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Periodical volume 11. April 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

Kommission gegeben werden-. Es ist wohl so das Vor­
teilhafteste.
Rektor Wille (S .P .D .) : Meine Herren! Wir 
lesen zwei Worte auf unserer Tagesordnung, die uns 
zeigen, daß wir wieder vor einem großen Werk stehen. 
I n  Punkt 2 ist das Wort „Jugendpflege" und in 
Punkt 5 das Wort ,.Wohlfahrtsamt und Jugendamt". 
Selbstverständlich ist es, daß wir dieses neue Werk 
nicht auf einen Hieb bauen können. Wir haben uns 
heute nur mit den Vorbereitungen zu besassen. Wie 
bei jedem Bau, so haben wir auch hier für einen guten 
Bauplan zu sorgen und haben uns umzusehen, daß 
wir die rechten Bauleute gewinnen. Wir wollen- -uns 
heute deshalb nur klar werden über die Organisation 
des Wohlsahrts- und Jugendamtes und über die Zahl 
der Deputationen, in die wir diejenigen, die mitarbei­
ten, hineinsenden wollen. Wir wollen uns nicht fest­
legen auf einzelne Aufgaben, auf einzelne Tätigkei­
ten, sondern alle festen Ziele und sestgetroffenen Aus­
gaben abzugrenzen, das sollen die Kommissionen für 
sich tun, die sie uns dann wieder als gereifte Vor­
lagen hierher bringen.
Ich glaube annehmen zu können, daß bei manchem 
wohl noch nicht die rechte Klarheit über das Gewollte 
da ist, auch wenn Sie die Vorlagen durchgesehen ha­
ben, und die ungenügende Klarheit besteht darin, daß 
eben auf der Tagesordnung nur diese beiden Punkte 
angegeben sind: Wohlsahrts- und Jugendamt. I n  
Wirklichkeit handelt es sich jedoch noch um mehr, wie 
wir nachher sehen werden. Zum Zweiten ist die Un­
klarheit dadurch entstanden, daß wir zuviel Vorlagen 
bekommen haben:, und dabei Vorlagen-, die wir eigent­
lich jetzt gar nicht in die Hand bekommen dürfen. Ich 
müßte Sie nun erst durch diese Vorlagen hindurch­
führen, um den Extrakt zu gewinnen dessen, was die 
Kommission beschlossen hat, aber ich greife vor und gebe 
Ihnen den Extrakt gleich in die Hand. Er ist eben» ver­
teilt worden, damit Sie von vornherein ein klares 
Bild haben. Ich habe bei diesem Extrakt, das muß ich 
gleich von vornherein gestehen, eine Selbständigkeit 
begangen. Ich habe eine andere Überschrift gesetzt, 
denn die Magistratsvorlage will nicht bloß das Wohl­
fahrtsamt und das Jugendamt. Sie sehen schon an 
meiner Übersicht, daß das Wohlfahrtsamt nur ein Teil 
des Ganzen und das Jugendamt wieder nur ein Un­
terteil des Wohlfahrtsamtes ist. Die Vorlage des M a­
gistrats ist noch darüber hinausgewachsen, sie will be­
deutend mehr, und deshalb heißt die Überschrift: 
„Das Erziehungs- und Wohlfahrtswesen der Stadt 
Neukölln". Wir können es noch weiter ergänzen in: 
„Wohlsahrts-, Erziehungs- und Gesundheitswesen der 
Stadt Neukölln". Damit haben wir dann alles ge­
meint. Ob die Überschrift so ganz richtig ist, können 
wir nachher feststellen.
Da haben wir die Hauptabteilung a) Wohlfahrts­
amt, b) Schule und Sozialpädagogik, c) Gesundheits­
pflege, fl) Kranken- und Siechenhaus. Um Sie zu die­
sem Extrakt richtig hinzuführen, müssen wir zunächst 
einen kurzen Gang durch die Vorlage tun, die uns Herr 
S tadtrat Brunn übergeben hat.
Sie sehen schon an dem Datum, 2. November, daß 
eigentlich Liese Vorlagen schon überholt sind, denn seit 
dem 9. November ist immerhin manches anders ge­
worden, und ich »bitte Sie deshalb, sich gar nicht erst 
mit Eiirzelfragen in der Vorlage zu beschäftigen», z. B. 
in der Vorlage über das Jugendamt damit, daß drei 
Geistliche der evangelischen', katholischen und jüdischen 
Religion noch in- die Deputation hineingewählt werden 
sollen. Das hat im allgemeinen verblüfft.
Herr S tadtrat Brunn hat damals, als er die Vor­
lage verfaßte, weil nur das Wohlsahrts- und Jugend­
amt im Auge -gehabt, aber mittlerweile ist die ganze
4
Sache darüber hinausgewachsen, und dementsprechend 
hat der Magistrat nach »dem Antrag des Herrn Stadt­
schulrat Dr. Buchenau am 12. März eine andere 
Sitzung abgehalten und hat diesen ersten Entwurf 
durchaus »korrigiert. Wir finden das auf der Einzelvor­
lage im zweiten Teil -auf der ersten Seite. An der 
Hand dieses zweiten Teiles werden wir zunächst ein­
mal die alte Vorlage über das Wohlfahrtsamt durch­
gehen. Sie sehen aus der zweiten ©eite den ersten 
Teil des Wohlfahrtsamtes so, wie sich Herr Stadtrat 
Brunn das gedacht hat. 1) Hauptabteilung, 2) Ar­
beitsamt, 3) Fürsorgeamt, 4) Jugendamt und Arbeits­
amt. I n  dem Beschluß des Magistrats vom 12. März 
sehen wir gut die jetzige Stellungnahme des M a­
gistrats, und ich habe gleich von vornherein zu -erklä­
ren, -daß die Kommission sich im großen und ganzen 
auf diesen Beschluß »des Magistrats gestützt hat mit 
einem einzigen Unterschiede. Deshalb möchte ich zu­
nächst nicht »das Protokoll über die Kommissions­
sitzung zugrunde legen, sondern das Protokoll über 
diese Magistratssitzung vom 12. März. Die Haupt­
abteilung 1: Die Hauptabteilung ist beibehalten, und 
nach ihrem DerwÄtungszweck soll sie in der Haupt­
sache eine Auskunftsstelle fein für Vereine, Organi­
sationen, aber auch für jeden einzelnen aus dem P u ­
blikum, ferner hat sie eine Kartei, u. a. eine verwal- 
jungsiechnifche, zu enthalten.
Die zweite Abteilung, die der Brunnsche Entwurf 
vorsieht, das Arbeitsamt, hat die Magistratssitzung 
vom 12. März und auch die Kommission nicht mit 
übernommen, weil man der Anschauung war, daß das 
Arbeitsamt denn doch ein Ding für sich ist, zu groß, 
als daß es hier angehängt werden- könnte und in die­
ser Zeit zu »bedeutungsvoll. Also diese Abteilung fällt 
gang weg.
Die dritte Abteilung auf der nächsten Seite, Ab­
teilung für allgemeine Fürsorge, ist auch gestrichen 
worden, weil die Gebiete zu nebensächlich behandelt 
wurden. Es find einzelne dieser Gebiete hernu-sge­
trennt worden, um selbständig vorgenommen zu wer­
den, zuerst »die Fürsorge für Kriegsbeschädigte. Man 
hat -die Sache für so wertvoll gehalten, sie als Unter­
abteilung in das Wohlfahrtsamt mit hineinzubringen. 
Sie sehen es unter Nr. 2.
Weiter »hat man herausgenommen das M ilitär­
büro, um es auch als Unterabteilung -unter das Wohl­
fahrtsamt zu »bringen. Man hat es dort an 26. Stelle 
gestellt.
Die vierte Abteilung für Jugendfürsorge, das 
eigentliche Jugendamt, ist geblieben,, ist von uns über­
nommen als 3. Unterabteilung unter das Wohlfahrts­
amt.
Die 5. Abteilung, allgemeine Fürsorge oder Ar­
menamt, ist ebenfalls übernommen und bildet bei uns 
die 4. Abteilung. Dann aber wieder die 6. Abteilung 
des Brunnschen Entwurfes: Wohnungsamt und Kran­
ke »Hausverwaltung» ist wieder fallen gelassen worden. 
Die Krankenhausvuroaltung ist mit der Verwaltung 
des Siechenhaufes ganz und gar herausgenommen 
und zu einer vollständig selbständigen Hauptabteilung 
gemacht worden, ist also noch nicht einmal Unterabtei­
lung unter dem Wohlfahrtsamt. Das Wohnungsamt 
hat der Magistrat in seiner Märzsitzung aus dem 
Wohlfahrtsamt herausgenommen und mit -der B au­
polizei verbunden. Die Kommission ist aber zu der 
Ansicht» -gekommen, daß die Wohnungsfragen jetzt doch 
immerhin unter die Wohlfahrtsfragen fallen, in dieser 
Zeit ganz besonders, und hat das Wohnungsamt wie­
der von der Baupolizei getrennt und als Unterabtei­
lung unter das Wohlfahrtsamt gebracht unter Nr. 5, 
während die Krankenhausverwaltung mit der Siechen-
        
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