kraße an den folgenden Tagen freigegeben würden.
N ur die Schule in der Rütlistraße ist von der R epu
blikanischen Soldatenw ehr benutzt worden. (Zuruf: D as
i i die beste Schule!)
S tad tv . Lachmund (U. S . P . D.): Ich freue mich,
haß die Herren von der bürgerlichen Seite mit m ir
Übereinstimmen, daß unter allen Umständen F ro n t ge
macht werden m uß gegen die Benutzung der Schulen,
hch sagte Ih n e n in der vorigen Sitzung bereits, daß
|n an einen Menschen mit einer schlechten W ohnung
ebenso gut töten kann wie mit einer Axt, und das
trifft auf die Notwohnungen zu. E s soll den Leuten
p ro Fam ilie ein R aum zugewiesen werden. Ueberlegen
Die, welche sittlichen Schäden das in sich birgt, wenn
eine Fam ilie in einem derartigen R aum , und wenn
huch n u r ein Vierteljahr lang, untergebracht ist. E s
m uß unter allen Umständen S tu rm gelaufen werden
jgegen die M aßnahm e, die von Seiten des M agistrats
tzetroffen worden ist. E s ist, wie Herr Kollege Radtke
jfchon gesagt hat, schon seit Jah ren darauf aufmerksam
Gemacht worden, daß w ir einer W ohnungsnot entgegen
gehen, und daß die W ohnungsfrage nach Schluß des
Krieges immer dringender werden würde. Aber meine
[Neugier ist noch eine andere. H err S ta d tra t Lindner,
[vielleicht können S ie Auskunft geben, w arum die Häuser
[in der Kaiser-Friedrich-Straße 148 und in der Elsen
straße 50 nicht auch mit städtischen M itteln hergestellt
[werden und nur die Häuser Elsenstr. 75 und Remhold-
[straße 2 mit städtischen M itteln ausgeführt worden sind.
Dann möchte ich vom M agistrat hören, welche
M ietverträge er den M ietern dieser Notwohnungen
vorzulegen gedenkt, wie hoch der M ietpreis gestellt
werden soll und w as sonst für Bedingungen dort in
Aussicht genommen sind. I n einer am Mittwoch statt
gefundenen M ieterversammlung, veranstaltet vom
M ieterbund Groß-Berlin, die hier in der Aula des
Kaiser-Friedrich-Realgymnasiums tagte, wurde behauptet,
daß der M agistrat die sofortige Zahlung der M iete
für April verlangt hat, wenn er dem Betreffenden die
R äum e zur Verfügung stellen solle. M eine Herren,
das w äre eine Ausnutzung der Notlage, die nahezu an
W ohnungswucher grenzen und die alles übersteigen
würde, w as von der bürgerlichen Seite bisher da au s
geübt worden ist. (S eh r richtig!) Dagegen müssen w ir
uns m it aller Entschiedenheit wenden. Die Herren
von der bürgerlichen Seite, die heute mit einem M al
gezeigt haben, daß sie auch um lernen können, die H aus
agrarier, die es wohlweislich schön verstanden haben,
ihre M ieter an die frische Luft zu setzen, die Notlage
ihrer M ieter so schön auszunutzen, sitzen hier als An
geklagte, denn das M aterial, w as beim A rbeiterrat
liegt, spricht Bände. M ietsteigerungen von 60, 75 bis
100 P roz. sind zu verzeichnen. D as ist ein Wucher,
der gar nicht schlimm genug gebrandmarkt werden
kann. Mietsteigerungen von 100 P roz. bedeuten eine
Ausnutzung der Notlage eines M ieters. W enn jemand
von 30 M . auf 60 M . gesteigert w ird, so spottet das
jeder Beschreibung. (S eh r richtig! und Hört! Hört!)
E s m uß hier seitens des M agistrats unter allen Um
ständen energisch eingegriffen werden, um nicht nur die
augenblickliche, sondern auch die kommende W ohnungs
not, die im m er drückender w ird, zu mildern oder zu
beseitigen, und da nutzt es nichts, H err S ta d tra t
Lindner, wenn S ie die Schulen nur auf ein Vierteljahr
zu W ohnungen zu benutzen gedenken, da genügt es
nicht, wenn S ie bis zum Ju li oder Oktober in der
Geygerstraße oder in der Köllnischen Heide so und so
viele W ohnungen fertig zu stellen gedenken. E s muß
viel schärfer angesichts dieser M aßnahm en vorgegangen
werden. E s müssen die Hausbesitzer aufgefordert
werden, sofort dem M agistrat anzugeben, wieviel leer
stehende Läden sie haben, und der M agistrat muß in
die Lage versetzt werden, gegen jeden einzelnen mit
den allerschärfsten M itteln vorzugehen, der sich weigert,
eine leerstehenden Läden zu Wohnungszwecken herzu-
en. Der M agistrat m uß darüber Statistik führen,
daß w ir seitens der Stadtverordnetenversam m lung
in der Lage sind, solche Hausbesitzer, die sich weigern,
unter allen Umständen zu brandmarken. (S eh r richtig!)
W enn ich sage, daß die Hausbesitzer zum Teil
mitschuldig sind an den Zuständen, indem sie diese
kolossalen Mietsteigerungen vorgenommen haben, so
darf ich hierbei auch nicht vergessen die Rolle, die das
M ieteinigungsam t dabei gespielt hat. D as M ieteini
gungsam t ist wohl nicht so sozial zusammengesetzt ge
wesen, a ls wie es in dieser Zeit wirklich hätte sein
müssen. E s liegen Richtlinien vor, bei deren Lesen
m an den Kopf schütteln muß. E s wird angedeutet,
daß derjenige, der mutwillig das E inigungsam t anruft,
G efahr läuft, daß ihm die Z ahlung einer Gebühr auf
erlegt w ird; es wird also dem betreffenden M ieter, der
hier eine Bescheinigung zugesandt bekommt und diese
Richtlinien des M ieteinigungsam ts vorher gelesen hat,
gewissermaßen schon gedroht: Freundchen, komme nicht
zu uns, denn du könntest hier evtl. extra noch eine
Beglaubigung bekommen, daß die S teigerung zu Recht
besteht.
E s wird weiter angeführt, daß im allgemeinen
eine Steigerung von 20 P roz. genüge. Ich habe aber
Entscheidungen des M ieteinigungsam ts gelesen, wonach
es bis zu 33x/3 P roz. gegangen ist, also in Gegensatz
zu den Richtlinien sich gestellt hat. D as kann doch
unter keinen Umständen "angehen, und es darf nicht
Platz greifen, daß derartige unsoziale M aßnahm en hier
durchgeführt werden. Ich kann Ih n en einen F all vor
führen, wonach eine W ohnung, die 1914 1100 M . ge
kostet hat und am 1. Oktober 1918 auf den M ietpreis
von 1600 M . geschraubt worden ist. Ich begrüße des
wegen dasjenige, w as H err Radtke angeführt hat und
hoffe, daß es durchgeführt wird, und wünsche, daß die
jenigen, die in der Lage sind, 4, 5 und 6 Z im m er zu
haben, gezwungen werden, den Aermsten der Arm en
mindestens 2 Z im m er vorläufig zur Verfügung zu stellen.
E s ist das eine M aßnahm e, die auch schon von der sozial
demokratischen Fraktion in W ilm ersdorf befürwortet
worden ist. E in diesbezüglicher A ntrag liegt dort vor.
Eine solche M aßnahm e muß im Interesse unserer Bevölke
rung unter allen Umständen auch hier zur Durchführung
gelangen, und ich bitte S ie , in diesem S inne zu be
schließen.
S tabfraf L indner: Hinsichtlich der Häuser Eisen-
straße 50 und Kaiser-Friedrich-Straße 148 verhält es
sich so: Ich führte schon aus, daß der W ohnungs
verband für diese Ueberteuerungszuschüsse zuständig ist.
Hier handelt es sich auch um Häuser, die im R ohbau
fertig sind. D as H aus Kaiser-Friedrich-Straße 148 ist
erst im Fundam ent fertig, w ährend das H aus in der
Elsenstraße im R ohbau fertig ist (in der ersten Etage).
Diese Häuser könnten nur fertig gebaut werden, wenn
die Ueberteuerungszuschüsse bewilligt werden. Der
W ohnungsverband hat bezüglich dieser Häuser es aber
glatt abgelehnt mit der M otivierung, daß diese Häuser
in keiner Weise den modernen städtebaulichen Ansprüchen
genügten; sie seien unhygienisch (Hört! Hört!), und er
könne in keiner Weise die V erantw ortung übernehmen,
hier jemals M ieter unterzubringen (Hört! Hört!).
W as den M ietzins für die R äum e in den Schulen
betrifft, so wollte ich diese F rage in der W ohnungs
kommission nochmals vorbringen. Selbstverständlich
m uß für die Zeit im V oraus bezahlt werden, für welche
tatsächlich der M ieter die R äum e benutzt, und ich hatte
gedacht, den M ietzins für die Benutzung auf 10 M .
für den ganzen M onat zu stellen. Diese 10 M . sollen
am Ersten gezahlt werden. Zieht der M ieter früher
aus, dann bekommt er die Differenz zurück. (Zuruf:
Und die V orauszahlung?) J a , H err Lachmund, das
ist im allgemeinen üblich, daß vorausgezahlt wird.
W ir a ls S ta d t sind doch sicher, daß der M ann den
Differenzbetrag herausbekommt, wenn er früher a u s
zieht. Aber, wie gesagt, das ist eine F rage, die ich in
der Wohnungskommission nochmals besprechen wollte.
D ann ist die F rage angeschnitten worden, wie es
mit der W ohnungsnot nach Ablauf eines J a h re s in
Neukölln und in G roß-B erlin steht, ob dann noch eine