben, weil sie in  einer ganz unzulänglichen 
Weise arbeiten, und w enn  w ir  andererseits  wissen, daß  
die Großhandelsgesellschaft bei vielen Artikeln auch noch 
teu re r  ist a ls  die Privatkaufleu te ,  und  w enn  auf der 
anderen  S e i te  unsere S ta d tb au ab te i lu n g  in verschie­
denen F ä l le n  teu rer  arbeitet a ls  der P r i v a tu n t e r ­
nehm er —  ich meine, w en n  m a n  das  alles berück­
sichtigt, d an n  m u ß  m a n  fragen: w e r  n im m t die I n ­
teressen der Allgemeinheit m ehr w ah r ,  derjenige, der 
dafür  sorgt, daß die E inrichtungen teurer sind, oder der­
jenige, der d a fü r  sorgt, daß  die W a re n  gut u nd  billig 
sind? (S e h r  gut!) Unter diesem Gesichtspunkt betrach­
ten w ir  die ganzen V orgänge ,  a ls  V ertre ter  der A ll­
gemeinheit, nicht a ls  einer Mittelschicht, —  Und es 
liegt m ir  persönlich am  Herzen, noch auf einen P u n k t  
hinzuweisen, in Bezug auf den Kredit, der gefordert 
w orden  ist fü r die Stadtbaugesellschaft in Höhe von 
10 M ill ionen M ark ,  D a ist nämlich ein Satz eingefügt, 
den ich I h r e r  Beachtung empfehle, „Ich empfehle auch 
pünktlichere Ausstellung der Rechnungen fü r  die B a u ­
ausführungen ,  und durch E inziehung von Vorschüssen 
au f  großen B au ten  soll für guten E in g an g  der Gelder 
gesorgt werden, so daß  d a s  K ap ita l  n u r  dann ,  w enn  
dringend nötig, in  Anspruch genomm en zu werden 
braucht."
Die Botschaft höre ich wohl, allein m ir  fehlt der 
G laube! W ir  wissen, d a ß  w ir  b isher trotz wiederholter 
Z usagen  von der baugeschäftlichen Abteilung noch 
keinerlei Abrechnung bekommen haben. E s  w a r  uns  
die Abrechnung per 1, J u l i  m it  aller Bestimm theit ver­
sprochen w orden. D a s  ist dennoch nicht geschehen, so 
daß  ich im m er wieder d a ra u f  hinweise, es möchte fü r  
p rom ptere  Rechnungslegung  gesorgt werden, wie es in 
einem geordneten F inanzw esen  üblich und n o t­
w endig  ist.
W e n n  ich alle diese P unk te  bedenke, so glaube ich, 
daß S ie  unsere G rü n d e  w ürd igen  werden, w esw egen  
w ir  auf eine geordnete Finanzwirtschaft sehen. D enn  
so geht es nicht weiter, und S ie  w erden  d a s  F iasko 
selbst erleben, w enn  es sich d a ru m  handelt, Kredite fü r : 
die S t a d t  zu beschaffen.
Ich  möchte dam it schließen, daß ich S ie  im I n ­
teresse der Allgemeinheit bitte, gerade um  diese F ra g e  
zu klären, dem V er ta g u n g s a n t ra g s  zuzustimmen, d a ­
mit der M ag is tra t  sieht, daß  Ernst  gemacht w ird , d a ­
mit er sich endlich verpflichtet sieht, nachzuprüfen und 
d a rau f  zu halten, daß nach finanztechnischen G r u n d ­
sätzen der Privatw irtschaft  die Geschäfte geführt werden 
müssen. S t im m e n  S ie  also, bitte, unserem A n trag e  zu. 
(B ravo!  rechts.)
S t a d t r a t  L ange.  H e r r  S tad tv e ro rd n e te r  Quäck 
hat bei seinen A u sfü h ru n g en  den V o rw u r f  erhoben, 
es w ä re  m ir  voraussichtlich nicht recht wohl gewesen, 
w enn  ich einige E r läu te ru n g en  zu P u n k t  25 gegeben 
hätte. E r  drückte sein E rs taunen  a u s  über das ,  w a s  
ich erklärt habe, und meinte, die G ründe ,  a u s  denen 
das seinerzeit von m ir  gegebene Versprechen nicht ein­
gelöst w orden  sei, hätte ich heute wohlweislich v e r ­
schwiegen. D a s  Versprochen habe ich zu einer Z e i t  ge­
geben, >als ich —  eben so wie heute —  das  Pech hatte, 
V ertre ter  des H e rrn  K ä m m e re rs  zu sein; und ich nehme 
auch an , daß  es der demokratischen F rak t ion  bedeu- ; 
tend leichter sein w ird , die G rü n d e  für diese Verzöge­
rung  von einer anderen  S e i te  zu bekommen a ls  von 
mir. (Heiterkeit. S e h r  gut! links.) Ich  führe die G e­
schäfte ja  erst wieder seit acht T agen .  Die B ilanz  ist 
mir heute m orgen  erst vorgelegt w orden. W a ru m  sie 
nicht früher vorgelegt w erden konnte, da s  w eiß  ich 
nicht. —  Die Großhandelsgesellschaft ist m it der E in-
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richtung der Geschäftsstelle so überlastet, daß  a n  eine 
frühere Herstellung nicht zu denken w a r .  A ber I h r e  
V ertre te r  sitzen doch im  Aufsichtsrat! (Rufe: W ir
haben sie auch nicht bekommen! —  R ufe  von links: 
Die erscheinen bloß im m er  nicht!) D a s  ist richtig. 
(Heiterkeit.) D a s  kann ich au s  meiner E r fa h ru n g  be­
stätigen. S ie  haben jedenfalls Gelegenheit, an  der 
S te l le  I h r e  Bedenken vorzu tragen , wo die B i lan z  vo r ­
gelegt wird.
B ürgerm eister  Scholz: J a ,  meine D am en  u nd  
Herren, ich will n u r  mitteilen, daß nach der letzten 
S tad tvero rdne tenversam m lung , als  S ie  diese A nfrage  
an  mich gerichtet hatten und ich I h n e n  die A uskunft  
gegeben habe, daß  H err  S tad tk äm n te re r  L indner  in 
der nächsten Sitzung d a rau f  an tw orten  w ürde, ich H e rrn  
L indner  gebeten habe, sich m it  seiner F rak t ion ,  also m it 
I h n e n  in V erb indung  zu setzen und I h n e n  die G rü n d e  
mitzuteilen, die dazu geführt haben, daß  diese A uf­
stellung noch nicht vorgelegt w orden  ist. D a  ich d a r ­
über weiter  keine Nachricht bekommen habe, so nehme 
ich an, daß diese Aussprache stattgefunden hat. E tw a s  
w eiteres  kann ich nicht sagen, S ie  m üßten  schon w ar ten ,  
bis der H err  K äm m ere r  wieder hier ist, und dan n  
können S ie  diese A nfrage  an  ihn richten. (Heiterkeit. 
Zurufe.)
S ta d tb a u r a t  Zizler: H err  S tad tve ro rdne te r  Quäck 
hat der baugeschäftlichen Abteilung den V o rw u r f  
gemacht, daß sie die Rechnungen zu langsam  ausstelle 
und daß fertige Abrechnungen noch nicht vorlägen. 
W a s  die Ausstellung der Rechnungen anbelangt,  so 
gebe ich zu, daß  es namentlich zu A nfang  M o n a te  
gedauert hast bis die Gelder eingezogen w erden 
tonnten. Aber d a s  ist zu entschuldige» mir der übe r­
stürzten Eile, mit der die Betriebe ausgezogen w orden  
sind. Jedenfa l ls  aber ist der S tad tgem einde  dadurch 
kein Schaden erwachsen. W enn  die baugeschäftliche 
Abteilung Zinsen verloren hat, so ha t  sie andererseits 
die B au le i tung  gewonnen.
W a s  die Abrechnungen anbelangt,  so sind sie heute 
zu e tw a 90% erledigt, und w ir  sind jetzt organisator'sch 
so weit, daß  die Rechnungen schon in 14 T ag en  bis 
3 Wochen h inauskom m en. W a s  die g roßen Abrech­
nungen  anbelangt,  so können S ie  nicht verlangen, daß 
sie jetzt schon fertiggestellt sind. J e d e r  P r iv a tu n te r ­
nehm er braucht mindestens ein J a h r ,  um  einen großen 
B a u  abzurechnen. (Z u ru f  S tad lv .  Radtke: S ie  müssen 
ent Schneidergeschäft aufmachen, dan n  geht es 
schneller!) I m  übrigen  liegen Zwischenbilanzen be­
reits  bis zum  i .  M ä r z  vor. E s  ist nicht möglich, daß 
w ir jetzt schon so vollständig im Schuß  sind, wie ein 
Baugeschäft, das  vielleicht schon ein Ja h rz e h n t  lang  
M t  B etrieb  führt.
S tad tv e ro rd n e te r  Quäck (Dt.-üem. P . ) :  Die B e ­
merkungen des H e rrn  B ürgerm eis te rs  veranlassen mich 
doch, festzustellen, daß es eigentümlich berührt,  w enn  
A nfragen , die w ir  an  den M ag is tra t  richten, dam it 
oean tw orte t  werden, daß  eine Persönlichkeit des M a ­
gistrats besonders b en a n n t  w ird , die verpflichtet sei, 
h ierauf zu an tw orten  oder im parteipolitischen Interesse 
mit u n s  Rücksprache zu nehmen. Ich  finde diesen V o r ­
gang  e tw as  sonderbar. Ich  möchte doch feststellen, daß 
w ir  unsere A nfrage  an  den M ag is tra t  richten.
Borffeher: E s  ist der A n trag  gestellt worden, die 
P unk te  25 und 26 zu vertagen, solange der M ag is t r a t  die 
geforderte Abrechnung nicht vorgelegt hat. W er  für 
Unterstützung dieses A n trag es  ist, den bitte ich, eine 
H and  zu erheben. —  G egenprobe! —  Der A n t ra g  ist 
abgelehnt.
W ir  kommen nun m eh r  zu r  Abstimm ung über 
die V orlage  selbst, die einen Kredit von 8 M ill ionen
        
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