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Periodical volume 31. März 1920

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1920

unter Überschreitung des ursprünglichen Voranschlages 
von 647 000 M . weitere 403 000 M . zur V erfügung 
gestellt werden, die aus Anleihemitteln zu decken sind.
Widerspruch erfolgt nicht. S o  beschlossen.
P bnkt 10: Die E rhöhung der im Kostenanschläge 
vorgesehenen Bausum m e für die E rw eiterung  der Kessel- 
anlage im Krankenhause Buckow von 335 000 M . auf 
1 000 000 M . zu genehmigen. Die Mehrkosten sind einer 
neu aufzunehmenden Anleihe zu entnehmen.
Widerspruch erfolgt nicht. S o  beschlossen.
P unkt 11: D aß 350 M . zur Deckung eines F eh l­
betrages in  dieser Höhe fü r Beschaffung von Lebens­
mitteln für Schülerw anderungen im vergangenen 
S om m er aus dem Stadtverordneten-D ispositionsfonds 
entnom m en werden. Letzterer ist um  diesen B etrag  zu 
verstärken.
D as W ort w ird  nicht gewünscht. S o  beschlossen.
P unk t 12: Unter A bänderung des S tadtverord- 
neteniieschlusses vom 20. F eb ru ar 1919 bitten w ir, die 
den wissenschaftlichen Volksschullchrerinnen mit W ir­
kung vom 1. J a n u a r  1919 ab gew ährten O rtszulagen­
sätze anderweit wie folgt festzusetzen: nach endgültiger 
Anstellung 300 M .. nach 7 Ja h re n  400 M ., nach 
10 Ja h re n  500 M .
W ortm eldungen liegen nicht vor. Widerspruch e r­
folgt nicht. S o  beschlossen.
P unkt 12a: W ir bitten zu beschließen: a) Ostern 
1920 sind die Volksschulen um 32 Klassen, die H ilfs­
schulen um  6 Klassen, darunter zwei Sammelklassen, zu 
erweitern, b) fü r die Lehrerschaft ist die B erliner Pflicht- 
stundenordnung einzuführen, c) zum 1. A pril 1920 sind 
neben den im Oktober 1919 bewilligten 15 Lehrer- und 
6 Lehrerinnenstellen eine evangelische Rektorstelle, 
10 evangelische Lehrerstellen und 10 evangelische Lehre­
rinnenstellen einzurichten, d) die zur Durchführung der 
unter a— c genannten M aßnahm en erforderlichen M ittel 
von 353 300 M . in  den Voranschlag fü r 1920 einzu­
stellen. — Bei der Regierung ist zu bewirken, daß die 
Lehrerinnenstellen fük die Besetzung ganz freigegeben 
werden.
W ird  das W ort gewünscht? —  Nicht der F all. S o  
beschlossen.
P unk t 12b ist erledigt.
P unk t 13: W ir beantragen, dem Angebot des 
katholischen F rauenbundes, Zw eigverein B erlin , auf 
Übernahme des Kriegskinderheimes in der Pring-H and- 
je ry -S traße 75 gegen Zahlung eines Kaufpreises von 
60 000 M . zuzustimmen und sich grundsätzlich dam it ein­
verstanden zu erklären, daß die M ittel für das Pflege- 
und B edienungspersonal und die U nterhaltung des 
Heimes in den Voranschlag fü r 1920 eingestellt werden. 
Die Kosten für den Ankauf sind vorschußweise aus 
einer neu aufzunehmenden Anleihe zu entnehmen.
Widerspruch erfolgt nicht. S o  beschlossen,
P unk t 14: Den Beschlüssen der K uratorien  fü r die 
V erw altung der Boddinstistung und des W ohltätigkeits­
fonds zuzustimmen, oaß der § 5 der Satzungen für die 
Boddinstistung und der § 3 der Satzungen für den 
W ohltätigkeitsfonds dahin abgeändert werden, daß der 
Höchstbetrag für die vom Vorsitzenden in  besonders ge­
eigneten F ällen  zu gewährenden Unterstützungen von 
30 M . auf 100 M . erhöht w ird.
Widerspruch erfolgt nicht. S o  beschlossen.
P unk t 14a: Dem Beschlusse des M agistrats, zum 
1 .A pril 1920 eine Gartenarbeitsschule einzurichten, w ird 
Zugestimmt. Dem Leiter dieser Schule w ird das Dienst­
einkommen eines Volksschulrektors gew ährt. Die er­
forderlichen M ittel zur ersten E inrichtung mit rund 
10 000 M . werden bewilligt. Die Zahlung hat aus 
einem  zu diesem Zweck zu eröffnenden Vorschuß zu
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erfolgen, dessen Deckung durch den Voranschlag für 
1920 zu bewirken ist. Dem P la n  der Kommission, auf 
dem Grundstücke eine Unterrichtsschutzhalle zu errichten, 
w ird beigestimmt. Die erforderlichen M ittel von rund 
27 500 M . werden vorschußweise bewilligt und sind in 
den E ta t fü r 1920 einzustellen.
Hierzu hat das W ort H err S tad tverordneter Exner.
S tad tverordneter Exner (Dt.-dem. P .) :  M eine sehr 
verehrten F rau en  und Herren! Die Deutsche Demo- 
katische P a r te i hat gegenüber dieser Vorlage des M a ­
gistrats sehrschwere Bedenken. E s soll hier mit A uf­
w and bedeutender M ittel eine Sache ins Leben ge­
rufen werden, die nach unserer M einung keineswegs 
spruchreif ist. Der M agistrat geht a u s  von den Schüler- 
kölonien, die H err S tad tvero rdneter Heyn im K riegs­
jahre 1914 gegründet hat. Diese Schülerkolonien, die 
ich selbst m ehrm als persönlich aufgesucht habe, bestehen 
darin , daß die Kinder der Klasse des H errn Heyn, nach­
dem sie den Unterricht genossen hatten, von H errn  Heyn 
versammelt und dam it beschäftigt w urden, den Boden 
zu bebauen, um  ihm Erträgnisse für die Kriegswirtschaft 
abzugewinnen und zugleich den Schatz der Anschau­
ungen der Kinder außerordentlich zu bereichern. Wie 
schon gesagt, habe ich mich wiederholt überzeugt, daß 
diese Unterweisung der Kinder an O rt und  S telle, in 
Luft und  Licht, außerordentlich w ohltätig  gewesen ist 
und sehr gut gewirkt hat. Die Kinder lernten nicht 
bloß Gemüse bauen, sondern auch B runnen  anlegen, 
und sie lernten die Entstehung der P flanze vom S am en 
bis zur Frucht beobachten. D as w ar ihnen sonst nie 
möglich gewesen. N un kam beim Ankauf der Baracken 
für die veranstalteten Ferienspiele etw as ganz neues. 
Der H err Stadtschulrat begründete den Ankauf auch 
damit, daß er sagte, diese Baracken seien sehr geeignet, 
daß später eine Waldschule errichtet werden könnte. 
Diese sollte die allerschwächsten und ungesundesten K in­
der von Neukölln vereinigen, um deren körperliche G e­
sundheit zu ertüchtigen. Ih n e n  zu Liebe konnte m an 
vom Lehrplan beliebig abweichen, viel mehr G artcn- 
avbeitsstunden einsetzen und  andere Fächer ohne B e­
denken kürzen. N un  soll hier etw as ganz N eues ge­
schaffen werden. Hier soll nach der Vorlage des 
M agistrats eine sogenannte Gartenarbeitsschule ein­
gerichtet werden, in der die K inder die Arbeit-sowohl 
als Fach, wie als Grunüfatz erlernen sollten. I rg e n d  
welche E rfahrungen  liegen über die Sache selber noch 
nicht vor. E s soll der naturkundliche Unterricht in Z u ­
kunft in dieser Gartenarbeitsschule erteilt werden. N un 
muH m an sich aber überlegen, daß der naturkundliche 
Unterricht allein in dieser Schule nicht erteilt werden 
kann, denn dann  würde eine Beschäftigung der Kinder 
herauskommen, die sie dem Zwecke ihrer V orbereitung 
fürs Leben durchaus entzöge. S ie  w ürden fü rs  Leben 
nicht so ertüchtigt sein, dam it sie den Kampf um s D a­
sein aufnehm en könnten. Infolgedessen hat m an nach­
träglich einen anderen Gedanken gefaßt, der in der 
M agistratsvorlage in keiner Weise zum Ausdruck 
kommt. M a n  will nicht bloß naturkundlichen U nter­
richt erteilen, sondern m an will einfach folgendes tun: 
m an w ill die Oberstufen von sechs Schulen aus der 
Mutterschule herausnehm en und sie für je zwei Tage 
in  der Woche m it dem lehrplanm äßigen Unterricht in 
der Eartenbauschule beschäftigen. Die Kinder sollen also 
vier Tage den lehrplanm äßigen Unterricht in der 
Mutterschule und  zwei Tage in  der Woche in der 
Gartenbauschule genießen, also nicht einen besonderen 
Unterricht, sondern den lehrplanm äßigen Unterricht. 
E s ergibt sich infolgedessen als Sonderbarkeit eine 
doppelte Leitung dieser Schulklassen. Der Schulleiter 
der Mutterschule stellt den L ehrplan fest. Dieser ist vom 
Lehrer auch einzuhalten, w enn er m it seiner Schul­
klasse nach der Gartenbauschule geht. Der Lehrer hat
        
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