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Periodical volume 12. Dezember 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

Maß Arbeit haben in dieser Zein Ich weiß aber auch, 
daß Sic durch das Vertrauen Ih re r Mitbürger in diese 
Stellung, in die Sie heute eintreten, berufen sind, und 
daß Sie cs Ihrerseits nicht daran fehlen lassen werden, 
dieses Vertrauen zu vergelten, indem Sie Ihre volle 
Arbeitskraft in den Dienst der Stadtgemeinde stellen 
werden.
(Die neuen Herren werden verpflichtet.)
Sjadtbaurat Weigand: Hochgeehrter Herr Bür­
germeister! Es hat wohl noch nie eine Großstadt ge­
geben, die ohne Bürgermeister war. Das ist aber 
unserer Stadt Neukölln beschielten gewesen, seit am 
1. November der Oberbürgermeister Kaiser sein Amt 
als Oberbürgermeister niedergelegt hat, um eine andere 
Stellung in unserer Verwaltung zu übernehmen, und 
seit unser Bürgermeister Dr. Mann uns seit dem 
1. Dezember verlassen hat, um dem ehrenvollen Ruf 
als Oberbürgermeister nach Erfurt zu folgen. Dank 
2er Staatsregierung, die in sonst nicht gewohnter Eile 
Ihre Bestätigung vorgenommen hat, dank dem Herrn 
Oberregierungsrat, der so gütig war, ebenso schnell für 
Ihre Einführung zu sorgen, ist die bürgermeisteilose 
Zeit nunmehr vorbei, wozu w ir Sic und uns beglück­
wünschen. Wie schon der Herr Oberregierungsrat 
sagte, kann sich die Stadt zu Ih re r Wahl ganz besonders 
Glück wünschen. Bei unserer Einwohnerschaft, deren 
überwiegender Teil der werktätigen Bevölkerung an­
gehört, die der Ehrenname Arbeiter ziert, bei dieser 
Einwohnerschaft ist es naturgemäß eine Hauptaufgabe 
der Verwaltung, für das Wohl dieser Bevölkerungs- 
kreise in kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Be­
ziehung zu wirken, und da, Herr Bürgermeister, sind 
Sie der rechte Mann. Dank Ih re r dauernden Herzens­
neigung für diese Schichten, bei Ihrem Werdegang und 
Ih re r beruflichen Tätigkeit haben Sie den Pulsschlag 
dieser Kreise unmittelbar gefühlt, haben Sie Herz und 
Sinn dieser Leute verstehen, ihre Forderungen und 
Wünsche kennen gelernt, und deswegen haben wir die 
Zuversicht, daß Sie gerade für Neukölln der hervor­
ragend geeignete Leiter der städtischen Verwaltung 
sind. Ferner ist auch die Wahl der Stadtverordneten­
versammlung dankbar zu begrüßen, weil sie einen 
Mann gewählt hat, der, wie Sie, so lange schon in 
unserer Verwaltung tätig ist. Seit dem Beginn Ihrer 
jahrelangen ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadtverord­
neter und später als Stadtverordnetenvorsteher haben 
Sie stets die Gelegenheit erstrebt und gesunden, in 
alle wichtigen Verwaltungsdeputationen, Stadtverord- 
netenausschüsfe, Kommissionen einzutreten, und dort 
haben Sie bei Ihrem zielbewußten Streben, bei Ihrem 
klaren Blick und Ihrer schnellen Auffassungsgabe die 
vielen Einzelheiten unserer vielgestaltigen Verwaltung 
so gründlich kennen gelernt, wie es einem von außen 
berufenen Mann in längerer Zeit erst möglich gewesen 
wäre. Deswegen haben w ir die feste Zuversicht und 
die Sicherheit, daß Sie die Stadt über den dornen­
vollen Weg, den die jetzige Zeit uns weist, zum siche­
ren Ziele und guten Erfolg führen werden. Namens 
des Magistratskollegiums begrüße ich Sie aufs herz­
lichste als unseren neuen Dirigenten und Führer. Und 
wenn ich mich noch in zwei Worten an die Herren 
Kollegen wenden darf, so möchte ich darauf hinweisen, 
daß das Magistratskollcgium augenblicklich nur über 
ein juristisch vorgebildetes Mitglied verfügt, das ist 
unser Kämmerer Lindner, während die Fragen, die 
der Erledigung harren, vielfach juistifche und Verwal­
tungsvorbildung erheischen, und deswegen begrüße ich 
es, daß die Stadtverordnetenversammlung gerade diese 
beiden Herren gewählt hat, die außerdem in ihrer 
mehrjährigen Tätigkeit in unserer Stadt die örtlichen 
Verhältnisse, die einheimische Bevölkerung und unsere 
eigene Verwaltung so kennen gelernt haben, daß sie
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I ohne weiteres von morgen ab unserem verehrten Herrn 
Bürgermeister mit ihrer vollen Kraft zur Seite stehen 
und am Wohle der Stadt werden mitarbeiten können. 
Seien Sie uns Bestens willkommen als Kollegen im 
Magistratskollegium.
Vorsteher Vermuth: Meine sehr verehrten Herren! 
M ir fällt die Aufgabe zu, im Namen der Stadtver­
ordnetenversammlung zunächst den Herrn Bürger­
meister in seinem neuen Amte zu begrüßen und zu be­
glückwünschen. Sowohl der Herr Regierungsoertreter, 
als auch der Herr Stadtbaurat Weigand haben bereits 
auf die Verdienste hingewiesen, Die Sie, verehrter Herr 
Bürgermeister, in Ih rer langjährigen Tätigkeit im 
Interesse der Stadt erworben haben, und der Herr 
Regicrungsvertreter hat mit Recht darauf hingewiesen, 
daß Sie Ih r  Amt atmeten in einer Zeit beispielloser 
geistiger und wirtschaftlicher Nöte, eine Zeit, von der 
man noch nicht recht sagen kann, wie sie enden wird. 
Wie aber auch die Zeit enden mag, unsere Pflicht 
und die Pflicht eines so hervorragend tätigen Beamten 
muß es sein, jenem Baumeister zu gleichen, der noch in 
den letzten Tagen seines Lebens einen Bau für die 
Ewigkeit errichtete. Neukölln war bisher der Boden 
Ih re r Kraft, und diesen Boden — die Überzeugung 
haben w ir alle — haben Sie mit einer gewissen Liebe 
und mit Fleiß bearbeitet. Diese Tatsache an sich gab 
der Stadtverordnetenversammlung die Überzeugung, 
daß Sie in Ih rer Person einen Mann findet, der die 
Zukunftsaufgaben der Stadt sowohl wie auch des späte­
ren Groß-Betlins mit sicherem Blick erkennt und eine 
Politik verfolgt, die, von großen Gesichtspunkten aus­
gehend, von großem Wert für die Gesamtheit sein muß. 
W ir wissen alle, daß, wenn etwas vergehen, neues 
entstehen soll,'zwei große Strömungen sich vereinigen 
müssen, eine hohe ethische Idee und eine große soziale 
Arbeit, welche mächtig genug sind, die niederen Volks­
schichten auf eine große Stufe der Kultur emporzuheben. 
Ohne diese soziale Arbeit werden w ir eine neue Welt 
nicht schaffen können. Diese Arbeit aber wird be­
wältigt werden, wenn w ir in stetigem Einvernehmen 
mit großer inniger Liebe und ebenso großer Energie 
frisch ans Werk gehen.
Meine verehrten Herren Stadttäte! Das, was ich 
soeben dem Herrn Bürgermeister gesagt habe, trifft in 
nicht minderem Grade auch auf Sie zu. Auch Sie 
sind keine Neulinge in der städtischen Verwaltung, 
,ßie sind aber berufen, jetzt ein Tätigkeitsfeld zu be­
treten, das Ihnen ein größeres Maß von Pflichten 
auferlegt, ein Maß von Pflichten, wobei Sie ge­
wissermaßen die besten Jahre Ihres Lebens verwenden 
können, um im Dienste eines großen Gemeinwesens 
tätig zu sein. Lassen Sie mich, alle drei Herren, 
meinen Wunsch mit dem Wunsche der Stadtverord­
netenversammlung zusammenfassen in den Worten, die 
einst unser Friedrich Rückerl zum Ausdruck brachte 
in seinem Werk „Die Weisheit des Brahmanen": Den 
einen ehr' ich, der nach Idealen ringt, den andern acht' 
ich auch, dem Wirkliches gelingt, den aber lieb' ich, 
der nicht dies noch jenes wählt, der höchstes Ideal der 
Wirklichkeit vermählt.
Ich heiße Sie herzlich willkommen und wünsche 
Ihnen, daß Ihnen das Amt große Freude und Be­
friedigung bereiten möge. (Bravo!)
Bürgermeister Scholz: Im  Namen meiner beiden 
Kollegen danke ich insbesondere dem Herrn Vertreter 
der preußischen Staatsregierung, dem Hern Stadtbaurat 
Weigand und dem Herrn Stadtverordnetenvorsteher 
für die freundlichen Worte, die Sie uns anläßlich 
unserer Einführung in das neue Amt übermittelt haben. 
Der Stadtverordnetenversammlung insbesondere danken 
w ir für das Vertrauen, das Sie in uns gesetzt haben, 
um uns für diese wichtigen Ämter auszuersehen.
        
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