Path:
Periodical volume 17. September 1920

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1920

W a s  die zweite Sache  betrifft, so w ä re n  w ir  ja 
auch imstande, u n s  P fe r d  u n d  W a g e n  vom städtischen 
F u h r m n t  zu leihen, aber  es h a t  sich herausgestellt , daß 
dieses F u h rw e rk  ers tens nicht im m er  für  die E inkäufe 
des P f legehe im s  zur V erfüg un g  steht. D a n n  kommt 
hinzu, d aß  w ir  viel günstiger einkaufen, w enn  w ir  zur 
rechten Zeit m it P fe r d  un d  W a g e n  vorfah ren  können. 
Die Kosten sind auch sicher geringer, a l s  w en n  w i r  u n s  
vom städtischen F u b r a m t  P fe r d  und  W a g e n  ausleihen 
müßten.
Die an deren  Sachen  find durch die V orlage  alle in 
genügender Weife begründet.
Vorsteher: I s t  die Beschwerdeführerin F r a u
S tad tv e ro rd n e te  Knoll durch diese A n tw o r t  zufrieden­
gestellt? ( J a ! )
W ir  haben  dan n  noch e tw a s  u n te r  P u n k t  21 zu 
erledigen, und z w a r  handelt es sich u m  die B ere i t­
stellung von  M it te ln  zu r  Ausstellung eines D e s ­
in fek tionsappara tes  und  einer Trockenanlage im 
K ran k en h au s  Hasenheide in  Höhe von 70 000 M .  
Wünscht hierzu jem an d  das  W o r t ?  D a s  ist nicht der 
F a » .
D a n n  kommen m ir  zu P u n k t  22: B ew il l igung  von 
w eiteren  M i t te ln  zu r  B ekäm pfu ng  der R attenp lag e .  —  
W o rtm e ld un gen  liegen nicht vor, somit erkläre ich I h r  
E inv e rs tän dn is  m it der V orlage.
P u n k t  23 der T a g e so rd n u n g .
S ta d tv e ro rd n e te r  Radkke (II. S .  P . ) :  M ein e  D am en  
und  H erren !  Hier find fü r  die R e p a ra tu r e n  einiger 
Anstalten A u sg a b e n  angeführ t ,  T u rn h a l le  usw. W ir  
möchten dem hinzufügen, d aß  es ein d r ingendes  B e ­
d ü r fn is  ist, auch die T u rn h a l le  a m  Hertzbergplatz he r­
zustellen. S i e  ist jetzt frei, u n d  es ist notw endig , daß 
sie endlich dem T u rn verk eh r  freigemacht w ird . W ir  
w ü rd en  bitten, daß das  auch m it einbezogen wird.
Vorsteher: Wünscht jem and  der soeben gehörten 
A n re g u n g  zu widersprechen? D a s  ist nicht der F a l l ;  
somit erkläre ich d a s  E inv e rs tän dn is  der V ersam m lung .
P u n k t  24 der T a g e so rd n u n g :  Bereitste llung eines 
w eiteren  K red its  von  12 M ill ionen  M a rk  für die N o t ­
s tandsarbei ten  der Brücken. S e i te  85. —  Wünscht h ier­
zu jem and  da s  W o r t ?
S ta d tv e ro rd n e te r  Ouäck (Dt.-dem. P . ) :  M e in e  D a ­
men und  H erren!  Ich- möchte eine kurze A nfrage  an 
den  M ag is t r a t  richten, und zw a r  nach folgender Rich­
tu n g :  W i r  wissen, da ß  w ir  in  Neukölln die Unter-
g ru nd b ah n a rb e i ien  w eiter führen , d aß  diese Arbeiten 
ziemlich stark gefördert w erden  dadurch, daß  w ir  eine 
größere  Belegschaft eingeführt haben ,  um  Arbeitslose 
zu beschäftigen. W ir  wissen aber  heute in  der Öffent­
lichkeit noch nicht, und die Öffentlichkeit wünscht nähere  
A ufk lä rung  d arüber ,  wie der Anschluß an  die N ord-  
füdbahn ü b e rh au p t  erfolgen soll. B i s  heute hat  m an  
keine klare Übersicht, ob die N ordsüd bah n  n u n  euch 
w eitergeführt w ird  und  in welcher Weise Neukölln bei 
diesen B a u te n  beteiligt ist. A u ßerd em  ist am  Schluß 
des A n t ra g e s  gesagt w orden , daß  zu den Kosten dieser 
N o ts tandsarbe i ten  a u s  den M it te ln  der produktiven 
Erw erbs losen fü rfo rge  M it te l  zur B ekäm pfu ng  der 
Arbeitslosigkeit vom  Reiche beigegeben w erden. N u n  
möchte ich e inm al hören, ob die Verhältnisse so klar sind, 
daß  w ir  heute schon überschauen können, wie hoch die 
Bete i l igung  des Reiches a n  diesen Zuschüssen ist. —  
A ußerdem  möchte ich die Gelegenheit hier w ah rn eh m en ,  
noch e in m al d a ra u f  hinzuweisen, daß  sich bei der B e ­
schäftigung der Arbeitslosen ziemliche M iß s tänd e  e r ­
geben haben insofern, a ls  sehr viele Jugendliche B e ­
schäftigung haben  und  sehr viele verheiratete  E h e ­
m ä n n e r  schon lange M o n a te  keine A rbe i t  besitzen. E s  
w a r  an g ereg t  w orden , einen Austausch der jü n geren  | 
Kräfte  gegen ältere vorzunehm en, u nd  ich möchte seitens 
des M a g is t r a t s  hören , ob dieser A n re g u n g  Rechnung
ge tragen  w orden  ist, und  die schwere K a lam itä t ,  in  
der sich die verheira te ten  ä lteren  Leute befinden, dadurch 
behoben w orden  ist, daß  ein Austausch stattgefunden 
hat.  —  A uß erdem  w ürde  ich es fü r  sehr wünschens­
w e r t  halten, w en n  vielleicht in e iner der nächsten V o r ­
lagen  u n s  der M ag is t ra t  Aufschluß gibt, wie die A u s ­
sichten sind fü r  die B enutzung des Jn dus tr iege ländes ,  
fü r d a s  w ir  außerordentlich große Auffchlußarbeiten 
leisten, mit gewaltigen G le isan lag en  und  dergleichen, 
ob  dort M a ß n a h m e n  getroffen sind, daß w ir  w i r t ­
schaftlich dam it  rechnen können, daß  die richtige B e ­
nutzung dieses G eländes  auch erfolgen kann.
S ta d t b a u r a t  H a h n :  M ein e  D am en  und  H erren!  
W ir  w a re n  seinerzeit, im J a h r e  1918-16, gezwungen, 
den neuen  U n te rg ru n d b ah n b au  zu beginnen, und zw a r  
auf G r u n d  der V erträge ,  die w ir  m it B e r l in  a b ­
geschlossen hatten, bezw. m it  der A E G .  S ie  wissen, wie 
d a m a ls  die Arbeitslosigkeit gerade in  Neukölln nach 
B een d igu ng  des K rieges ganz gewaltig  stieg und  wie 
m ir in erster L inie  berufen w a ren ,  zu r  B ekäm pfung  der 
Arbeitslosigkeit beizutragen. W ir  sehen heute noch das  
Bild, daß  von allen V oro rtgem einden  G ro ß -B e r l in s ,  
w en n  w ir  die Z ah len  betrachten, die w ir  a ls  N otstands- 
a rbe i te r  beschäftigen, w i r  nahezu 35 P ro z e n t  der A r ­
beitslosen beschäftigen, u n d  w ir  d an n  natürlich auch 
u n te r  ganz besonders schwierigen Verhältnissen zu 
arbei ten  hatten ; u nd  daß  w ir  ganz besondere Kredit- 
vorlagen an  S ie  zu stellen hatten, ist selbstverständlich. 
W ir  haben  aber, bevor w ir  m it dem B a h n b a u  be­
gannen , u n s  bei B er l in  und  der A E G .  erkundigt,  w a n n  
e tw a die d a m a ls  ja  bereits seil 1914 im B a u  begriffene 
U n te rg ru n d b a h n  der S t a d t  B e r l in  und  der A E G .  
fertiggestellt sein w ürde  und voraussichtlich dem B e ­
triebe übergeben w ürde. U n s  w urd e  d a m a ls  von den 
B a u b ü r o s  gesagt, daß  voraussichtlich die I n b e t r i e b ­
setzung im S o m m e r  1921 erfolgen sollte. W ir  haben 
dementsprechend unser B a u p ro g ra m m  eingehalten, und  
m ir  können m it  Sicherheit sagen, daß  unsere beiden 
Untergrundbahnstrecken im S o m m e r  1921 betirebsfertig 
hergestellt sind. S ie  wissen n u n  a u s  E r fa h ru n g ,  daß 
d as  B a u p r o g r a m m  bei B er l in  nicht in  dieser Weise 
w eitergetragen  w orden  ist. S i e  wissen, daß  B e r i ln  m it  
seinen A rbe iten  zurückgeblieben ist, und  S ie  wissen, daß  
die A E G .  die A rbeiten  eingestellt hat. W ir  haben  in ­
folgedessen mit B e r l in  wegen des Anschlusses der N ord-  
S ü d - B a h n  an  Neukölln verhandelt.  S ie  w ißen  auch 
weiter , d aß  w ir  den A n t r a g  gestellt haben, um  unsere 
N ots tandsa rbe i te r  in  vollem U m fange weiter zu beschäf­
tigen, d aß  u n s  die Strecke Hasenheide u n d  der Ge- 
meinschastsbahnhof zum eigenen B au be tr ieb  übergeben 
wird. I n  einer großen  Kommission in B e r l in  ist ein­
gehend verhandelt w orden , u nd  die Kommission ha t  sich 
der G ründe ,  die ich in der Kommission vorgebracht 
habe für die Fortsetzung der U n te rg run db ahn ,  nicht 
verschließen können, denn bei u n s  in  Neukölln liegen 
Heute die V erhä ltn iße  so, daß, w en n  w ir  unseren Unter- 
g ru n d b ah n b au  einstellen w ü rd en  und die A n lag en  nicht 
fertigstellen wilden, w i r  verschiedene provisorische M a ß ­
n ah m en  treffen m üßten . W i r  m ü ß ten  insbesondere die 
noch nicht au sgebau te  Tunnelstrecke w ieder verfüllen. 
w ir  m ü ß ten  u n s  die Bodenmassen wieder beschaffen, 
und w enn  w ir  u n s  das alles zusammenrechnen, so 
w ü rde  die Beseit igung viel m ehr kosten, a ls  wie heute 
die Fertigstellung. Infolgedessen kann cs fü r  u n s  in 
Neukölln wie ganz G ro ß -B e r l in  g a r  keine F r a g e  sein, 
daß die Neuköllner U n te rg run db ahn  fertiggestellt 
w erden  m uh, und es  ist auch fü r  mich g a r  nicht die 
F ra g e ,  ob die N o rd -S ü d -B a h n  fertiggestellt w erden 
soll, sondern m eines  Erach tens m u ß  sic fertiggestellt 
w erden, denn die öffentliche M e in u n g  w ürd e  einfach 
nicht dulden, daß in Neukölln eine U n te rg ru n d b ah n  be­
steht u n d  in  B e r l in  eine U n te rg run db ahn  g ebau t  ist bis
7
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.