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Periodical volume 17. Dezember 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Ditzung am 17. D ezrniber 1916
Herr Dr. Bvoh har dann davon gesprochen, daß wohnerwehr wohl bestehen kann, ohne daß für einen 
die Militärkamarilla natürlich hinter dieser Vorlage Wachtzug so enorme Ausgaben zu erfolgen haben.
steckte, daß das M ilitär hier kommandierte, daß sich Wir hatten auch im Ausschuß an den Magistrat 
M ajor Noell nach den Befehlen seiner militärischen die Frage wegen Verringerung des Wachtzuges ge­
Vorgesetzten zu richten hätte. D as ist ein großer richtet. Gewiß, der Wachtzug ist von 120 auf 100 
I r r tu m  des Herrn Kollegen Broh. E r scheint die M ann verringert worden. Die Zahl der Offiziere 
Vortage nicht ganz gelesen zu haben; denn dort ist -aber nicht verringert worden. Trotzdem nach 
steht, daß die Wachtmannschaft dem Minister des Einreichung dieior Vorlage drei Offiziere aus dem 
In n e rn  untersteht. —  D as zur Berichtigung der Wachtzug ausgeschieden waren, sind drei neue Offi­
A bführungen des Herrn Kollegen Dr. B roh! ziere eingestellt worden
I m  übrigen brauche ich zur Vorlage selber nur Wenn S ie  nun diesen Wachtzug behalten, dann 
wenige Worte zu sagen. Ebenso wie Herr Kollege möchte ich Ih n en  doch dringend ans Herz legen, daß 
Richter schon für seine Freunde ausgeführt hat, kann S ie  auch unbedingt dafür sorgen, daß die Wacht­
auch ich nur sagen, daß wir unter allen Umständen mannschaften in anderen Räumlichkeiten unterge­
den größten Wert darauf legen, die Einwohnerwehr bracht werden, als wo (sie sich zurzeit befinden; denn 
beizubehalten, W  im vergangenen Ja h r  der S tad t so, -wie.die Mannschaften augenblicklich untergebracht 
Charlottenburg die allergrößten Dienste geleistet hat. sind, ist es tatsächlich nicht mehr menschenwürdig- 
Die Einwohnerwehr braucht aber—  wenigstens Ich will nicht näher auf Einzelheiten eingehen. Ich 
ist das ihre eigne Ansicht — zurzeit a ls  Rückhalt möchte aber die Herren ersuchen, sich speziell am 
die Wachtmann schäften. Infolgedessen können wir Lützow einmal darüber zu informieren, wie die 
die Wachtmannschaften nicht einfach auflösen. Ob wir Mannschaften schlafen und wie sie am Tage unter­
an Stelle dieser Wachtmannschaften etwas anderes, gebracht sind.
sei es eine beschränktere Zahl von Wachtmannschaf­ Was die Verlegung der Wachlzüge von den 
ten oder andere Beamte, setzen können, werden wir Feuerwachen betrifft, so möchte ich noch einiges zur 
mit dem Magistrat zusammen überlegen. Da wir Erläuterung anführen. Unter den Stadtverordne­
das gern überlegen wollen, werden wir uns auch ten wie auch in der Bürgerschaft ist zum Teil die 
dem_ Antrage der sozialdemokratischen Fraktion auf Ansicht verbreitet, es werde im Interesse der Feuer­
Einsetzung einer besonderen Deputation anschließen. wehr gewandelt. D as ist ein Irrtu m . E s handelt 
I n  dieler Deputation kann, scheint mir, ganz zweck­ sich hier um das Interesse der Einwohner Char- 
mäßig die Vorläge vorbereitet werden, die uns der lottenburgs.
Magistrat nach den Beschlüssen des Ausschusses, (Zuruf von den Unabhängigen Sozialdemokraten.)
denen S ic  voraussichtlich beitreten werden, innerhalb 
zweier Monate wieder vorlegen soll. —  Der meisten Einwohner, wollen wir sagen. —  
Dagegen werden wir dem Antrage des Kollegen Die Feuerwehrleute sind es gewohnt. Nicht vor per­
Broh und seiner Freunde auf Einsetzung eines A us­ sönlichen Gefahren zurückzuschrecken. Eine Unan­
schusses nicht zustimmen. nehmlichkeit für die der Feuerwehr Angehörigen ist darin zu sehen, daß ein Teil der Räume belegt 
Ich bitte die Kollegen, in möglichst großer wird, so daß der Exerzierdienst nicht richtig abgehal­
Zahl der Vorlage, wie sie au s dem Ausschüsse her­ ten werden kann. Weiter kommt dazu, daß beim 
vorgegangen ist. mit den besonderen Anträgen des Exerzieren, M  der Ausbildung, wo seWiversiänd- 
Ausschusses zuzuWmmen, damit denjenigen, die sich I-ich der hochgesellschaftliche Ton nicht immer beibe­
jetzt dauernd nicht nur der Gefahr, sondern auch den halten werden kann, die Angehörigen der Feuerwehr 
Unannehmlichkeiten des Wucht-dienstes aussetzen, der nicht von Unberufenen dauernd beobachtet sein 
Dank der S tad t auch hierdurch zum Ausdruck ge­ wollen. Die Hauptsache ist jedoch das Interesse der 
bracht wird. Einwohner Charloitenbürgs. I m  Ausschuß ist klar 
(Stadtv. Dr. B r o h :  Warum stimmen S ie  meinem bewiesen und von M ajor Noell festgestellt worden, 
Antrage nicht zu?) daß. falls ein Angriff auf ein Depot geplant werden 
sollte, während der Zeit des Angriffs die Einwohner 
Vorsteher Dr. Borchardt: Herr Kollege Broh, Charlottenburgs auf die Hilfe der Feuerwehr ver­
ich muß S ie  ebenso wie andere Stadtverordnete er­ zichten müßten. Meine Damen und Herren, S ie  
suchen. keine Zwischenrufe zu machen! wissen alle, daß gerade bei Unruhen die Hilfe der 
Feuerwehr am wenigsten entbehrt werden kann. Es 
(S tadtv. Dr. B  r o h : E s war ein Schlußruf!) entstehen gerade zu solchen Zeiten bedeutend leichter 
Brände. Auch bei den Verletzungen, wie sie damals 
e ‘abtv. Grollnm s: Meine Damen und am Wilhelmsplatz vorgekommen sind, war die 
Herren! Nach sachlicher und objektiver Beurteilung Feuerwehr die erste, die Hilfe geleistet la t. Des­
der Dinge werden, ein Teil meiner Freunde und ich wegen ist von den Stadtverordneten lediglich die 
gegen diese Vorlage stimmen. Nicht etwa, weil wir Frage zu prüfen, ob die Bürgerschaft Charlotten­
der freiwilligen Einwohnerwehr unsympathisch gegen­ burgs den Wachtzug. oder die Feuerwehr leichter 
überstehen,. sondern lediglich weil diese Vorlage Len entbehren kann.
Wachtzug mit der freiwilligen Einwohnerwehr ver- 
guickt. W ir haben uns nicht dazu aufschwingen Vorsteher Dr. Borchardt: Ich habe noch mizu- 
können., über 500 000 J! für den Wachtzug zu be­ reilen, daß der Antrag:
willigen. I m  Ausschuß ist nicht der Beweis erbracht D ie Stadtverordnetenversammlung er­
worden, das; die freiwillige Einwohnerwehr ohne sucht den Magistrat, für die Verwaltung der 
diesen Wachtzug nicht bestehen könnte; im Gegen­ Einwohnerwehr eine besondere Deputation, 
teil, der Gegenbeweis ist von Berlin und von eini­ bestehend aus 15 Mitgliedern, zu bilden, 
gen anderen Vororten erbracht worden, .daß die E in­ durch den Zusatz erweitert ist:
        
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