ann sollen S ie etw as erleben in Neukölln (sehr gut!
ufe: W as denn! Zuruf: D as w erden S ie ja später
ehen!). Seien S ie nicht so neugierig H err R oß! W ir
ind jedenfalls nicht diejenigen, die Ih re Kämpfe ausführen
ollen mit M itteln der rohen G ew alt (Rufe: na na!),
ir greifen unsere Gegner nicht mit den W affen an,
it denen er uns überlegen ist und mit denen er daher
ngegriffen werden will. W ir haben auch vor Arbeiter
eben und-B lu t einen viel zu großen Respekt (sehr richtig!),
m es irgend einer reaktionären Clique in die Läufe
er Maschinengewehre hineinzujagen. W ir sind viel zu
sehr durchdrungen von dem jahrelangen Elend, das hinter
4ms liegt und verspüren keine Neigung, dieses Elend
och zu vergrößern. Ein Lügner ist, wer uns andere
otioe unterschiebt, und w er behauptet, daß w ir jem als
ewalt das W ort geredet hätten, und w er behauptet, daß
ir unsere Politik auf die G ew alt einstellen wollten. Daß
ollen vor allen Dingen die unterlassen, die in erster Linie
m m er bereit sind, alles mit G ewalt zu unterdrücken,
i W er ist denn nach dem 9. November den Soldaten hinter-
■hergelaufen, wer hat mit den Soldaten Bündnisse ge
schlossen und bei jeder Gelegenheit auf die Bajonette
der S oldaten gepocht? S ie w aren es doch. G enauso,
«vie S ie es im Dezember gewesen sind. Aber das sage
ich Ihnen , S ie gehen* mit dieser Gewaltpolitik einen Weg,
" en S ie nicht lange gehen werden. (Zuruf S tad tv . R oß:
ie!) Nicht w ir. Niemand kann uns nachreden, daß
ir für die G ewalt P ropaganda machten (Na, na!)
as tun S ie! Die Ursachen, die den jetzigen Ereignissen
ugrunde liegen, sind nicht zu suchen in der verhetzenden
ropagande unsererseits, nicht in der Lust, Spektakel
u machen oder Putschtaktik zu betreiben oder die Massen
uf die S traß e zu treiben. Der Hunger treibt sie, den
ie gezüchtigt haben durch Ih re elende Kriegspolitik (sehr
ichtig!). Die Hetze, die S ie gegen uns unternehmen,
st nichts weiter als das Schild, m it dem S ie Ih re eigenen
ünden verdecken wollen (sehr richtig! S tad tv . Roß!
,uruf! W ir hungern doch auch, nicht bloß S ie! Rufe:
lter Zuhälter!). Die G ew alt personifiziert sich heute
_ J r uns in einer Person, nähmlich in Noske (Zuruf: Noske
ist Arbeiter!). E r gehört bekanntlich Ih re r P arte i an.
identifizieren sich mit seiner Politik und S ie haben
lso keine Legitimation, über anderer Leute Gewaltpolitik
zu reden. Aber ich warne S ie . Verkennen S ie nicht
die Zeichen der Zeit. S ehen S ie sich die Massen auf
er S traß e an, wie sie mit hohlen Gesichtern und
ungernden Augen umherlaufen. E s kann einmal der
ag kommen, wo auch die beste Parteidisziplin und der
este Wille diese Massen nicht mehr in Schach halten
arm, und dann fällt die V erantw ortung auf S ie zurück.
Rufe: Generalstreik!) Aber so ist Ih r e Politik (Rufe:
urchhaltepolitik! Rufe: V erräter der Arbeiter!) Be-
enken S ie , daß m an den Massen nur helfen kann, wenn
an ihnen den Weg zeigt, den sie gehen müssen, den
eg des Sozialism us und der Weg des Sozialism us,
er kann nicht bedeckt sein mit Maschinengewehren und
eschützen, der wird geebnet durch Kulturforderungen,
urch wirklich tatkräftige Arbeit. Glauben S ie nicht, diesen
illen zum S ozialism us niederbüttein zu können, es
äre ein verhängnisvoller I r r tu m . Und ich rufe Ih n en
ls W arnung das alte W ort zu: Nehmt Euch in Acht,
denn jede Knechtschaft hat einmal ein Ende (lebhafter
eifall und Widerspruch!).
Oberbürgermeister Kaiser: M eine sehr geehrten
amen und Herren! Ich gebe ohne weiteres zu, daß
nsere Bevölkerung im allgemeinen durchaus ruhig ist
nd daß in den Tagen, wo die Erregung sich hier in
öchster Spannung steigerte, auf den S traß en das
olk sich durchaus ruhig verhalten hat und daß die
eststellungen, die der Herr Redner getroffen hat, be-
üglich der Ansammlungen vor dem Rathause durch-
us meiner Auffassung entsprechen, ich bin auch der
eberzeugung, daß, wenn nicht besonders unglückliche
reigniffe hinzugetreten w ären, diese furchtbare Schießerei
ermieden worden wäre, unter der die Bevölkerung
at leiden müssen. Aber der H err V orredner hat leider
en Tatbestand nicht ganz vollständig gegeben. E r hat
z. B . unterlassen, zu ermähnen, w as ihm doch ebenso
gut wie uns bekannt ist, daß die Zusammenziehung
der Truppen um G roß-B erlin schon längst vor A us
bruch des Generalstreiks vollzogen w ar (hört, hört!),
und daß das Regierungsm aßnahm en w aren, auf die
die S ta d t ihrerseits keinen Einfluß hatte. I n der B e
ziehung weiche ich von der Auffassung des H errn V or
redners vollständig ab. wenn er meint, daß es die
Aufgabe des M agistrats sei, militärische M aßnahm en
irgendwelcher Art zu bekritteln oder zu verhindern.
(Rufe: Noskefürsorge!) W ir haben darauf keinen Ein
fluß, denn die gesetzliche Handhabe dafür fehlt uns. —
Ich stimme dem Herrn V orredner aber wieder voll
kommen zu, daß wir sicherlich von den blutigen E r
eignissen verschont geblieben wären, wenn nicht im
letzten Augenblick die Republikanische Soldatenw ehr
aus der Schule am Hertzbergplatz ausgebrochen w äre.
D as ist meines Erachtens der Anstoß dazu gewesen,
daß nunm ehr alle Abmachungen, die zwischen Ih n en
und dem Detachement getroffen worden waren, über
den Haufen geworfen worden sind. Ich verkenne nicht,
daß der redliche Wille auf Ih re r Seite vorhanden w ar,
alles zu tun, um die furchtbaren Ereignisse fernzuhalten
und daß der A rbeiterrat Hand in Hand mit Ih n en
gearbeitet hat. Aber heute zu erklären, daß irgend
jemand von uns die V erantw ortung dafür hätte tragen
können, w as passiert w äre, nachdem die Republikanische
Soldatenw ehr uns im Stiche gelassen hatte, das kann
ich nicht zugeben. S ie wissen, daß Plünderungen ta t
sächlich stattgefunden haben. Davon hat H err S ievers
leider kein W ort gesagt. (Rufe: Erst dann, als die
Truppen hier waren!) S ie wissen doch auch, daß ein
Angriff auf das Amtsgericht erfolgte, um die Gefangenen
zu befreien. (Zuruf: H at er auch nichts davon ge
wußt!) W enn solche Tatsachen feststehen, dann noch
zu sagen, daß unsere Bevölkerung in jeder Weise ge
schützt w ar, dem verm ag ich doch nicht zu folgen.
Nachdem die R egierungstruppen eingezogen waren,
daß da die gegenseitige Erbitterung und der Haß die
schärfsten Form en angenommen hat, ist tiefbedauerlich,
und daß mancher Unschuldige den Kämpfen zum Opfer
gefallen ist, das beklagen w ir mit Ihnen . Auf der
anderen Seite müssen S ie nicht vergessen, daß in der
Nacht vom Freitag zum S onnabend doch bereits ein
ausgesprochener Kampf zwischen den Aufständischen und
den Regierungstruppen stattgefunden hat, und von dem
M om ent ab w ar jede Bem ühung, die Sache in Frieden
aus der W elt zu schaffen, über den Haufen geworfen.
Inw iew eit einzelne M agistratsm itglieder mitgewirkt
haben bei der Heranziehung der Truppen, das werden
die Herren selbst noch erklären. Ich möchte bloß
nam ens des M agistrats hier offiziell bekunden, daß
w ir irgendwelche Beschlüsse nach der Richtung nicht
gefaßt und auch nicht getätigt haben. (Zuruf: Die
spielten hinter Ih rem Rücken!) D as bitte ich doch als
eine durchaus offene Erklärung von m ir anzunehmen.
Die Forderung, die S ie heute hier stellen, die darf
ich bitten, m ir zu übermitteln. Ich nehme doch an,
daß die Herren von m ir nicht verlangen werden, daß
ich in diesem Augenblicke ohne Anhörung des M agistrats
irgendwelche Erklärung abgebe. D er M agistrat hat
den Anspruch, und darf ihn erheben, daß er sich zu
nächst mit Ih re n Forderungen befaßt, und daß ich erst
dann die entsprechende Erklärung abzugeben brauche.
Bürgermeister D r. M a n n : H err S ievers hat die
B ehauptung aufgestellt, daß unter meiner Führung die
Regierungstruppen nach Neukölln gerufen worden sind.
Ich m uß das als absolut unrichtig bezeichnen und bin
in der Lage, mit Zeugen aus seinen eigenen Fraktions
genossen zu dienen. B ei einer Besprechung, die nach
dem Einzuge der Truppen hier stattgefunden hat, hat
F rau Deuffchmann ausdrücklich erklärt, daß sie a ls fest
gestellt ansehen muß, daß der M agistrat die R egierungs
truppen nicht gerufen hat. (S tad tv . Deutschmann: Nicht
direkt gerufen!) Dam it scheidet jede M itwirkung meinerseits
aus. (Zuruf: Ich habe S ie gleich darauf aufmerksam ge
macht!) E s ist aber gesagt worden, ich hätte sie gerufen!