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Periodical volume 27. Juni 1919

Full text: Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln Issue 1919

w ürde ich es fü r zweckmäßig halten , den  B e ira t so zu 
w äh len  w ie vorgeschlagen.
Vorsteher: E s  w ird  der Vorschlag gemacht, die 
Sache heute zunächst so anzunehm en u n d  nach einem  
V ie rte ljah r die S ache nochm als dah in  zu  p rü fen . Ich  
glaube, d as t r ä g t  wesentlich z u r  A bkürzung  der Sache 
bei. Ic h  nehm e an , d a ß  die ü b rigen  H erren , die sich 
zum  W o rt gem eldet Haben, n u n  verzichten u nd  w ir  v o r­
läu fig  so beschließen. Ic h  hö re  keinen W iderspruch. 
D a n n  ist die V orlage  v o rläu fig  gen eh m ig t un d  w ir 
tre ten  nach B ed arf in e ine  R evision der V orlage  ein. 
Z unächst sind vorgeschlagen w orden  von d e r S ta d t ­
vero rdne tenversam m lung  noch a ls  M itg lied e r von der 
u n ab h än g ig en  F ra k tio n  H err H arnisch, von der B ü r ­
gerlichen V ere in ig u n g  H err T re ffe rt und von d e r sozial­
dem okratischen F ra k tio n  die H erren  D r. K laeger Und 
B a rsan ti. E s  ist so beschlossen.
W ir  kom m en zu P u n k t 3 : W a h l der M itg lied e r 
des K u ra to r iu m s  fü r die staatliche B augew erkschule.
D a s  K u ra to r iu m  ist d a m a ls  bei der Z u sam m en ­
setzung der D ep u ta tio n  neu  gew äh lt w orden . E s  ist 
dabei übersehen w orden , ein M ag is tra tsm itg lied  in  die 
D ep u ta tio n  h ine inzuw äh len . D ie M itg lied e r d e r S ta d t ­
v ero rd n e ten v e rsam m lu n g  bestehen a u s  den H erren  
W olfs, A dam eit u n d  E n te r .  E s  h a t  dem zufolge noch 
der M a g is tra t ein M itg lied  zu bestim m en, u n d  ich 
möchte b itten , einen Vorschlag zu machen. (Z u ru f  
B ü rgerm eiste r D r. M a n n :  D a s  kann ich im  M o m en t 
nicht sagen!) D an n  stellen w ir  d a s  zurück.
D a n n  kom m t P u n k t 4: E rh ö h u n g  des K rieg s­
kredits 54 fü r  die U n te rb rin g u n g  v o n  K indern  au f dem 
L an d e  um  175 000 M .
W ünscht d azu  jem and  d a s  W o rt?  D a s  ist nicht der 
F a ll. D ie S tad tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  ist d am it e in ­
verstanden.
W ir  kom m en zu P u n k t 5: D esgleichen des K riegs- 
kredits 56 fü r die U n te rb rin g u n g  von K in d ern  in E r ­
ho lungsstä tten  um  30 000 M .
W enn  ich keinen W iderspruch höre, d an n  nehm e 
ich a n , daß  die S ta d tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  auch 
d am it e inverstanden  ist. E s  ist so beschlossen.
D a n n  P u n k t 6: Festsetzung n euer F luch tlin ien  fü r 
d a s  G elände zwischen dem U nterhosen, der Köllnischen 
A llee u n d  der G renzallee.
W ortm e ld u n g en  liegen n ich t vo r, ich nehm e an , daß  
d ie S tad tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  dam it e inverstanden  
ist. E s  ist so beschlossen.
D a n n  P u n k t 7: A n tra g  der S ta d tv e ro rd n e te n  
R o ß  und Genossen, betreffend die A uflösung  des kom­
m u n a len  A rb e ite rra ts  in  N eukölln.
S ta d tv e ro rd n e te r  Quäck (D t.-dem . P . ) : D ie T r i ­
bü n en  find gefüllt und  e s  w ird  anscheinend eine hoch- 
‘  politische D ebatte  e rw arte t. M ein e  F ra k tio n  h a t  aber 
durchaus nicht die Absicht, eine politische D ebatte  über 
diesen A n tra g  heraufzubeschw ören. W ir w ollen  u n s  
a u f  den B oden  der nackten Tatsachen stellen und u n s  
klar w erden , w ie nach dem  Beschluß d es M in is te rs  
unsere S ta d tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  sich zu  d e r E n t­
scheidung stellt, d aß  jede S tad tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  
n u n m eh r selbst d a rü b er befinden soll, ob d e r A rb e ite r- 
ra t  w eiter seine F u nk tionen  a u sü b e n  soll oder nicht.
Jckp gebe ohne w e ite re s  zu, d aß  im  Zeichen der 
R ev o lu tio n  solche A rb e ite rrä te  no tw end ig  w a re n , um  
die früheren  G ew alten  zu kontro llieren . (R ufe: N a  
also!) W ir  sind heu te  e inen S ch ritt w eiter, w ir  Haben 
heute eine demokratische S ta d tv e rw a ltu n g , die nach 
einem  demokratischen W ahlrecht gew äh lt ist, und w ir 
haben  w e ite r eine in  der M eh rh e it sozialistische S ta d t ­
vero rdne tenversam m lung , die die M öglichkeit h a t, nach 
jeder R ichtung hin die K on tro lle  ü b e r den M a g is tra t 
auszuüben  und die T ätigkeit der städtischen V erw al-
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tu n g so rg a n e  zu  überw achen. N ebenher soll n u n  a b e r 
noch der A rb e ite rra t bestehen, gew isserm aßen a l s  eine 
K ontrolle d e r K ontrolle. (S e h r  richtig!) E s  bedeutet 
ein gewisses A rm u tszeu g n is , w e n n  die nach dem  dem o­
kratischsten W ahlrech t der W elt gew ählte  S ta d tv e r ­
o rdne ten v ersam m lu n g  nochm als von  e in e r an d eren  
S te lle  kontro lliert w erden  soll. (B rav o ! S e h r  richtig! 
Z u ru fe  von der G alerie , U nruhe.)
Vorsteher: Ich  ersuche die G ale rie , sich jeder M i t­
w irkung  zu en thalten . S ie  w erden soviel p a r la m e n ­
tarische S ch u lu n g  besitzen, d aß  S ie  wissen, d aß  d a s  in 
keinem P a r la m e n t  üblich ist. (R ufe: N euzeitlich!)
R ed n er (fo rtfah ren d ): Ich  w ollte  sagen, es w äre  
ein A rm u tszeu g n is , w enn  w ir  nicht selbst d ie  K ontrolle 
übernehm en  könnten, sondern diese K ontro lle  v on  einer 
zw eiten  S te lle  a u sü b en  lassen m üßten , zum al e s  zw ei­
fellos ist, d aß  diese zw eite S te lle  nicht rechtskräftig  
u n d  nicht rechtm äßig g ew äh lt ist, vo r a llen  D ingen  nicht 
alle arb e iten d en  Schichten der S ta d t  N eukölln  v ertritt. 
D eshalb  müssen w ir  u n s  frag en : I s t  es no tw end ig , 
d aß  diese K örperschaft noch w e ite r besteht, besonders, 
w enn  w ir  u n s  überlegen, d aß  die A u fw en d u n g  von 
Kosten fü r  diese S te lle  nicht gering  ist; die K osten be­
tra g e n  p ro  Woche 1700 M ., und  d a s  ist eine A usgabe , 
die w ir  u n s  bei den  tra u rig e n  G eldverhältn issen  nicht 
leisten können. D eshalb  b itten  w ir  S ie ,  unserem  A n ­
tra g e  R echnung zu  tra g e n  u n d  auch den M ag is tra t 
b itten  w ir, sich unserem  A n tta g e  anzuschließen.
S ta d tv e ro rd n e te r  Heitmann (S .  P .  D .) : Ic h  halte 
mich direkt a n  den gestellten A n tra g , der la u te t: Die 
S tad tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  beschließt die A uflösung 
des kom m unalen A rb e ite rra ts  in N eukölln  u nd  ersucht 
den M ag is tra t, diesem Beschlusse beizutreteni.
I m  N am en  m ein e r F ra k tio n  habe  ich dazu fo l­
gende E rk lä ru n g  abzugeben: D ie F ra k tio n  ist der A n ­
sicht, d aß  die S ta d tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  nicht d a s  
Recht h a t, eine K o rp o ra tio n , die sich in n e rh a lb  der 
S tad tg em e in d e  gebildet h a t, auszulösen. W ir  w erden 
deshalb  gegen den A n tra g  R o ß  u n d  Genossen -stimmen. 
(B rav o !)
S ta d tv e ro rd n e te r  Radtke (U. S .  P .) :  M eine  D a ­
m en u n d  H erren ! D as , w a s  w ir  Heute v o r u n s  habeil. 
sollte u n s  eigentlich schon frü h e r beschieden sein. A m  
i 30. M a i verkündete die O rtspresse, d aß  a ls  v ierter 
A n tra g  der eben verlesene in  der S ta d tv e ro rd n e te n ­
v ersam m lung  eingebracht w erd en  sollte. W ir  w u n ­
derten  u n s  sehr, d a ß  d as nicht geschah u n d  sahen d a rin  
eitle taktische M a ß n a h m e  der demokratischen F ra k tio n . 
M eine  D am en  u n d  H erren ! W e n n  ich jem als  den  A n ­
tra g  e rw a rte t Hätte, so nicht in  N eukölln, u n d  d a n n  in s ­
besondere nicht von  der demokratischen P a r te i ,  deren 
A ngehörige  heute noch im  A rb e ite rra t G ro ß -B e rlin  
aktiv  tä t ig  sind. (S e h r  richtig!) E s  g ib t w oh l kaum  
eine In s ti tu tio n , die soviel F re u n d e  u nd  auch soviel 
F e inde  h a t  w ie  die A rb e ite rrä te . E in  T e il der B e ­
völkerung g laubt, daß  sie den A ufb au  e iner n euen  G e ­
sellschafts- und  W irtscha ftso rdnung  herbeiführen  w e r­
den  (sehr richtig!), u nd  m a n  ist sogar der Ansicht, daß  
ü b e rh a u p t n u r  über d ie  A rb e ite rrä te  h inw eg  eine 
E in ig u n g  des P ro le ta r ia ts  möglich ist, und  daß  die 
A rb e ite rrä te  au f ganz  an d eren  B o d en  gestellt w erden 
müssen. W ä h re n d  andere  T eile  d e r  B evölkerung  sie a l s  
e inen A u sflu ß  d e s  B olschew ism us betrachten, a ls  ein 
M itte l, w elches geeignet ist, D eutschland vo llends z u ­
g ru n d e  zu richten. D a s  sind so die G rundgedanken . 
U m  w a s  h an d e lt es sich h ie r?
H e rr Quäck h a t gesagt, d aß  die ungeheu ren  Kosten, 
die er verschlingt, nicht im  E in k lan g  ständen  zu dem 
N utzen, u n d  d a ß  v o r allen D ingen  die E in rich tu n g  
nicht m ehr nö tig  sei, nachdem w ir  in der n enge w äh lten  
i S ta d tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  ein g enügendes K on­
tro llo rg an  besähen usw. M eine  D am en  u n d  H erren!
        
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