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Periodical volume 12. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 32. März 1919
nächsten Jah re  fein, eine völlige Einheit herzustellen, durchführen lassen. E s werden einige Vorschullehrer 
trotz her Kämpfe, iw« 'gegenwärtig noch ausgefochten frei. Diese Vorschullehrer kommen an Volksschulen 
wenden. Kommen wir nicht M dieser Einheit, so sind und unterrichten dort m it ihrem höheren Gehalt, das 
Wir verloren. sie jetzt beziehen und das ihnen auch keineswegs ge­
E in M ittel, um diese Einheit herzustellen, ist die nommen werden soll. Ich sehe nicht ein, warum 
gemeinsame Volksbildung, die Einheitsschule. Diese dieser Weg nicht beschnitten werden könnte, und zwar 
Einheit des Volkes muß ausdrüM ch durch eine Schule, bald, denn die Volksfchulresorm, diese große Reform 
die alle 'besuchen müssen, in  Erscheinung treten., zur Einheitsschule hin, muß endlich einmal in die 
Nicht bloß dadurch, daß die Kinder drei Wege geleitet werden. Entweder wir bauen jetzt 
oder vier Jah re  gemeinsam unterrichtet Wer? öder wir kommen nachher ins Vergessen. Gerade die 
den —  der gemeinsame Lebensgang in der neue Entwicklung muß mit der Jugend anfangen. 
Schule muß sich aus weit mehr Jah re  er-j W ir müssen darum bestrebt sein, diese Einheit des 
strecken, wenn möglich bis zum 16. Lebens­ Volkes durch die Einheitsschule auch äußerlich zu be­
jahr. I w  dieser gemeinsamen Schule sollen alle einen werkstelligen.
vorzüglichen Unterricht erhallen, zunächst in  Deutsch, 
in Geschichte, in Rechnen, in Naturgeschichte. Auch Antragsteller Btadtv. Dr. Löwenstein: Verehrte 
die Sprachen müssen in der gemeinsamen Volksschule Anwesende! Ich möchte den Anfang des Herrn Vor­
gelehrt werden: Englisch und Französisch. S o  sollen redners umdrehen und aus meiner Erfahrung heraus 
diese Kinder eine lange Zeit ihres Äebxns zusammen­ sagen: es passiert sehr häufig, daß, wer Akademiker 
gehalten und zu Volksgenossen erzogen 'werden. Nach­ ist oder eine höhere Schule besucht hat, a priori, von 
dem sie zu VolksgenDen erzogen worden find, sollen selbst für einen reichen M ann gilt. Diese Erfahrung, 
sie dann zu Spezialisten erzogen wenden, zu S pe­ die wohl weitgehendst bei Ihnen  allen Bestätigung 
zialisten aus dem Gebiete des Gelehrtenstudiums, in­ findet, die, abgesehen von einigem Bildungs- 
dem dann diese Kinder in  die Gelehrtenvorschule Proletariat, auch wirklich richtig ist, trifft den Kern 
kommen, wenn es ihre Veranlagung und ihr Wunsch der Sache, indem nämlich die höhere Schule und vor 
ist. D ie anderen, auch hochbegabte Menschen, gehen allen Dingen die Vorschule, die ja jetzt zur D is ­
in die werktätige Bevölkerung. E s  da-rs nicht mehr kussion steht, eine Schule reicher, begüterter S tände 
sein, daß bloß einige intelligente Menschen aus der ist. D as ist besonders schlimm dann, wenn für die 
großen Zahl der Volksschüler herausgehoben und Existenz dieser höheren Schule als einer gesonderten 
dann nachher aus die höhere Schule geschickt werden, Schule der begüterten Kreise weder pädagogische Ge­
auch die befähigten Kinder sollen nachher in  das werk­ sichtspunkte noch soziale Maßnahmen irgendwie eine 
tätige Leben gehen, damit durch die Einheitsschule Berechtigung dafür aufzuweisen haben. Doch ich will 
nicht etwa der Satz stabiliert wird: die körperliche diese ganze Frage vom Standpunkte der Einheits­
Arbeit nur für die DummeN, die Halbbefähigten, und schule aus nicht betrachten, «weil dann der Rahmen 
das Gelehrtenstudium allein für die Befähigten! zu groß und die Erreichung dessen, was meinen 
Eine solche Entvölkerung der unteren Klassen von Freunden vor Augen schwebt, erschwert würde. Die 
Intelligenzen wäre für unsere zukünftige nationale Vorschulen können an  und für sich betrachtet werden, 
Entwicklung nicht gut. Auch hochbefähigte Menschen und ihre Abschaffung und sofortige Abschaffung be­
müssen nachher in die Fabriken gehen, müssen deutet nur die endliche Abschaffung eines pädagogi­
Schlosser und Tischler werden und dort das Glück des schen Mißbrauchs und einer sozialen Sünde. D as 
Lebens finden. gestatten S ie  m ir zu begründen.
Der erste Schritt zur Verwirklichung der E in­ F ü r die Existenz und die Notwendigkeit der 
heitsschule ist die Beseitiguno der Vorschule. E s ist Vorschule spricht in der Erfahrung nichts. E s gibt 
dringend erforderlich, daß die Vorschulen abgeschafft eine ganze Menge Länder in Deutschland, die nie 
Werden. Diese Frage bedarf keiner Erörterung mehr, Vorschulen gehabt haben: Oesterreich, Bayern, die 
sie ist spruchreif und muß schon zu Ostern erledigt thüringischen S taaten , Baden, Sachsen und vor allen 
werben. W ir können es nicht verstehen, daß die Kin­ Dingen auch die preußische Provinz Westfalen. S ie  
der, die jetzt zu Ostern angemeldet sind, -noch weiter alle haben nie Vorschulen besessen. Ich habe nie ge­
diese besonderen Standesschulen' besuchen sollen. Es hört, daß die Schüler, die aus diesen Schulen zu den 
wird auch keinerlei Schwierigkeiten bieten, wenn Universitäten vorbereitet worden sind, schlechter oder 
die jetzt schon in den höheren Schulen angemeldeten geringer vorbereitet gewesen wären als die Berliner 
Vorschulkinder einfach «den entsprechenden Valksschul- oder die Frankfurter oder die Hamburger, die Vor­
rektoren zugewiesen und in  die Volksschule eingeschult schulen haben. Außerdem, um mit den Autoritäten 
werden. Gewiß werden hierdurch einige Klassen der zu beginnen, sowohl die Autoritäten der 
Volksschule neu eröffnet Wenden müssen. Aber dafür Volksschule, Lehrer wie Tews, der Kieler Lehrer­
werden an  den höheren Schulen wieder genügend verein in seiner Sitzung 1914, die Hamburger 
Mafien frei. Soviel ich .unterrichtet bin, handelt es Schulsynode, alle die wissenschaftlichen Pädagogen 
sich um etwa 15 Vorschulklassen, die auf diese Weise wie Rein, ein M ann wie Bergemann, Messer gper 
eingehen, und 15 Volksschulklafien, die wieder neu Ziegler, der sonst sehr konservativ denkt: sie alle 
eröffnet werden müßten. Dann ist es nur in  der haben sich grundsätzlich gegen die Vorschule ausge­
Ordnung, wenn einige leer werdende Räume der sprochen. D as, was für die Vorschule geltend ge­
höheren-Schulen den entsprechenden Volksschulen zu­ macht wird, ist, wenn m an's genau und bei Licht 
gewiesen' und m it Volksschulklafien besetzt werden, und besieht, nichts anderes als ein Standesdünkel, den zu 
daß diese Volksschulklafien den nahegelegenen Volks­ unterstützen in unserer Zeit keine Kommune auch nur 
schulen unterstellt werden. Keineswegs wären wir einen Augenblick ein Anrecht hat.
damit einverstanden, daß die angemeldeten Schüler Aber es könnte sein, und es könnte auch in un­
noch weiter in die Vorschule gehen sollen. serer M itte jemand sein, der sich auf M aterial beruft, 
Auch aus 'dem Gebiete des Unterrichts und der das der Bremer Schulinspektor Hartnacke oder der 
Versorgung durch Lehrer würde sich der P lan  leicht. Psychologe William S te rn  gesammelt hat. Ich darf
        
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