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Periodical volume 26. September 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

Vorsteher Scholz: Die heutige S tad tverordneten­
versammlung ist hierm it eröffnet. Ich  habe zunächst 
mitzuteilen, daß  ein Schreiben der Oberpostdirektion 
eingegangen ist auf die eingereichte Beschwerde wegen 
der unhaltbaren  postalischen Zustände in  Neukölln. 
I n  Anbetracht der Wichtigkeit halte ich es fü r not­
wendig, Ih n e n  das Schreiben zu verlesen. (Geschieht.) 
Ich w ill ergänzend hinzufügen, daß m ir von dem be­
treffenden H errn, der die Sache untersucht hat, mitge­
teilt worden ist, daß theoretisch die Briefbestellung in 
O rdnung ist. E s  hat sich allerdings herausgestellt, 
Laß teilweise die Briefe zwei Tage gebraucht haben, 
um von C harlottenburg nach Neukölln zu gelangen. 
I n  allen solchen F ällen  bittet die Postdirektion, ihr das 
betreffende M ateria l als Unterlagen zu überweisen, da­
mit sie in  jedem einzelnen F alle  feststellen kann, wo 
der Fehler gemacht worden ist und wo die betreffenden 
Briefschaften liegen geblieben find. Ich  möchte bitten, 
dementsprechend zu verfahren.
D ann ist ein A ntrag  des H errn Lehrers Korn 
eingegangen, „die kollegiale Schulleitung erst dann in 
K raft treten zu lassen, w enn die hiesigen Bew erber 
um Rektorenstellen Anstellung gesunden haben, die 
bereits in  der Bewerberliste notiert find." Die A nge­
legenheit w ird wohl die Schuldeputation beschäftigen.
— D ann sind Leitsätze eingegangen, betreffend den 
Turnunterricht des B erliner T urnlehrervereins. D ann 
eine E inladung der Polizeiwachtmeister zur Teilnahm e 
an  der außerordentlichen Versam m lung. Die E in ­
ladung ist den einzelnen Fraktionen zugegangen. —  
F erner eine E in ladung  zu einer öffentlichen T agung 
entschiedener Schulreform er unter den akademisch ge­
bildeten Lehrern im Herrenhause. —  Abschriften der 
städtischen Kassenrevifionen liegen aus. —  Entschuldigt 
fehlen die H erren S tad tverordneten  Treffert, Lach- 
mund, A nton und  S ievers. —  Z u  Protokollvollziehern 
ernenne ich die Herren Wolfs, S tah m an n , B ornem ann.
— D ann ist eingegangen vom Hauptausschutz für freie 
N ahrungsm ittelw irtschaft die Resolution der selb­
ständigen Handel- und  Gewerbetreibenden w egen B e­
drohung ihrer wirtschaftlichen Existenz durch die 
K om m unalifierungspläne der Gemeinden.
D ann P unk t 2: E inführung eines besoldeten 
M agistratsm i tgliedes.
Oberbürgermeister Kaiser: S eh r geehrter H err
Kollege! I h r e  W ahl zum besoldeten M itgliede des 
M ag istra ts  bildet einen wohlverdienten Abschluß I h re r  
bisherigen ehrenamtlichen Tätigkeit. W er wie ich G e­
legenheit gehabt hat, durch die J a h re  hindurch Ih re  
Tätigkeit als S tad tvero rdneter und als S ta d tra t zu 
beobachten, der w ird  a ls  gerechter und sachlicher Richter 
Ih n e n  das Urteil nicht versagen können, daß  bisher 
I h r  Leitmotiv gewesen ist, die wirtschaftlichen, geistigen 
und kulturellen Interessen der Arbeiterschaft Neuköllns 
nach jeder Richtung hin zu heben. S ie  find dazu aus- 
ersehen, auch in Zukunft das Dezernat der A rbeiter­
angelegenheiten zu führen, und ich bin davon ü b e r­
zeugt, daß in keinen treueren Händen das Dezernat 
aufbew ahrt fein w ird  als in den Ih rig en . Ich  wünsche 
Ih n e n  nam ens des M agistrats fü r I h re  zukünftige 
Tätigkeit vollen Erfolg und überreiche Ih n e n  nam ens 
der R egierung I h re  Bestätigung als S ta d tra t und ver­
pflichte S ie  gleichzeitig durch Handschlag auf I h r  neues 
Amt.
Vorsteher: S eh r verehrter H err S tad tra t!  Auch 
ich heiße S ie  nam ens der S tadtverordnetenversam m ­
lung in Ih re m  neuen A m t herzlich willkommen. S ie  
haben durch I h re  jahrzehntelange Tätigkeit bewiesen, 
daß S ie  wissen, in welchem S in n e  S ie  K om m unal­
politik treiben wollen, und die Zeit hat bewiesen, daß 
S ie  auch gute Erfolge auf diesem Gebiete erzielt haben. 
E s w äre  überflüssig, heute noch viele W orte darüber
zu verlieren, wie S ie  I h r  neues Am t ausführen 
werden. Die S tadtverordnetenversam m lung darf 
jedenfalls nach dem, w as S ie  bisher geleistet haben, 
das Z utrauen  haben, daß S ie  I h r  neues Amt mit der 
bisherigen Energie und dem Pflichtgefühl ausüben 
werden, wie S ie  die bisherigen Äm ter ausgefüllt 
haben. I n  diesem S in n e  heiße ich S ie  herzlich w ill­
kommen.
S ta d tra t W uhky: S eh r geehrter H err Ober­
bürgermeister! F ü r  die liebensw ürdigen, anerkennen­
den W orte* die S ie  m ir soeben zollten, sage ich meinen 
herzlichen Dank. Ich  glaube nichts anderes tun zu 
können, als demgegenüber zu versichern, daß sie m ir 
ein A nsporn fein werden, in dem S in n e , wie ich es 
b isher gewohnt w ar, weiter zu arbeiten, in der Hoff­
nung, daß es im Interesse der S ta d t Neukölln sein 
w ird. Und auch den geehrten Dam en und H erren der 
S tadtverordnetenversam m lung glaube ich meinen Dank 
schuldig zu sein. Ich bin m ir durchaus bewußt, welche 
schweren Aufgaben m ir zufallen in der V erw altung 
gerade dieses A m tes, des neu geschaffenen W ohlfahrts­
am tes. Ich bin aber davon überzeugt, wenn ich Ih re  
freundliche Unterstützung in jeder Beziehung bekomme, 
daß ich zu meinem Teil dazu beitragen kann, dieses 
Am t zu dem zu machen, w as S ie  sich alle davon 
Lenken. Ich  sage nochmals meinen Dank und hoffe, 
daß ich im S in n e  der Ideen , die m aßgebend w aren bei 
m einer W ahl, zu wirken in der Lage sein werde. An 
Lust und Liebe zur A rbeit und an T rieb  dazu soll es 
meinerseits gewiß nicht fehlen. (B ravo!)
Vorsteher: W ir kommen zu P unk t 3: Verm ietung 
von R äum en im Hause Hermannplatz 6 und B erliner 
S tra ß e  107.
Wünscht zu der Vorlage jemand das W ort?  D as 
ist nicht der F all. D ann  ist die V orlage angenommen.
D ann P unk t 4: A bänderung der Vorschriften über 
die G ew ährung von Reisekosten und Tagegeldern.
Der Rechnungsausschuß empfiehlt Ih n en , die V or­
lage nochmals zurückzuverweisen, und er hat zu diesem 
Zweck einen Unterausschuß eingesetzt. Infolgedessen 
dürfte es sich empfehlen, den P unkt heute abzusetzen. 
Ich höre keinen Widerspruch, dann ist so beschlossen.
W ir kommen zu P unkt 5: Bevollmächtigung von 
Beam ten zur Zeichnung von Kassenanweisungen.
S tad tvero rdneter F reund  (U .S . P .) : S ow eit bei 
diesem P unkt 5 der T agesordnung vom M agistrat 
bean trag t w ird, auch dem Direktor des A rm enam res, 
H errn  Kürske, die B efugnis zur Zeichnung einzu­
räum en, w ird meine Fraktion dagegen stimmen. Ich 
bemerke vorweg, daß gegen die Person des H errn  
Kürske nicht das Geringste vorliegt. (Rufe: N a also!) 
W ir wollen uns nicht m it dem Menschen und m it dem 
Oberstadtsekretär Kürske befassen, sondern lediglich mit 
dem vom M agistrat als Direktor des A rm enam tes 
gewählten H errn Kürske.
I m  J u li  hat eine gemeinsame Sitzung des W ahl­
ausschusses und des M agistrats stattgefunden, und fast 
alle dabei beteiligten S tad tverordneten  und auch wohl 
ein Teil der M agistratsm itglieder haben in  dieser 
Sitzung einem H errn  die S tim m e gegeben, der zw ar 
nicht Neuköllner B eam ter ist, der aber zum Direktor 
des A rm enam tes ausgezeichnet befähigt w ar. V on 
vornherein hat H err Oberstadtsekretär Kürske für das 
A m t in engener W ahl gestanden, und man m uß a n ­
erkennen, er hat auf den Gebieten, die er bisher bear­
beitet hat, G utes geleistet. Aber wie das Bessere 
immer der Feind des G uten ist, so hat sich auch hier 
ein M ann  gesunden, der nach seinem sozialen Em pfin­
den, nach seinem V erständnis fü r die Bedürfnisse derer, 
mit denen er als A rm enam tsvorsteher zu verhandeln 
hätte, all diesem nach als der Geeignetere der großen 
M ehrheit der Kommissionsmitglieder erschien, und nu r
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