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Periodical volume 2. Juli 1920

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1920

ziehen m it d-en Kosten, die uns selbst einschließlich aller 
N ebenausgaben entstehen. Durch dieses V erfahren 
haben w ir bereits in  zahlreichen F ällen  festgestellt, daß 
unsere Selbstkosten durchschnittlich niedriger sind, als 
diejenigen in  der Privatw irtschaft, daß also der U nter­
nehm ergew inn tatsächlich erarbeitet w ird. W ir werden 
dieses V erfahren weiter ausbauen  und fortlaufend Nach­
w eis für die Wirtschaftlichkeit der Regiebetriebe vo r­
legen.
I m  übrigen, welche Faktoren sind es denn, die die 
Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe bestimmen? E inm al 
ist es der Einkauf, dann  sind es die Leistungen der 
A rbeiter und der B etriebsleitung und schließlich die 
Unkosten, die auf die P reisgestaltung  E influß haben.
Zunächst der Einkauf! G lauben S ie  wirklich, daß 
es irgend einem der m ittleren oder kleinen Unternehmer, 
m it denen w ir bisher gearbeitet haben, möglich w äre, 
billiger einzukaufen a ls  u n s?  W er in den Kommissionen 
sitzt, ha t oft genug schlagende Beispiele dafür et fahren 
können, daß es u n s möglich w ar, außerordentlich 
günstig einzukaufen. W ir haben schon im ersten B e­
triebsjahre M illionengew inne allein durch den Einkauf 
erzielt. W enn w ir augenblicklich Objekte im W erte von 
35 M illionen M ark im B au  haben, so w ürden diese 
Arbeiten, darüber kann kein Zweifel sein, vielleicht 
45 M illionen M ark kosten, w enn w ir diese A rbeiten an 
P riva tun te rnehm er vergeben w ürden. (Hört, hört!) 
Aber ich gebe Ih n e n  gern  zu, daß der K onjunktur­
gewinn nichts für den Regiebetrieb sagt. (S eh r richtig!) 
W ir müssen selbstverständlich wirtschaftlich auch .dann  
arbeiten, w enn die Zeit der K onjunkturgew inne hem m  ; 
ist. Aber die Tatsache, daß w ir K onjunkturgew inne ge­
macht haben, beweist, daß es gut w ar, im vorigen Ja h re  
die Regiebetriebe einzurichten. Ich  kann wohl sagen, 
daß es heule die meisten Gemeinden G roß-B erlins be­
dauern, daß sie nicht rechtzeitig, wie w ir, ein eigenes 
Baugeschäft errichtet haben. (S e h r richtig!) W enn 
übrigens die Zeit der K onjunkturgew inne herum  ist, so 
w ird u n s der Vorteil des G roßeinkaufs im m er gestatten, 
wenigstens um  einige P rozen t billiger einzukaufen, als 
es den kleinen U nternehm ern möglich ist.
W ie steht es m it den Leistungen der A rbeiter? Die ; 
Leistungen sind im Durchschnitt gute, und ich glaube 
nicht, daß in der P rivatw irtschaft mehr geleistet w ird. 
D as haben m ir zahlreiche V ertreter von Gemeinden und 
V ertreter der Privatw irtschaft, die unsere B au ten  be­
sichtigt haben, vielfach bestätigt. Ich habe auch w ieder­
holt einen prächtigen W etteifer der A rbeiter feststellen 
können, die gewissermaßen auf den verschiedenen B a u ­
stellen m iteinander in  Konkurrenz stehen. W ir haben 
auch, w a s  ich zugebe, in vielen F ällen  M inderleistungen 
festgestellt und deshalb auch schon Entlassungen vor- j 
genommen. Aber das kommt ja  überall vor.
Und nun  die Leistungen der B etriebsleitung! E in 
äußeres M erkm al, daß gut gearbeitet w ird, dürfen S ie  
darin  sehen, daß die Unkosten nicht höher sind a ls  in der 
Privatw irtschaft. H err B ornem ann, S ie  schütteln den 
Kopf. S ie  kennen aber die Zahlen, nicht. Ich  habe der 
Kommission eine Kostenberechnung vorgelegt, die aller­
dings in einer Anzahl von Punkten auf Schätzungen 
beruhte. Aber H err Quäck w ird  zugeben, daß w ir sehr- 
vorsichtig geschätzt haben, daß die wirklichen Kosten 
jedenfalls nicht höher sein w erden a ls  die berechneten, i 
W ir haben ja auch bereits für die Tischlerei festgestellt, 
daß die rechnungsm äßig angenom m enen Unkosten j 
wesentlich- höher geschätzt w urden als diejenigen, die ta t­
sächlich entstanden. Jedenfalls aber haben unsere Un- 1 
kostenberechklungen für die B aubetriebe ergeben, daß sie 
um  einige P rozent hinter dem Satze zurückbleiben, den 
der V erband der B erliner Baugeschäfte erm ittelt hat. 
H err K üllm ann weiß ja, w as das B erliner Baugew erbe
heute für einen Unkostenfatz hat. (Zuruf Radtke: D as 
dürfen ja  die H erren nicht wissen!)
Gewiß, der Regiebetrieb ist in  einer Gemeinde in  
manchen Dingen schwierig, und es gibt manches, w as 
dem Regiebetrieb nachteilig ist. Aber ich kann nicht a n ­
erkennen, daß ein gemeindlicher Betrieb, w enn er gut 
aufgezogen ist, nicht ebenso wirtschaftlich arbeiten kann 
wie die Privatw irtschaft . W enn "die Arbeiterschaft ihre 
Schuldigkeit tut und die Unkosten norm ale sind, und 
w enn gut eingekauft w ird, dann sehe ich nicht ein, 
w arum  nicht dasselbe geleistet werden soll, wie in der 
Privatw irtschaft. E s  müßte denn fein, daß die B e­
triebsleitung düm m er ist, a ls die in der Privatw irtschaft. 
Daß aber bei uns tatsächlich gut gearbeitet und gut dis­
poniert wird, das haben m ir schon viele Besucher unserer 
Betriebe, u. a. auch scharfe G egner der Regiebetriebs, 
bestätigt. Schon verschiedene Gegner des Regiebetriebes 
sind m it dem Bekenntnis fortgegangen, geschlagen zu 
sein. I m  allgemeinen w ird  ja dieses Bekenntnis von 
gegnerischer S eite nicht gern ausgesprochen. A ber ich 
bin fest überzeugt, daß jeder, der die Betriebe kennt, 
im I n n e r n  seines Herzens zugibt, daß w ir dasselbe 
leisten wie die Privatw irtschaft. M eine bestimmte per­
sönliche Auffassung geht sogar dahin, daß ich glaube, 
daß w ir, wemr der Betrieb erst einm al richtig in  
Schw ung ist, sogar auch ohne K onjunkturgew inn um 
einiges billiger arbeiten werden als die P r iv a tw ir t­
schaft. (Rufe von rechts: W ir können auch Gegen­
beispiele nennen!)
W enn S ie  aus der U m w andlung des eigentlichen 
Regiebetriebes in  die G. m. b. H. folgern, daß der 
Regiebetriebsgedanke Fiasko gemacht habe, so sind S ie  
im I r r tu m . D enn die G. m. b. H. ändert am G ru n d ­
gedanken der Kom m unalisierung, den U nternehm er­
gew inn der Allgemeinheit zugute kommen zu lassen, 
rein gar nichts. (Heiterkeit rechts.)
N un  möchte ich noch auf die B em ängelungen 
des H errn  K üllm ann eingehen, daß w ir einen zu kost­
spieligen V erw ältm rgsapparat hätten. G ew iß, w ir 
haben 60 Angestellte in der Baugeschästlichen A b­
teilung und 10 in  der Tischlerei. A ber es ist nicht zu 
vergessen, daß es sich bei unserem Betriebe nicht allein 
um das größte, sondern auch um  das komplizierteste 
Baugeschäft G roß -B erlin s handelt. S ie  finden in  
G roß-B erlin  kein Baugeschäst, das ein ganzes Dutzend 
verschiedener Betriebe in sich vereinigt. E s  ist also 
selbstverständlich, daß das B üro  eine gewisse G röße 
haben m uß. E s  ist aber auch zu bedenken, daß das 
Hochbauamt durch die Regiebetriebe sehr bedeutend 
entlastet w ird. E s hätte wesentlich mehr B au füh re r 
anzustellen, w enn die A rbeiten an U nternehm er über­
tragen w ürden. Dadurch ergibt sich eine E insparung 
an  G ehältern im Hochbauamt von wenigstens jährlich 
180 000 bis 200 000 M .
N un  hat H err G roßm ann  den A ntrag  gestellt, 
den § 12 des Gesellfchaftsvertrages in  einigen P unkten  
zu ändern. Die A nträge gehen dahin, die Befugnisse 
des Geschäftsführers noch weiter einzuschränken. Ich  
will hier nicht die F rag e  erörtern, ob das zweckmäßig 
und erforderlich ist. Aber wenn der Aufsichtsrat es für 
nötig hält, noch einen w eiteren K reis von A ngelegen­
heiten seiner G enehm igung zu unterstellen, so hat er es 
jederzeit in der Hand, zu bestimmen, w as der Geschäfts­
führer über den § 12 h inaus ihm zur Entscheidung vo r­
zulegen hat. E ine Ä nderung des § 12 vorzunehmen, 
würde ich aber nicht empfehlen, weil sich die G ründung  
der G. m. b. H noch weiter hinziehen w ürde. I m  
übrigen kann ja  noch in einer Kommission w eiter d a r­
über beraten werden, inw iew eit w ir die Befugnisse des 
Geschäftsführers weiter einschränken wollen.
S tad tverordneter Küllm ann (B ürg t. B .): Zunächst 
möchte ich mich gegen H errn G roßm ann  wenden, der
        
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