Mverzüglich die Wohnungskommission, die S ie wahr-
/M ein lich neu bilden werden, einzuberufen, damit S ie
'm o n b in Hand mit dem M agistrat arbeiten können, um
l | e W ohnungsnot und die unvermeidlichen Zustände in
eÄ r S ta d t zu bessern und abzustellen. (Bravo!)
W Stadtv. Radtke (U. S . P . D .): W enn H err S tad t-
r#t Lindner sagt, daß er zum 1. 4. die Not behoben
haben wird, so ist dem kein Glauben beizumessen, weil
dös unmöglich ist. W ir haben da recht viel versäumt.
A rm mindesten seit 1916 ist in der gesamten Oeffentlichkeit
| ständig die Rede davon gewesen, endlich auch daran
zu denken, W ohnungen zu schaffen für die heimkehrenden
'■ prieger und vor allen Dingen für die Kriegsgetrauten.
E s ist nichts weiter geschehen, wie die B ildung von
Kommissionenen. Und wenn m an heute noch hört, daß
die Regierung so schlechte M aßnahm en getroffen hat,
um der W ohnungsnot zu begegnen, so haben wir auch
, etwas versäumt, indem w ir nicht genug an die Oeffent
lichkeit gegangen sind. Gewiß ist es möglich, daß die
H ausw irte ihre Läden, für die sie 5 Jah re lang keine
Verwendung hatten, für die sie bei der Zuteilung der
Hebensmittel und wie sich die Verhältnisse überhaupt
gestalten werden, keine Vermietungsaussichten innerhalb
W es nächsten Ja h re s haben, hergeben können. E s geht
aber nicht an, die Schulen als W ohnungen zu benutzen.
Besonders schlecht daran sind die kleinen Kinder, die
Mm in den Schulen bis um 11, 12 Uhr und um 4 Uhr
Unterrichtet werden.
Dazu kommt, w orauf ich den M agistrat besonders
M ufm erksam machen möchte, daß eine außerordentliche
Unsauberkeit in den Schulen herrscht, über die Leiter
W n d Schüler gemeinsam klagen. W enn nichts abgeändert
w erden kann, so muß dies wenigstens bezüglich der
W ln sauberkeit geschehen. W ir haben uns nicht genügend
W llü h e gegeben, uns umzusehen. Z. B . das B ureau
haus der F irm a W ertheim in der Lahnstraße ist voll
kommen leer, die B ureauräum e könnten von der F irm a
W n die Fabrikräum e gelegt werden. Ein großes Haus
« M äre dann frei für W ohnungen. Auch das H aus des
WVlauen Kreuzes könnte zu W ohnungen verw andt werden.
ISSie sehen, es sind schon zwei Dinge, an die m an heran-
W e h en könnte. Dann ist von H errn Volk weiter gesagt
■ u o rb e n von W ohnungsum bauten. Ich glaube, da haben
M v ir in Neukölln nicht viel ausgeführt. Denn wenn das
■ e m a c h t w ird, so geschieht es mit Einwilligung der
■ H au sw irte ; S ie wissen ja, wie übereilig ihr soziales
MGewiffen da erwacht. D as ist auch den amtlichen Stellen
bekannt. Hier handelt es sich bei uns darum , Woh-
M lungen zu schaffen, damit darf keine lange Zeit mehr
M e w a rte t werden. Denn diejenigen Mädchen, die Kriegs-
eingegangen sind, werden M ütter werden.
M Oarin liegt die Gefahr. Diese m uß beseitigt werden,
W ind wenn das nicht im Guten möglich ist, dann müssen
-M ir auch auf die Regierung einen Druck ausüben, dann
schon morgen an die Oeffentlichkeit treten und in einer
■ E ingabe an die Regierung auf den trostlosen Zustand
W inw eisen. E s müßte eine Aufstellung aller in Neukölln
leerstehenden Läden m it W ohnung gemacht w erden;
ann müßte an die H ausw irte herangetreten werden,
m festzustellen, ob sie zum Umbau gewillt sind oder
icht, sonst werden sie öffentlich gebrandmarkt. W ir
önnen natürlich nicht in 24 S tunden W ohnungen Her
tellen, deshalb m uß aus dem V orhandenen heraus-
eholt werden, w as möglich. Ich gehe noch weiter:
enn die Zustände so liegen, daß ein großer Teil der
inwohner in die Kaserne muß, dann bin ich dafür,
aß diejenigen, die 6=7 Zim m er innehaben, 1=2 Zim m er
abgeben, um den Leuten die Möglichkeit zu geben,
einigermaßen vernünftig zu leben. E s mag diese A b
gabe für manche Leute eine Unbequemlichkeit sein. Aber
wie lange m ußten die Krieger draußen im Schmutz
herumliegen. D a haben sie jetzt ein Recht darauf, daß
sie eine W ohnung haben. (S eh r richtig!) Die Dinge
legen so, daß m an das ohne weiteres verlangen kann,
ch hätte gewünscht, daß sich der Opfersinn der Be-
ölkerung hier in vollem M aße gezeigt hätte. Aber
esehlt! Dem M agistrat kann ich den V orw urf nicht
ersparen, daß er nicht alles mögliche getan hat. An
demselben Tage, an welchem der A ntrag eingereicht
worden ist, erscheint eine Zeitungsnotiz, daß m an an
die Besitzer herangetreten ist, sie sollten die leerstehenden
Läden umbauen. D as ist zu spät, auch für die Kom
mission, da hätte viel früher etw as gemacht werden
können. Deshalb an die Oeffentlichkeit die Aufforderung,
diejenigen B ürger, welche gewillt sind, einem Einwohner
der S ta d t W ohnung zu gewähren, d. H. Abtretung von
1— 2 Zim m ern, und dann Feststellung der leeren Läden
und dann versuchen, auf die Regierung einen Druck
auszuüben. W ir haben doch eine Regierung, die so-
j zialistisch sein soll (Lachen), deren Ziel und Zweck es
i fein muß, soziale M aß ahm en mit allem Nachdruck
! zu fördern!
S tad tra t T h iem ann : Ich möchte ein p aa r W orte
! sagen zu den Ausführungen des H errn Kollegen Lindner,
j in denen er sich festnagelt und versprochen hat, die
W ohnungen in der Geygerstraße und in der Köllnischen
Heide zum 1. Oktober fertigzustellen. D as ist ein Un
ding. (Hört, hört und Gelächter!) J a , S ie lachen da
rüber, aber S ie können es dem H errn Kollegen nicht
verübeln: er ist nicht Fachmann. (Aha-Rufe). E r
kann das nicht beurteilen, er ist aber der M einung,
wenn er die Häuser im Gange hat, dann werden sie
i zum 1. Oktober fertig. Aber die Materialschwierigkeit
I ist so groß, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist.
! D as kann auch jetzt ein Fachmann nicht sagen. Trotz-
! dem ich M aurerm eister bin, m uß ich gestehen: die
I Materialbeschaffung ist so schwierig in der Geygerstraße:
| T räger sind nicht zu beschaffen, es m angelt auch an
i G ips und Zement, auch sind Schwierigkeiten beim
i T ransport, sodaß es ein Unding ist, die Sachen her-
i anzuschaffen. Deshalb kann mein H err Kollege nicht
: sagen, die Häuser, die im Gange sind, sind zum
: 1. Oktober fertig zu stellen. Ich wollte das bloß richtig
stellen, dam it S ie ihn nicht an den P ra n g e r stellen,
wenn er das Versprechen, zum 1. Oktober die W oh
nungen fertig zu halten, nachher nicht einlösen kann.
(Hört, hört, Unruhe.)
S fadfraf L indner: Zuerst möchte ich auf die A us
führungen des Herrn S tadtverordneten R adtte an t
worten. D aß w ir erst im M ärz eine Anzeige an die
Hausbesitzer gerichtet haben, trifft nicht zu; das w ar
nur eine W iederholung. W ir haben schon im Oktober
und November solche Aufforderungen an die H au s
besitzer gerichtet, und auf Wunsch der Kommission
wurde diese Aufforderung nochmals wiederholt, um
alles Mögliche zu versuchen.
Z u den A usführungen des H errn Thiem ann kann
ich nur sagen, daß ich mich hier auf die Angaben
unseres Hochbauamts berufen muß. D er H err S ta d t
baurat ist leider durch Krankheit verhindert, er würde
sonst die notwendigen Erklärungen selbst dazu abgeben.
S tad tv . Schilling (Bürg. Verein.): Ich wollte nur
erklären, daß ich zw ar die Botschaft vernommen habe,
daß die Schulen zum 1. Ju li geräum t werden sollen,
daß ich jedoch auch befürchte, daß daraus nichts wird.
M eine Damen und Herren, glauben S ie denn, daß zum
1. Ju li so viel W ohnungen frei sein w erden? E s heißt,
Renovierungen und w as sonst alles noch vornehmen.
D ann verläuft die Zeit, und w ir haben nach wie vor
die K alam ität in unseren Schulen. Zum anderen möchte
ich fragen : W ird jetzt zum April keine von den bislang
belegten Schulen frei und zum anderen, in welchem
Umfang sollen zukünftig die Schulen weiter benutzt,
umgeformt werden für solche Wohnungszwecke? M eine
Damen und Herren, angesichts der unterrichtlichen
Schwierigkeiten und angesichts der gesundheitlichen
Schwierigkeiten und Schäden unserer Kinder müssen
w ir Schulleiter erklären, daß w ir tatsächlich zukünftig
die Verantw ortung für einen schlechten Schulbesuch und
für schlechte Leitung ablehnen. (Hört, hört!) W ir
müssen es ablehnen bei unserem unruhigen Betrieb in
den Schulen, bei den unregelmäßigen Stundenplänen,
die die Gesundheit der Kinder und des Lehrperfonals
aufs höchste gefährden, in einer Zeit, die tatsächlich