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Periodical volume 21. März 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

Wicht, die Hand zu bieten, aber sie ist zurückgestoßen 
Worden. (Widerspruch und Rufe: Zentrum!) Arbeit 
ist notwendig. Es handelt sich um das Wohl der 
"euföllner Bevölkerung. (Lebhafter Beifall und 
iderspruch.)
Stadtv. Tleumann (S . P . D.): Ich möchte nur eine 
atsache richtig stellen. Unser Parteifreund Heitmann 
at uns in der Sitzung nur mitgeteilt, w as an dem 
age vorgekommen sei, daß der Depotführer Schulz 
selber geplündert hätte, und daß aus sein Anraten die 
itglieder der Republikanischen Soldatenwehr geplündert j 
tten. Es ist nicht wahr, daß auf Veranlassung unserer 
artet die Truppen in Neukölln eingerückt sind Herr 
ievers ist von einem Spitzel belogen worden. W ir 
nd an dem bett. Tage mit den Unabhängigen über- 
ngekommen, eine Sicherheitswehr zu bilden, die 
nabhängigen sind dann aber von ihrem eigenen Vor­
lag zurückgetreten, und abends ging dann die 
chießerei los.
Sfabto. A braham  (Kommunale Partei): Wer, wie 
abseits von jeder politischen Partei steht, für den 
samt es nicht gerade angenehm sein, unfreiwilliger Zu- 
örer parteipolitischer Kämpfe sein zu müssen. Wohl 
ar nach dem Eintritt der Unabhängigen zu erwarten, 
aß nach dem Muster in der Nationalversammlung 
lecht bald mit einer kräftigen Aussprache zwischen den 
nabhängigen und ihren ärgsten Gegnern, den Mehr- 
eitssoztalisten, folgen würde. Daß aber der heutige 
ag dazu ausersehen sein würde, konnte keiner von 
ns erwarten. (Heiterkeit und Sehr richtig!) Die Nicht- 
ereidigung der Mitglieder ist eine Verletzung der ge­
sichert Vorschriften, und nachdem Herr Radtke erklärt 
at, man würde treu und gewissenhaft die Geschäfte 
ihren, konnte man nicht erwarten, daß die kostbare 
eit der Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung 
r diese Dinge in so umfangreicher Weise in Anspruch 
enommen würde, und die Würde des ersten Tages, 
uf den wir stolz sein müssen, in der Weise entweiht 
erden würde, wie es der Fall gewesen ist. I n  den 
U 9  Jahren, die ich zur Stadtv.-Vers. gehöre, habe ich 
icht einmal eine derartige Erörterung mit anhören 
üssen. Persönlich haben wir die Würde immer ge­
ährt, und am wenigsten w ar es angebracht, denAn- 
ag so herabzuwürdigen. Es muß jeden Bürger Neu- 
Uns mit Trauer erfüllen, daß sich, solche Vorgänge 
ier in Neukölln abgespielt haben, aber sie hätten der 
ache mehr gedient, wenn Herr Sievers mehr sachlich 
eblieben wäre. Jeder rechtlich denkende Mensch muß 
is unangenehm empfinden, in diesem Hause zu sitzen, 
err Justizminister Landsberg hat in der Nat.-Vers. 
esagt, er wünsche für sein Volk nur zwei Sachen: 
reude am Leben und M ut. Ich möchte diesen beiden 
ünschen des Reichsjustizministers für unser Stabt- 
arlament noch einen Sonderwunsch hinzufügen: Freude 
in der Arbeit. Von einer Arbeitsfreudigkeit kann aber 
nur dann die Rede sein, wenn wir alle ohne Unter­
schied und als gleichwertige Mitglieder eines gemein­
men Ganzen uns betrachten und unsere Verhand- 
ngen in einem Tone führen, die keinen von uns auch 
u r einen Augenblick die Achtung vor dem Gegner 
nd damit die Achtung vor sich selbst vergessen läßt. 
enn Sie mir diese Bitte erfüllen, dann werden Sie 
hre Pflicht gegenüber Ih ren  W ählern auch erfüllen, 
die Geschäfte fördern und damit das Wohl der Ge­
meinde. (Sehr richtig! Beifall!)
Vorsteher (S. P . D.): Wortmeldungen liegen nicht 
ehr vor. Die Debatte ist geschlossen. Der Magistrat 
at sich bereit erklärt, die Anträge des Herrn Sievers 
r Kenntnis zu nehmen.
Oberbürgermeister Kaiser: Ich muß bitten, daß 
ie Stadtv.-Vers. als solche zu den Anträgen Stellung 
immt.
Vorsteher (S . P . D.): Das ist nach der Geschäfts- 
bnung nicht möglich. Ich glaube, die Angelegenheit 
ürfte am besten dadurch erledigt sein, daß Herr Sievers 
'ine Anträge dem M agistrat überweist.
W ir kommen zum nächsten Punkt:
(Hier bricht das Stenogram m  ab.)
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