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Periodical volume 17. Dezember 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung om 17. Dezember 191V
Stadtv. M eyer 1 (z u r G eschäftso rdnung ): Ich erklären, daß  w ir gern au f den B oden  eines solchen 
möchte folge M er: A n n c g  einbringe«  —  d a s  sann A n tra g s  tre ten  w erden, wie ich voraussehe, und  daß 
ich w ohl zu r G eschäftsordnung — : w ir m it allen K räften  bem üht sein w erden, diesen 
A n tra g  trotz der außerorden tlich  kurzen Z e it noch in  
D ie  S r a d l verordnerenverin.rum iung möge die P r a x is  umzusetzen. Ic h  möchte m ir aber bei 
beschließen, iben B e tra g  von 80  0 00  Jl dem  dieser G elegenheit die ebenso höfliche w ie dringende 
M a g is tra t zu r V erfügung  zu stellen zwecks B itte  erlauben, m it solchen A n träg en , die gerade so 
L inderung  besonderer N o tfä lle  durch einm alige gu t 4 Wochen früher h ä tten  gestellt w erden können, 
Z uw endungen . nicht im  letzten Augenblick an  die S ta d tv e ro rd n e te n ­
versam m lung und insbesondere an  den M a g is tra t, 
Ic h  w äre  dem  H e rrn  K ollegen H orlitz dankbar, w enn der sie nachher auszubaden , w eil au szu fü h ren  Hot, 
ich d ie  E r la u b n is  bekäme, den  A n tra g  a ls fo fö  zu heranzu tre ten . Ich möchte m ir erlauben , zu erklären, 
begründen, d a m it er gleich S te llu n g  d azu  nehm en daß u n te r  U m ständen in  einem  solchen F a l l  die A b­
kann. lehnung des M a g is tra ts  eine selbstverständliche 
P flic h t 'w e rd e n  kann, w eil es eben leider völlig  a u s ­
(Zustimmung des Sradlv. Ho r l i t z . ) geschlossen ist, einen d e ra rtig en  A n tra g  überhaup t 
noch in  die P r a x is  umzusetzen. Ich möchte m ir. 
Märn: D am en  und H erren ! W ir  haben u n s  wie gesagt, nochm als die dringende B itte  erlauben, 
in  g rößerem  K reise d ie  F ra g e  überlegt, wie w ir  den daß solche A n träg e  rechtzeitig gestellt w erden m ögen, 
berechtigten W ünschen, d ie  h ier vorge tragen  w orden  d am it gerade d iejenigen , m eine vereh rten  H erren , 
sind, entgegenkom m en können, ohne die bewährken die S ie  v e rtre ten  zu sehen wünschen, n u n  wirklich 
G rundsätze d e s  gesam ten A rm enw esens um zustürzen . den E rfo lg  von der Sache haben, den S ie  herbeizu­
G ew iß  haben d ie  A usfü h ru n g en  d e s  H e rrn  Dr. L ö­ führen  suchen. E s  könnte a u s  der verspäteten E in ­
wenstein cs a n  sich außero rden tlich  erschwert, a u f  b rin g u n g  solcher A n träg e  sehr leicht d a s  G egente il, 
die Wünsche e inzugehen; denn  e s  ist nicht gerade näm lich eine Schäd igung  derer, denen S ie  selbst 
angenehm , w enn  im m e r w ieder von einzelnen  M i t ­ helfen w ollen, e in tre ten . Ich hoffe, wie gesagt, daß  
g liedern  d e r V ersam m lung  d e r  S ta n d p u n k t einge­ es gelingen iv ird , fa lls  dieser A n tra g  A nnahm e 
nom m en w ird , a ls  w ä ren  sie d ie  alleinigen- w irk­ finden sollte, die A rbeiten  so zu beschleunige^ —- 
lichen V e rtre te r  u n d  Fürsprecher d e r  B ed ü rftig en  und eine außerordentlich  starke B elastung  der V e rw a l­
A rm en  und alle anderen  h ier G egner dieser B estre­ tung , nebenbei gesagt — , daß tatsächlich noch vor 
bungen, die  n u r  d a ra u f  a u s  w ären , diese B estre­ W eihnachten die A u szah lu n g  möglich sein w ird . 
bungen  zunichte zu machen. A ber ich m uß  nochm als be tonen: erleichtern S ie  
u n s  diese schwierige A ufgabe dadurch, daß  S ie  künf­
l S e h r  richtig! bei der Dem okratischen F a f r io n . ) tig  die A n träge  rechtzeitig stellen.
W ir  sind ober der M e in u n g , daß  u n te r diesen sicher­ (B ra v o !  bei der B ürgerlichen  F ra k tio n .)
lich du rchaus gerechtfertigten persönlichen E m p fin ­
dungen die Sache der A rm en  und B edü rftigen  nicht S to d tv . H orlitz : M e in e  D a m en  und H erren !
leiden darf, und deshalb haben w ir  u n s  zu einem  Ic h  m uß offen gestehen. &aß ich a n fa n g s  erschüttert 
A n tra g  verein ig t, von dem  w ir  hoffen, daß e r  auch ivar, von a llen  S e i te n  d es H auses, m it  A u sn ah m e 
die Z ustim m ung  d e r  A ntragsteller des A n tra g s  m ein er F re u n d e  und d e n  A ngehörigen  d e r  U nab ­
Dr. Hertz und G en. finden w ird , w eil er a lles das-1  hängigen sozialdem okratischen P a r te i ,  h ö re n  zu 
jenige erreicht, w as billigcrw eise erstrebt werden müssen, d a ß  S ie  d ie  besonderen Z uw endungen , die 
kann. w ir d en  A erm sten der A rm e n  zugedacht h a b en ,-ab ­
W as zunächst d ie  finanzielle  W irkung a n la n g t, lehnen.
so bemerke ich, d a ß  nach unseren E rkund igungen  
e ine V erdoppelung  d e r  laufenden A rm en u n ie r- (Z u ru fe  bei d e r Dem okratischen und der B ü rg e r­
stützung etw a 65 000  b is  70 000 Jl  ausm achen lichen F ra k tio n .)
w ürde. W ir gehen d a rü b e r h in au s , indem  w ir 
em pfehlen, dem  M a g is tra t e inen  B e trag  von 80  0 0 0  —  Ic h  freue mich, daß S ie  I h r e n  S ta n d p u n k t  ge­
M a rk  zu r V erfügung  zu stellen, um  besondere N o t­ ä n d ert haben und jetzt dazu  gekommen sind, eine B e i­
fälle zu lindern . hilfe von 80  000  Jl  fü r d ie  A rm en  zu gew ähren.
W ir  haben aber d a ra u f  verzichtet, schematisch A ber ich mutz doch m it a lle r  D eutlichkeit zum  
von einer V erdoppelung  lau fender U nterstützungen Ausdruck b rin g en : w en n  S i e  sich heu te  da rü b er be­
zu sprechen, weil gerade h ie rin  e in  wesentliches schwert fühlten , daß I h n e n  in  bezug a u f  d ie  B e u r­
grundsätzliches Beideitfcn erblickt wenden könnte, wie te ilung  und d a s  M a ß  von sozialem V erstän d n is , d a s  
d a s  b e re its  von F rä u le in  v. G ierke h ie r a u sg e fü h rt w ir fmen zu trau en , U nrecht geschehen ist. io lie a t 
w urde. W ir  haben das V e rtra u e n  zu dem  M a g is tra t, d ie S chuld  d a ra n  auf I h r e r  S e ile , sie ist durch I h r  
d a ß  er unseren A n tra g , w enn  e r  angenom m en  w ird , V erh a lten  hervorgeru fen  w orden . E s  h a t mich ge­
ii einer zweckentsprechenden W eise au sfü h ren  w ird , radezu frap p ie rt, eine so ha rthe rz ige , kalte W oh l­
d a ß  er do rt, wo er es fü r am  Platze hä lt, d ie  laufende tätigkeit m item pfinden  zu müssen, w ie sie F rä u le in  
A rm enuntcrstü tzung  verdoppeln , ab er vielleicht auch v. Gierke heute h ier in  diesem S a a le  zum  besten 
in  einzelnen F ä llen  von diesem M aß stab  abzuweichen gegeben ha t.
Ursache haben und d an n  dazu in  d e r Lage sein w ird . lS e h r  richtig! bei den U nabhängigen  S o z ia l ­
Ich  b itte  S ie  also, den A n tra g , den ich eben dem okraten .)
verlesen habe, anzunehm en.
Ic h  verstehe, d a ß  es bei -den gegensätzlichen W elt­
Oberbürgermeister Dr. Scholz: M e in e  D am en  anschauungen, d ie  w ir  vertre ten , fü r den e inen  
und H erren?  Ich  möchte n am en s des M a g is tra ts äußerst schwer ist, sich in  die A nschauungen d es an-
        
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