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Periodical volume 5. September 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

d afü r  zu haben  sind, A u sg ab en  zu bewilligen. (S e h r  
gut!) E s  m ü ß ten  sich doch logischerweise die H e r r ­
schaften e in m al sagen: w enn  w ir  es strikte ablehnen, 
dem jetzigen kapitalistischen S ta a t e  und Len S t a d t ­
v e rw a l tu n g en  irgend einen P fe n n ig  an  E in n a h m e n  
zu bewilligen, so kann m a n  auch a u s  dem leeren B eu te l  
nichts fü r  irgendwelche Zwecke herau sn ehm en . D a s  
nebenbei.
Bezüglich der Sätze selbst kann ich im N a m e n  der 
demokratischen F rak t ion  n u r  erklären, d aß  w ir  auf 
dem  S ta n d p u n k t  stehen, d aß  die G em einde Neukölln 
nicht in  der L age  ist, dst Sache allein zu lösen, son­
de rn  d aß  diese A usgabe unbedingt dem V erbände  
G ro ß -B e r l in  überwiesen w erden  m uß.
S ta d tv e ro rd n e te r  T h u ro w  ( S .  P .  D .): A u s ­
gehend von dem Grundsatz, daß  Arbeitslosen n u r  da n n  
genügend  Unterstützung gegeben w erden  kann, w enn  
ihnen A rbe it  verm itte lt  w ird , haben m ir  im m er  dahin  
gearbeitet ,  daß  A rbe it  beschafft w erden  soll. W ir  haben 
den d r ing end en  A n tra g  gestellt, die V o ra rb e i ten  nun  
endlich zu treffen, d am it die Arbeitslosen A rbe it  be­
kommen, u nd  es ist zu begrüßen, nach dem, w a s  H err  
S t ä d t r a t  L in dn cr  gesagt hat,  da ß  Neukölln sozusagen 
die V eranlassung gegeben hat,  d aß  eingehende V o r ­
a rbe i ten  getroffen w erden , und nicht n u r  fü r Neukölln, 
sondern für gang G ro ß -B e r l in ,  weil w i r  u n s  sagten, 
d a s  kann nicht von Neukölln allein geregelt w erden , 
sondern von G ro ß -B e r l in ,  und infolgedessen ist auch 
seinerzeit der A n t r a g  gestellt w orden . W e n »  auch 
B e r l in  nicht wollte, so haben  w ir  im m e r  v o rw ä r t s  
ged räng t ,  und  w ir  sagen auch heute, d aß  u n s  in ge­
wisser Beziehung der A n t r a g  nicht weit genug  geht. 
W a s  heißt „eine e inm alige  Unterstützung an  die A r ­
beits losen"? W a s  bedeutet fü r  diese eine einmalige 
M ie tsun te rs tü tzung?  E s  kommt die weitere F ra g e :  
W ellen  w i r  die I n v a l id e n  und  P ens io n ä re ,  die heute 
jo erbärmlich dastehen, dabei ausschließen? .U nd müssen 
w ir  nicht weiter  sagen: J a ,  w e n n  w ir  eine einmalige 
Unterstützung geben, dam it ist nichts getan, sondern 
w i r  müssen die V orbere i tungen  treffen, um den A r ­
beitslosen gründlich und  lausend zu helfen. (S e h r  
richtig!) G e n a u  so wie für die A ngehörigen  der E i n ­
gezogene» w äh ren d  des K rieges die Beihilfen lau fend  
gezahlt w orden  sind, genau  so m u ß  hier gearbeite t 
w erden , denn w i r  sagen u n s  offen, daß  diejenigen, die 
eingezogen gewesen u n d  jetzt a rb e i ts lo s  sind, u n te r  viel 
schwierigeren Verhältnissen leben a ls  früher, w eil die 
F r a u  früher in der L age w a r ,  noch e tw a s  zuzuver­
dienen. Die K riegs te ilnehm er stehen heute schlechter da, 
a ls  die F r a u  w ä h re n d  des K rieges  dagestanden hat.  
(S e h r  richtig!) D aher  kann von einer e inm aligen  
Unterstützung keine Rede fein, und  w i r  sind u n s  in der 
F ra k t io n  einig, daß w ir  diese F ra g e  von ganz an d e ren  
Gesichtspunkten zu betrachten h aben ,  daß  also diese 
F r a g e  von G ro ß -B e r l in  a u s  geregelt w erden  muß. 
Ich  habe g a r  nicht gew ußt,  d aß  Neukölln Zuschüsse be­
kommt u n d  Neukölln infolgedessen üb e r '  das, w a s  es 
jetzt tat, nicht h in a u sg eh en  kann. A ber trotzdem w a re n  
w ir  u n s  klar, d a ß  e s  n u r  von G ro ß -B e r l in  geregelt 
w erd en  kann. Die Hilfe einzelner G em einden  ist ja 
nicht so, wie sie sein müßte. Einzelne G em einden  haben  
F o n d s  geschaffen, a u s  denen von F a l l  zu F a l l  der u n d  
jener unterstützt w ird . D a s  lehnen w ir  ab, dem E inze l­
nen im m er  w ieder anheim zu geben, sich vorzustellen. 
W e n n  H err  S t a d t r a t  L ind ner  erklärt hat,  daß  er 
leider nicht die nötige Unterstützung bei der Reichs­
reg ie rung  gefunden hat, so ist d as  n u n  kein G ru n d ,  
einfach nichts zu un te rnehm en . Nein , nach m einer  A n ­
sicht m u ß  n u n  erst recht doppelt energisch vorgegangen  
w erden, e s  m u ß  den zuständigen S te l len  gesagt w erden : 
H ö r t  m a l ,  die S ache  ist so u n d  so, hier m u ß  gepfiffen 
w erden ,  und gen au  so, wie w ie  seinerzeit die A rbe its -
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lofenunterstützung für G roß-B erl in : geregelt haben, 
trotzdem w i r  größere  W iderstände  zu  brechen hatten, 
namentlich in B er l in ,  genau  so m u ß  es auch hier ge­
lingen. Die Schwierigkeiten können beseitigt werden, 
und  ich stelle den A n tra g ,  daß  diese F ra g e  den zu­
ständigen S te l len  un te rb re i te t  w ird . N ach den A u s ­
führun gen  des H errn  S t a d t r a t  L in dn er  bleibt u n s  auch 
, w eiter  nichts übrig, w eil Neukölln Zuschüsse bekommt, 
die von anderen  G em einden ausgebracht w erden. 
E s  müssen ab e r  sofort die nötigen Schri tte  fü r eine 
einheitliche R ege lung  u n te rn o m m en  w erden . Ich  bin 
n ie m a ls  ein F re u n d  davon  gewesen, d aß  solche Sachen 
örtlich geregelt w erden , sondern allgemein u n d  g ru n d ­
sätzlich. I c h  bitte also, den A n t r a g  anzunehm en, d a ß  
sich der M a g is t r a t  schleunigst über  M it te l  und  W ege 
schlüssig w i rd  und  d a s  N ötige  v e ran laß t ,  dam it  diese 
F r a g e  einheitlich für G ro ß -B e r l in  geregelt wird .
V orsteher: Weitere  W o rtm e ld un gen  liegen nicht 
vor. W ir  kommen zur A bstim m ung . E s  ist der A b ­
ä n d e ru n g s a n t r a g  gestellt w orden ,  die A n träg e  dem 
H auptausschuß  G ro ß -B e r l in  zu r  Berücksichtigung zu 
überweisen. W e r  für  diesen A n t r a g  ist, den ersuche ich, 
die H a n d  zu erheben. (Z u ru f  R adtke: Unser A n t ra g  
ist weiter gehend!)
S ta d tv e ro rd n e te r  T h u ro w  ( S .  P .  D .): W e n n  von 
H errn  Radtke gerufen w ird :  Unser A n t r a g  ist w eite r­
gehend! —  so m u ß  ich d a s  bestreiten. Ich  h ab e  a u s ­
geführt, w i r  sind fü r  eine lau fende  Unterstützung und 
ich will  diese durchsetzen. (S e h r  richtig!) Infolgedessen 
halte ich die F o r m  der A bstim m ung  des H e rrn  V o r ­
stehers f ü r  die richtige, denn w ir  w ü rd e n  u n s  ja sonst 
den W eg  ve rram m eln .  (Z u ru fe :  Verschleppung! G roß e  
Unruhe.)  Solche Unterstellungen rü h ren  mich nicht.
V orsteher: E s  ist in  allen P a r l a m e n te n  so üblich: 
w enn  ein A n t r a g  gestellt w ird  au f  A usschüßberatnng, 
so w ird  über diesen A n t r a g  abgestimmt.
S ta d tv e ro rd n e te r  T h u ro w  (S .  P .  D .): A ußerdem  
h a t  H err  S t a d t r a t  L ind ner  ex tra  a u sg e fü h r t :  W ir  
können diesen A n t r a g  nicht so durchführen, w eil N e u ­
kölln Zuschüsse bekommt. Die Hindernisse müssen b e ­
seitigt w erden , sonst tun  w ir  unseren  E rw erb s lo sen  
wirklich keinen Gefallen. W ir  verh indern  im Gegenteil, 
daß  sie üb e rh au p t  e tw a s  bekommen. (S e h r  richtig! 
Widerspruch.)
S ta d tv e ro rd n e te r  R adtke (U. S .  P . ) : D a  sind w ir  
an d e re r  M e in u n g .  E s  ist übe r  den weitgehendsten 
A n tra g  zuerst abzustimmen, und d a s  ist der, de r  fü r  
die Arbeitslosen M it te l  herbeiführen will. W ir  sin­
der Auffassung, daß  die Überweisung an  eine K o m ­
mission n u r  ein  B e g rä b n is  zw eite r  Klaffe ist (sehr 
richtig!), weil w i r  genau  wissen, w ie  im  Reiche die 
S t i m m u n g  ist, und  daß, w enn  die Sache in einer 
Kommission v erhande l t  w ird , dabei ü b e rh a u p t  nichts 
herauskom m t. G a n z  w a s  a n d e re s  ist es ab e r ,  w e n n  die 
K om m un en ,  w o in den S iad tv e ro rd n e ten o e rsam m lu n -  
i cen  solche A n trä g e  ang eno m m en  w erden, an  d a s  Reich 
heran tre ten .  D a n n  ist die B e h a n d lu n g  eine ganz 
andere , a l s  w ie  sie hier von H e rrn  T h u ro w  b e a n t r a g t  
wird.
V orsteher: D a s  scheint m i r  geschästsordnungs-
m äß ig  e in  I r r t u m  zu sein. E s  hande lt  sich da rum , 
einen A n t r a g  dem H auptausschuß  G ro ß -B e r l in s  zur 
Berücksichtigung zu überweisen. D a s  ist d a s  W eite r ­
gehende. A ber  ich lasse d a rü b e r  abstimmen, w a s  das 
W eitergehende ist. W e r  dafü r  ist, d a ß  zunächst über 
den A n t r a g  au f  A usschußbera tung  abgestimmt wird , 
den  bitte  ich, eine H an d  zu erheben. —  D a s  ist die 
M ehrhe it .  —  W e r  dan n  d a fü r  ist, daß  der A n t r a g  dem 
G ro tz -B er liner  H auptausschuß  zu r  Berücksichtigung 
überwiesen w ird , den bitte ich, eine H a n d  zu erheben. 
—  D a s  ist auch die M ehrhe it .  A ng eno m m en .  (Z u ru f :
        
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