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Periodical volume 12. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung «ni 12. März 1919
Z iffer w ar, ha t sie in C harlo ttenburg  im  J a h re  1917 un terbreiten  w erden. D er S p ez ia lis t in unserer 
nu r 0 ,3 %  betragen. Also da zeigte sich bereits, daß F rak tio n  h ierfür ist H err Dr. Hertz; e r ist leider u n ­
w ir m it irgendeinem  Ueberschuß a n  leerstehenden wohl geworden, so daß ich eben a n  seiner S te lle  hier 
W ohnungen gar nicht zu rechnen ha tten , und dam als das W o rt ergreife.
schon m ußte der M ag is tra t eingreifen. Ic h  w ill ihm K urz möchte ich noch darauf hinweisen, d aß  die 
hier keine V orw ürfe machen, ich will sogar a n e r­ T eilung  der W ohnungen, von denen H err Kollege 
kennen, daß er jetzt verschiedene S ch ritte  getan hat, Dr. Rosenfeld m it Recht gesprochen h a t, au sfü h rb a r 
die w ir b illigen müssen, und die w enigstens zum ist. S ie  brauchen ja  n u r d a ran  zu denken, wie die 
T e il die W ohnungsno t lindern  werden. Ic h  möchte O ffiziere und T rupp en  während des K rieges e in ­
nu r eine A n tw o rt darauf haben, ob diese W ohnun­ q u artie rt w orden sind, und wie die Bürgerschaft —  
gen, von denen H err S y n d ik u s  Sem britzki sprach, wie ich überzeugt b in , ungefähr m it demselben B e ­
nicht schon sämtlich oder zum größten T e il Reflek­ hagen, m it dem hier vorher H err Kollege Dr. B r ir  das 
tan ten  haben. —  Ich  meine a ls  Z u ru f, geht das vorgetragen h a t —  diese Leute aufgenom m en hat. 
nicht? —  N e in ?  D an n  w erden w ir  also nachher Also w arum  können S ie  d a  nicht ebensogut w oh­
noch eine ausführliche A n tw o rt d a ra u f bekommen. nungslose P ro le ta r ie r  aufnehm en. E s  läß t sich d a s  
Ich  habe den Eindruck gehabt, daß die meisten W oh­ machen, wenn m an es n u r w ill.
nungen bere its  belegt sind.
E in  kleines B eispiel a u s  m einer P ra x is  mag (Z uru fe .)
Ih n e n  zeigen, w ie g roß  die N o t ist. V o r einigen 
T agen  kommt ein  junges P o rtie r-E h ep a a r zu m ir. —  G anz recht, w enn es sein m uß, werde ich es auch 
T ie  hatte a ls  P o r t ie r f ra u  eine S te llu n g  angenom ­ tu n ; S ie  müssen aber erst feststellen, ob ich einen 
men. Nachdem sic jetzt vor etwa zwei Wochen ge­ leerstehenden R au m  dazu habe; vorläufig , glaube 
heira tet hatte, w urde ih r von dem W irt gekündigt. ich, w ürde es in m einer W ohnung nicht zu machen 
E r  nahm  dann  an  ih rer S te lle  w iederum  eine a lle in­ sein. Aber H err Dr. Rosenfeld sprach ja auch gar­
stehende F ra u  in  die P o rtie rw o h n u n g , die sogar nicht von 5-Z im m er-W ohnungen und dgl., sondern 
komfortablerweise a u s  zwei R äum en bestand. D ie  von 10- und 12-Z im m er-W ohnungen, und ich meine, 
jungen Eheleute bem ühten sich nunm ehr, eine a n ­ diese W ohnungen lassen sich in  der T a t, zum al bei 
dere W ohnung zu finden. S i e  sagten, sie hätten kinderlosen Leuten, wohl aufteilen, oder es lassen 
a lles getan, sie w ären  nach dem R a th a u s  gegangen sich w enigstens einige R äum e abgeben. M ein  Nach­
—  hier ist wohl irgendeine W ohnungsanm elde- bar übrigens w ohnt bereits seit 3 J a h re n  n u r fo r­
stelle — , hätten  aber nichts gefunden und schließlich mell in  seiner W ohnung, er ist n iem als zu Hause, 
die neue P o r tie rf ra u  bestim m t, ihnen von den zwei sondern er lebt in  H olland . D a s  wäre z. B . auch 
R ä u m e n  einen abzu tre ten . E s  ist ein ganz kleiner eine W ohnung, bei der m an etw as machen könnte. 
R a u m , in  dem die zwei Leute n u n  wohnen. Aber Ich  bin überzeugt, daß es solcher W ohnungen, deren 
der W irt w ill e s  nicht, er w ill sie m it a lle r G ew alt Besitzer jetzt gerade die F lucht ergriffen haben, eine 
heraussetzen. S o  liegen die V erhältnisse, und daran  ganze R eihe gibt, und derartige W ohnungen lasten 
sehen S ie , daß es bei dem P ro le ta r ia t  e tw as anders sich aufteilen. I n  M ünchen ist, w ie m ir persönlich 
aussieht. bekannt ist, dieses System  bere its  durchgeführt, und 
E tw as  befrem det haben mich die A usführungen zw ar nicht etwa un te r der Herrschaft der U nabhängi­
des H errn  S y n d ik u s  Sembritzki dahin, daß Ziegel gen. D o rt besteht keine solche Herrschaft, sondern 
und M a te ria lie n  für W ohnungen fehlen, die in  B a u ­ vielm ehr eine K oalition sreg ierung  m it den Rechts- 
steinen ausgeführt werden sollen. D a s  ha t mich des­ sozialisten, die natürlich n u r kurze Z e it dauern 
halb befremdet, weil w ir gehört Haben, daß fü r die kann, weil solche K oalition en  m it den Rechtssozia 
Sparkasse, die b innen  kurzem einen Ersatzbau be­ listen n iem als von D au e r sein können.
kommen soll, alles vorhanden w äre. D enn  w ir 
fragten doch. ob nicht durch den B a u  der Sparkasse (.Heiterkeit —  Glocke des V orstehers.)
d ie 'fü r  den W ohnungsbau vorhandenen M a te ria lie n  
beschränkt w ürden . E s  w urde u n s  darau f von dem V orsteher Dr. Borchardt (unterbrechend): Ich
H errn  Bautechniker, der leider inzwischen weggegan­ glaube, H err Kollege, w ir  haben politische D ebatten  
gen ist, die A n tw o rt zuteil, daß teilweise h ierfür heute schon ausreichend gehabt.
andere  M a te r ia lie n  gebraucht w ürden. D a s  wissen 
w ir natürlich auch: aber im  großen und ganzen (H eiterkeit.)
werden die S te in e , Z iegel usw. doch ungefähr die­
selben sein, die m an zu W ohnbauten braucht, ebenso S ta b to . Dr. V roh  (fo rtfah ren d ): Ich  w ollte n u r 
die K ohlen und alles andere. D esh alb  m uß es erw ähnen, d aß  in  M ünchen nicht u n te r der H e rr­
einen frappieren , w enn m an hört, daß dieser B au  schaft der U nabhängigen, sondern u n te r e iner K oa­
von W ohnungen so ziemlich a u f  den S a n k t N im m er­ litionsreg ierung  d a s  gemacht w orden ist, und ich 
le in stag  vertag t werden müsse, w ährend doch die sehe nicht ein, w arum  in  C h arlo tten b u rg  nicht das 
Sparkasse je tz t'b e re its  in  A ngriff genomm en werden selbe System  angew andt w erben kann. M achen S ie  
soll. Auch hierüber N äheres zu erfahren, w äre ich erst einm al den Versuch! V o r allen D in g en  weiß 
sehr dankbar, ebenso auf meine erste F rag e , ob die ich, daß auch eine R eihe von V illen  vollkommen leer 
W ohnungen nicht schon meist belegt sind. stehen, die dazu benutzt werden können, auch vielleicht 
Also die Sache steht so. daß unbedingt noch noch schloßartige G ebäude, die h ie r vorhanden sind, 
m ehr getan w erden m uß. W ir bitten  den M ag istra t, eventuell das Schloß  selbst, d a s  zum  T e il ebenfalls 
die erforderlichen Schritte  dazu zu tun . W ir werden m it herangezogen w erden kann, da  es noch eine U n ­
aber selbst, wie w ir jetzt sehen, das N otw endige auch menge von R äu m en  hat, d ie  leerstehcn. Also nach 
in  einem A n trag  kristallisieren müssen, J>en w ir dieser R ichtung m uß noch sehr viel m ehr geschehen. 
Ih n e n  wahrscheinlich in einer der nächsten S itzungen Auch müsten B arackenbauten in  größerem  Um fange
        
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