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Periodical volume 11. April 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

Hausverw altung als H auptabteilung herausgenom m en 
wurde.
N un  nehmen w ir den zweiten E n tw u rf über das 
Jugendam t. W enn S ie  den durchlesen, dann werden 
S ie  sofort die Anficht haben, e s  sind viele P a ra g ra ­
phen, die ein Ju r is t zusammengestellt hat, denn der 
H err S ta d tra t gibt in  der A nlage selbst an , daß er im 
großen und ganzen die gesetzlichen Bestim mungen zu­
grunde gelegt hat. Der Schulm ann, der in der J u ­
gendfürsorge steht, hat manches darin  verm ißt oder 
hat es als zu unbedeutend darin  angeführt gefunden, 
und deshalb begrüßen w ir es, wenn der M agistrat 
in feinem Märtzbeschluß die Sache auch um geändert 
hat. E r sagt dort, alles, w as Säuglingswesen-, Kin- 
derfürforge und  d as  eigentliche Jugendpflegeam t b e­
trifft, soll nicht m it dem Jugendam t verbunden w er­
den, sondern es  soll herausgenom m en und angeglie­
dert w erden a n  die Schulverw altung, denn die Schule 
hat die innigsten B erührungspunkte m it allem, w as 
Kinderpflege und Jugendpflege heißt; zum  andern 
w erden diese Dinge auch -verknüpft m it der neu zu er­
richtenden Abteilung fü r Schulhygiene oder Volks­
hygiene oder Gesundheitswesen,
Diese H erausnahm e begrüße ich auch noch aus einem 
anderen  G runde. W ir wissen alle, daß die Begriffe 
-der Jugendfürsorge und Jugendpflege sehr häufig 
verwechselt werden. Unter Jugend  p f l e  g e versteht 
m an im allgem einen die M aßnahm en, die den Körper 
durch W anderung, durch S p o r t  usw., den Geist durch 
gute Lektüre, durch gute U nterhaltung, durch E in ­
führung in die Kunst und Wissenschaft stärken sollen, 
also die A rbeit am  -geistig und körperlich gesunden 
Menschen. Die Jugend  f ü r  s o r g e  erstreckt sich aber 
mehr auf die Kinder, die körperlich und  moralisch 
und geistig schon nicht mehr ganz intakt sind, und bei 
denen eingegriffen werden m uß; auch aus die, die in  
jeder Beziehung gesund sind, denen aber die Erzieher 
genom m en sind und bei denen also auch wieder ein­
gegriffen w erden m uß, und zuletzt noch auf die Kinder, 
deren Rechte zu w ahren sind, gegebenenfalls schon vor 
der G eburt.
Diese Ju g en d  f ü r s o r g e  soll die H auptaufgabe 
des unter N r. 5 genannten Jugendam tes fein. D as ist 
ein Gebiet, d a s  unendlich groß ist und  von  dem das 
Jugendam t durchaus ausgefüllt wird.
A ber auch die Ju g e n d  p f l e g e  ist ein Gebiet, das 
sehr weit gefaßt w erden mutz. W ir sehen es an  den 
hunderterlei Einrichtungen, die w ir in  Neukölln haben. 
Aber gerade auf diesem Gebiete liegt doch in N eu­
kölln manches im argen. Alle Anerkennung fü r die 
Leistungen unserer Jugendpsleger und unserer J u ­
gendleiter im letzten Jah rzehn t! D as wollen w ir offen 
ausfprechen. Aber ich halte es doch —  um die Sache 
so vollkommen zu gestalten, wie es fü r eine S ta d t  wie 
Neukölln unbedingt notw endig ist —  für geboten, eine 
klare Zusam menfassung aller Jugendpflegekräfte vor­
zunehmen. W ir wollen doch einm al ganze A rbeit 
machen, und das ist nicht möglich, w enn die Kinder- 
und Jugendpflege, die selbstverständlich innerlich 
im m er Beziehungen zur Jugend  f ü r  f o r  g e haben 
wird, auch rein äußerlich m it den juristischen und 33er- 
w altungsangeleg en heiten des Jugendam tes verbunden 
bleiben.
W ir erkennen in  dem M agistratsbefchluß auch die 
Tatsache an, daß die rein  hygienische S eite  der Ju g en d ­
erziehung nicht m it dem Jug en d am t verknüpft werden 
soll, denn dar über sind w ir uns klar: Gerade mit die­
ser hygienischen S e ite  der Jugendpflege sieht es auch 
nicht gerade am  besten a u s  in Neukölln, und sie be­
darf einer radikalen E rw eiterung. D as w erben die 
vielen V äter und M ütter einsehen, die ihre Kinder in  
der Schule haben, oder die sie in  andere E rziehungs­
institute bringen: die w erden das genau so wissen, wie 
die Schulm änner. —  Also deshalb sollen Kindes- und 
Jugendpflege und Gesundheitspflege aus dem Ju g en d ­
am t heraus und den beiden selbständigen Abteilungen 
unter B  und C überwiesen werden.
W ie gestalten sich nun  diese A bteilungen? W ir 
sehen wieder in dem M agistratsbeschluh vom 12. M ärz: 
Die Schulabt-eilung soll w eiterhin selbständig umfassen 
die D eputation für das Volksschulwesen, für das höhere 
Schulwesen und die jetzt neu gegründete D eputation 
für das Fortbildungsschulwesen; und nun kommt etw as 
wichtiges hinzu: es soll eine neue D eputation begrün­
det werden, die den N am en Sozialpädagogische De­
putation  führt. Diese sozial-pädagogische D eputation 
erlangt hoffentlich in Neukölln ine Bedeutung, die w ir 
ihr zuschreiben. I n  ihr sollen sich all» Kräfte vereinigen, 
die anerkannterm aßen in Neukölln bisher schon G utes 
geleistet haben, und von denen w ir die G aran tie  haben, 
daß sie G utes leisten werden auch in Zukunft; denn die 
Arbeit, die in  der D eputation zu leisten ist, ist groß. 
S ie  soll sich befassen m it der Säuglingspflege der 
Kleinlinderpflege (Kindergärten, -horte usw.), weiter 
m it der Schulkinderpflege m it all den (Einrichtungen, 
die zur S täh lu n g  des jugendlichen K örpers und  des 
Geistes in  der Schule geschaffen sind, dann weiter mit 
der eigentlichen Jugendpflege, die w ir vielleicht auch 
Jugendlichenpflege nennen können, also Pfleg» an  J u ­
gendlichen von 14 b is 20 Ja h re n , und zuletzt darüber 
h inaus m it sozialer A rbeit an den Erwachsenen in 
Einrichtungen, in denen jeder sich W eiterbildung für 
seinen Geist und sein G em üt erwerben kann. Diese 
sogial-pädaMgische D eputation soll das Sammelbecken 
fein für alles das, w as w ir auf G rund  von E rfa h ru n ­
gen als notwendig in bezug auf Kinder- und Ju g e n d ­
pflege erachtet haben. Selbstverständlich wollen w ir 
nicht Unreifes hineinbringen, denn sie ist nicht dazu da, 
sich vielleicht schädigende Experim ente leisten zu 
können.
Die Aufgabe der Abteilung für Gesundheitspflege 
ist in  der V orlage vom 12. M ärz  so geschildert, daß sich 
wohl nichts weiter dazu sagen läßt. I h re  Aufgaben 
stehen zum  Teil in  V erbindung m it der sozial-pädago­
gischen D eputation. W eiter kämen hinzu- die B e­
käm pfung der Tuberkulose, der Geschlechtskrankhecen, 
des Alkohols, die Jrrenpflege, das Rettungswesen. 
K raukentt ansporte , Desinfektioiu
Die Ergebnisse dieser ersten oder zweiten M a ­
gistratssitzung hat der M agistrat zusamm engefaßt in 
dem, w as w ir hier in der Einzelvorlage auf der ersten 
S e ite  haben. D as Protokoll unserer Kommissions­
sitzung deckt sich im allgem einen m it diesen Beschlüssen 
vom 12. M ärz. Ich möchte bitten, die letzte Vorlage 
des M agistrats nicht zugrunde zu legen, wenn mir eine 
Übersicht gewinnen wollen, sondern lediglich das Sche­
ma, das ich Ih n e n  überreicht habe, weil das sachlich 
das klarste Bild geben wird. E s  bleibt uns nun noch 
bloß übrig, da hinein die D eputation zu setzen, die w ir 
| heule zu wählen haben, und da gehen w ir der Reihe 
nach:
D as W ohlfahrtsam t um faßt so viele Deputationen, 
als iS Abteilungen hat. Die H auptabte lang soll durch 
eine D eputation von 5 M agistratsm itgliedern und 
12 S tad tvero rdneten  zusammengesetzt werden. Die 
M itglieder dieser D eputation sollen zugleich M itglie­
der von anderen A bteilungen des W ohlfahrtsam tes 
fein. F ü r  die zweite Abteilung, Kriegsbeschädigten­
fürsorge, ist eine D eputation schon vorhanden. F ü r  
die dritte Abteilung, das Jugendam t, ist heute eine zu 
wählen, und zw ar bestehend und 5 M agistratsm itglie­
dern, 10 S tad tvero rdneten  und 4 B ürgerdeputierten. 
Auf die letzteren müssen w ir besonderes Gewicht legen. 
F ü r  die Abteilung fü r  das A rm eiiam t, für das Woh-
5
        
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