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Periodical volume 11. April 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

-rtti, daß 10 000 Einrichtungen im Neukölln norm endig 
wären, das find 20 Millionen. Richtet unsere Stobt 
eine Möbelfabrik ein, welche vielleicht eine Million 
kostet, fü r Maschinen und Werkzeuge etwa zwei Millio­
nen, M aterial und Rohstoffe etwa Heben Millionen 
Mark, dazu kämen fü r M aterial ca. 7 Millionen, 
900 Handwerker, Tischler, Schlosser usw. würden eine 
Arbeitsgelegenheit erhalten und gleichzeitig würde der 
Not abgeholfen werden. S ie  rufen mir zu: W ann ist 
das fertig? Ich sage Ihnen , Las ist ein Projekt, das ich 
Ihnen unterbreite. Ich zeige Ihnen  im Gegensatz zu 
Herrn Kunze, daß w ir handeln wollen! Wenn man 
Ihnen einen Weg zeigt, der nach reiflicher Überlegung 
ein gangbarer ist, dann gehen S ie  ihn ruhig. Ich bitte 
Sie, die Sache einer besonderen Kommission zu über­
weisen. Es ist dem Bürger, der davon Gebrauch 
machen will, die Möglichkeit gegeben, sich mit H aus­
gerät zu versehen, w as er heute nicht kann. Die S tad t 
könnte ihm aus Kredit verkaufen, der in  5 bis 6 Jahren 
getilgt sein kann. Dann ist es dem Arbeiter möglich, 
die Sum m e abtragen zu können. W ir sparen aus 
diese Art und Weise Arbeitslo senun ter stützn mg und 
schaffen Arbeit.
Stadtverordneter Germelmann (Dt.-dem. Partei): 
Ich habe bereits vor drei Wochen beantragt, daß diese 
Sache einer Kommission überwiesen wird. W ir haben 
gehört, welche Sum m en ausgeworfen sind und welche 
Arbeiten geplant sind. Die hohen Summen und die 
Arbeiten an  sich sind sehr schön, aber es gibt auch an­
dere Wege; wenn es daraus ankommt, Massen zu be­
schäftigen, dann muß man nach Möglichkeit die Ge­
brauchsstoffe selbst herzustellen suchen. Nicht das 
Ziegelsteinekaufen braucht Massenarbeiten, sondern das 
Fabrizieren. Ich will in der Kommission den Beweis 
zu erbringen suchen, daß das sehr gut möglich gewesen 
wäre und noch ist. M an  muh nur zugreifen. Das 
Aufsuchen von Arbeitsgelegenheit und Arbeitsmöglich­
keiten bedarf dmer langen Erfahrung und einer langen 
Schulung, die man nicht im Büro erwerben kann. 
Die Notstands arbeiten auf der Köllnischen Heide sind 
viel zu lange hingezogen worden. Die Erdbewegung 
halle ins großen Massen erfolgen müssen. Auch hierüber 
werden mir in  der Kommission sprechen müssen. Es 
sind noch eine ganze Reihe anderer Sachen, die ange­
bracht werden müssen. Über die Krananlage werden 
wir noch zu sprechen haben; die halle 1014 erfolgen 
müssen, als der Hafen erbaut wurde. Damals kostete 
ein 5-Tonnen-Kran, fix und fertig hergestellt 13 000 
Mark. W ir haben jährlich 10 000 Tonnen ausgeladen, 
das wären also 20 000 M . Einnahmen von einem 
Kran. Rechnen S ie die Hälfte Unkosten und Kraft, 
dann hätte ein Kran im Jah re  10 000 M . Überschuß. 
Rechne ich den zehnten Teil für den Bedarf, den mir 
h a b e n ,  so rechnen S ie  sich um, w as in vier Jah ren  die 
Krananlage gebracht hätte. — Bei der Vergebung der 
Arbeit . . .
Auch hier möchte ich Ihnen  sin Beispiel dafür cm« 
führen, daß die Sache nicht vom grünen Tisch, sondern 
»om Standpunkt der P rax is  aus beurteilt werden kann. 
— Da sollen 200 Kubikmeter Holz glekaust werden, 
und es kommt von einer auswärtigen Händlersirma 
ein Angebot, das um 10 M . billiger ist — ich muß 
hier etw as persönlich sprechen, aber das tut nichts zur 
Sache — ; also das Angebot ist um 10 M . billiger und 
die S tad t spart vielleicht 2000 M . Diese Ersparnis 
von 2000 M . ist ausschlaggebend, um das Holz nicht 
von der hiesigen Händlerfirma, sondern von ausw ärts 
zu kaufen. Die Ware wird hier nicht in roh bearbeitet, 
und diese Ersparnis von 2000 M . reduziert sich aber 
sehr bald wie folgt: Um 200 Kubikmeter Fertigware
herzustellen, brauche ich 400 Festmeter Holz. F ü r 
diese 400 Festmeter brauche ich am elektrischer Energie
für 2000 M .; ich nehme zugunsten der S tad t an, es ist 
nur die Hälfte fertig, gleich 1000 M . elektrische Energie, 
die davon abgehen. — Jetzt kommt die andere Rech­
nung. — Z ur Bearbeitung brauche ich 15 M ann und 
2 Beamte, und das sind bei nur 13 M . Tagelohn in 
4 Wochen 5000 M . Arbeitslöhne; dann 750 M . fü r die 
beiden Beamten, sind zusammen mit der Ausgabe für 
elektrische Energie 7 750 M. Diese 15 M ann werden 
im Durchschnitt ungefähr 3670 M . Arbeitslosenunter­
stützung bekommen. Die sind zu ersparen. Das ist nur 
eine Schicht bei achtstündiger Arbeitszeit. —  Wenn 
die S tad t sich das umrechnet, — mag sie es im eigene 
Regie nehmen. 600 Kubikmeter Holz herzurichten, 
ist keine Kleinigkeit. Es können in drei Schichten an  
17 M ann arbeiten mit Len notwendigen Beamten, 
dazu kämen noch 12 Auslader, so daß 46 M ann  auf 
diese Weise Arbeit in  der Holzbeschaffung bei 600 K u­
bikmetern Habens würden. Diese würden an Löhnen 
bekommen inkl. der 12 Ausläder 27 000 M. Dabei 
könnten gespart werden 13 400 M . an Arbeitslosen­
unterstützung. W enn S ie  sich das umrechnen, daß die 
S tad t allein 6000 M . Einnahme an elektrischer Energie 
hat und 3000 M . daran  verdient, abgerechnet die E r ­
sparnis, die sie noch durch die Arbeitsmöglichkeit der 
46 Leute hat. dann wollen S ie  sich mal ausrechnen, 
welche Vorteile die S tad t dabei hat, wenn sie, anstatt 
mit einer Neuköllner F irm a den Holzkauf abzuschlie­
ßen, einer auswärtigen F irm a den Auftrag gibt, nur 
weil diese 10 M. billiger ist. — S o  gibt es noch viele 
Sachen, die nur der in der P rax is stehende M ann p rü­
fen kann. —  Die Herren vom Stadtbauam t haben von 
ihrem Standpunkt aus vollkommen recht, denn ihnen 
springen die 10 M . plus und minus in die Augen, 
und sie sind verpflichtet, billigere Angebote anzuneh­
men, weil sie im Augenblick nicht daran denken, welche 
Menge Arbeitsmöglichkeit auf der anderen Seite da­
durch der S tad t zugeführt werden kann. Daß wir 
selbstverständlich hier ganz anders arbeiten als wie die 
Leute auf dem Lande, das brauche ich Ihnen nicht erst 
zu sagen. W ir haben nicht n u r  doppelt so hohe Löhne, 
sondern mehr als die doppelt hohen Löhne, und das 
macht, auf den Kubikmeter umgerechnet, 22,50 M., die 
wir teurer arbeiten. Aus diesem Grunde kommen auch 
die Industrien, die noch arbeiten, allmählich zum E r­
liegen, und sie müssen zum Stillstand kommen. Ich 
könnte Ihnen  das auch m it Zahlen belegen; wenn 
ich Ih n en  In te rnus aus meinem Geschäft mitteilen 
wollte. Ich bin auch bereit, das zu tun. Ich halte es für 
unbedingt notwendig, diese Frage auf dem schnellsten 
Wege in  einer Kommission eingehend zu behandeln. 
D as M aterial, d as  mir zur Verfügung steht, will ich 
der Kommission gern unterbreiten. (Redner nicht im­
mer gut verständlich.)
B aura t Hahn: Die Ausführungen des Herrn G er­
melmann kann ich doch nicht ganz unwidersprochen hin­
ausgehen lassen. Herr G. hat einmal dem M agistrat 
oder der ausführenden Behörde den V owurf gemacht, 
daß verschiedene Arbeiten schneller hätten betrieben 
werden können. Und er führte da z. B. an, daß es 
möglich gewesen wäre, die Arbeiten in der Köllnischen 
Heide schneller zu betreiben. Wenn e r die Schwierig­
keiten in Rücksicht gezogen hätte, die den Bauausfüh­
rungen jeder A rt während des Krieges entgegenstan­
den, so würde er zu einem anderen Urteil gekommen 
sein. Z u  allen Arbeiten, die w ir während des Krie­
ges durchführen wollten, mußten w ir die staatliche Ge­
nehmigung haben. W ir durften keine Bauten ausfüh­
ren bczw. durften bei dem kolossalen M angel an A r­
beitskräften keine Bauten in  Angriff nehmen, zu denen 
wir nicht von vornherein die Genehmigung hatten. 
Außerdem w ar auch der Mangel an Baum aterialien 
so groß, daß die Arbeiten nicht durchgeführt werden
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