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1598.
Ein kurfürstliches Testament.
Früh Morgens 8 Uhr starb am 8. Januar 1598 Kurfürst Johann
George, dem die Geschichtschreiber der Mark den Namen Oeconomus
beilegen, im Schlosse zu Berlin. =- Schon im December 1597 hatte
Johann George, damals 72 Jahre alt, das Herannahen des Todes
gefühlt und seine Kinder, die fast alle abwesend waren, nach Berlin
beschieden ; auch nach Dänemark, wo sich dex Kurprinz Joachim Frie-
drich/ Erzbischof von Magdeburg, befand, war ein Eilbote gesendet
worden, und das Volk sah dem Eintreffen seines künftigen Landesherrn
in Berlin mit um so gespanuterer Erwartung entgegen, als Kurfürst
Johann George seit zwei Jahren mit dem Kurprinzen zerfallen wary/
seit dieser Zeit auch keine Annäherung zwischen Beiden stattgefun-
den hatte. |
Die Ursache dieses Zerwürfnisses zwischen Vater und Sohn war
die Absicht des Kurfürsten, dem ältesten Sohne seiner dritten Gemah-
lin Elisabeth, gebornen Prinzessin von Anhalt, dem Markgrafen Chri-
stian, die ganze Neumark in demselben Umfange zuwenden zu wollen/
wie Markgraf Johann zuvor sie besessen. Zu diesem Umfange der Neu-
mark gehörten auch Crossen und Cottbus als ein besonderes Für
stenthum.
Dex Kurprinz Joachim Friedrich war theils durch seine Würde
als Erzbischof von Magdeburg, theils durch die dritte Heirath seines
Vaters dem älterlichen Hause entfremdet worden; denn die Kurfürstin
Elisabeth war 38 Jahre jünger als der Kurfürst Johann George/
und 17 Jahre jünger als ihr ältester Stiefsohn, Kurprinz Joachim
Friedrich. Sie war 14 Jahr alt, als der 52jährige Kurfürst sich mit
ihr verband/ und gebar ihm elf Kinder, die alle elf lebten, als
Joachim Friedrich zur Regierung gelangte. Ueberhaupt hatte Johann
George in drei Ehen nicht weniger als zwei und zwanzig Kinder