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Periodical volume 12. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 12. März 1919
1 . a )  D e r  § 1 d e s  O r ts s ta tu ts  betr. ibie Verpflich­ F ü r die 3. Vorschulklassen (1. Lehrjahr) 
tu n g  zum Bchuch d e r F o rtb ild u n g ssch u le  finden vom 1. April 1919 ab keine Aufnahmen 
fü r M ädchen in  C h a tlo tte n b u rg  vom  23. D e­ mehr start.
zem ber 1 9 0 9 /1 .F e b ru a r 1910 erhält folgen­ Die 2. Vorschulklassen (2. Lehrjahr) können 
den W o r tla u t : noch 1 Jah r , die 1. Vorschulklassen (3. Lehrjahr) 
A lle in E h a rlo tte n b u rg  in  einem  ge­ noch 2 Jahre aufrechterhalten bleiben, aber nur 
werblichen oder kaufmännischen B etriebe  be­ im Bedarfsfälle und unter der Bedingung, daß 
schäftigten weiblichen u n v e rh e ira te ten  P e r ­ der städtische Zuschuß zu Iben Vorschulen nicht 
sonen (A rb e ite r in n e n , weibliche L ehrlinge , den Zuschuß zu den entsprechenden Volksschul- 
Gesellen, G eh ilfen  usw .) strfb verpflichtet, ftaffen übersteigen darf. Die Mehrkosten find 
von  der B eend igung  d e r Vo'lksschulpflicht ob nur durch entsprechende Schulgelderhöhung in 
b is  zum  A b lau f (31 . M ä rz , 30. S e p tem b er)  den Vorschulklassen 2 und 1 zu decken. Die auf 
9 es S ch u lh a lb jah re s , in  'dem d a s  17. L e ­ diese Weise von der S tad t gemachten Ersparnisse 
b e n sjah r vollendet w ird , die  städtische F o r t ­ find für die Umschulung begabter unbemittelter 
bildungsschule zu besuchen, u nd  zw ar auch Volksschüler in  höhere •Schulen zu verwenden.
fü r d ie  Z e it  ih rer A rbeitslosigkeit, Zu diesen Anträgen ist noch ein dritter Antrag 
b ) D e r  1. N ach trag  z u  dem  zu a  g en an n ten  eingelaufen:
O rts s ta tu t  vom 11. N ovem ber 1916/5. 'D e ­ Zum Ostertermin 1920 werden die unter­
zem ber 1916 w ird  aufgehoben. sten Klaffen an  den städtischen höheren Lehran­
2. D ie  erforderlichen e inm aligen  Kosten von 
cH, stalten und an  der städtischen Mittelschule Char- 18 900   sowie die erforderlichen lau fe n ­ lottenbuvgs (unterste Klasse der Vorschulen für 
den K osten sind in  den H a u s h a l ts p la n  fü r  Kmben und die ihr entsprechende unterste Klasse 
1919 einzustellen.) bei Schulen für Mädchen) aufgehoben, falls der 
S ta a t für Wie von ihm unterhaltenen Schulen 
Strchtv. Dr. Luther i (persönliche B e m e rk u n g ): dieselbe Maßnahme trifft.
I c h  möchte n u r  dem Kollegen B ro h  gegenüber eine 
persönliche B em erkung  machen. E s  h a t m ir  voll­ Otto, lHeinold, 
ständ ig  fern  gelegen, die S e i te  d o r t  d rü b e n  irgend­ und mehrere Unterschriften.
wie zu p rovoz ie ren . Ic h  habe n ichts an d ere s  tu n  Ich werde nun so verfahren, -daß -ich der Reihe 
w ollen, a ls  re in  sachlich a u s  m einer W eltanschau­ nach zuerst den Antragstellern zur Begründung der 
ung h e rau s  e tw as zu sagen. drei Anträge das W ort gebe. '
Vojrstcher Dr. Bo-rchaödt. W ir kommen zu, Antragsteller Stobt». Blum : S ehr verehrte An­
P u n k t  7 der T ag e so rd n u n g : wesende! Alle Volksbildung gipfelt in  dem Ziel, zu 
Borlage betr. Lustbarkeitssteuerordnung. —  Druck­ einen und nicht zu entzweien. Sehen wir uns einmal 
sache 30. nach diesem Grundsätze die Gegenwart an! Unsere 
Volksbildung, die gesamte Volksbildung, auch wenn 
Stadtv. Otto (z u r G eschäftsordnung): I c h  be­ sie in einzelnen Kommunen ziemlich hoch steht, krankt 
a n tra g e , die V o tlag c  dem, H ausha ltsausschuß  zu, an einem Hauptübel: sie reißt unsere Schülerzahl in 
überweisen. zwei Gruppen auseinander. Auf der einen Seite stehen die Besucher der höheren Schule, u-rob auf der 
Vorsteher Dr. Borchardt: E s ist der Antrag ge­ andern S eite  stehen die Besucher der Volksschule; die 
stellt worden, die Vortage dom Etmaussckmß zu über­ letzte Gruppe sind später die Ungebildeten, und die 
weisen. Wortmeldungen liegen nicht vor. W ir kom­ andere Gruppe sind die Gebildeten. S o  wird- unser 
men zur Abstimmung über diesen Antrag. Wer für Volk in zwei große Teile auseinandergerissen, und 
diesen Antrag ist, den bitte ich, die Hand zu erheben. unversöhnt leben diese Teile nebeneinander. So kotimit zu den religiösen Unterschieden und den Unter­
(Geschieht.) schieden in  den Besitzvechältniffen immer noch der Unterschied nach dem Bildungsgänge. Gerade diese 
—  D a s  -ist d ie  übergroße M ehrheit. E s  ist so •be­ Bildungsunterschiede trennen sozial weit -schärfer als 
schlossen. Besitzverhältnisse. M an spricht glattweg von einem ungebildeten Menschen, viel weniger spricht man von 
P u n k t  8 : einem armen Menschen. Wenn zwei Menschen, die 
denselben Bildungsgang haben, nebeneinander stehen, 
Anträge der Stadtv. Bade und Gen. und Dr. Broh zwei Aerzte z. B ., so wird es keinem von diesen ein­
und Gen. betr. Vorschulen. fallen, den andern gesellschaftlich unter sich zu stellen, 
auch wenn er arm  ist. Ganz anders ist die S ituation, 
Der Antrag Bade und Gen. lautet: wenn ein Besucher der Volksschule sich trat einem Be­
Zum Ostertermin werden die untersten sucher der höheren -Schule unterhält. Wenn jener sich 
Klaffen an den städtischen höheren Lehranstalten neben diesen stellen wollte —  gleich ist -der Unter­
Eharlottenburgs (unterste Klasse der Vorschule schied da. Auch wenn der Besucher der höheren 
bei Schulen für Knaben, die ihr entsprechende Schule vielleicht nur das Einjährige hat, so ist er 
unterste Klaffe bei Schulen für Mädchen) auf­ doch der „gebildete" M ann, und der andere ist der 
gehoben. „ungebildete" M ann.
D er Antrag Dr. Broh und Gen. lautet: (Widerspruch.)
Unterzeichnete beantragen die Aufhebung 
der Vorschulen der städtischen höheren Schulen W ir müssen dazu kommen, diese Unterschiede 
nach folgendem M odus: auszugleichen, zu beseitigen. E s muß der Zweck der
        
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