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Periodical volume 12. November 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 12. November 1919
Es ist eine — ich will mich zügeln — , ich w ill nur Auf die Ausführungen meines Herrn Vor­
jagen: es ist eine der gröbsten Unwahrheiten, wenn redners einzugehen, erlassen Sie m ir ivohl. Ich 
Sie die Behauptung aufstellen wollen, dast ich zum meinerseits kann dies nicht tun, da es m ir nicht zu­
Durchhalten oder überhaupt zum Kriege gehetzt oder gemutet werben kann, seine Ausführungen ernst zu 
aufgefordert hätt«. nehmen.
(Stadtv. G e b e r t :  Davon habe ich nichts gejagt!) (Lachen bei den Unabhängigen Sozialdemokraten. — 
Bravo!' bei den übrigen Parteien.)
Tiefen Artikel, von dem damals Ih r  Ireund Heil- Eins must ich aber doch, um Mißverständnissen 
mann etwas aus dem Ru lammen hang gerissen hat, vorzubeugen, richtigstellen. Es Hane nach den Aus­
bitte ich, gründlich durchzulesen, damit Sie sehen, wie führungen des Herrn Stadtverordneten Dr. Broh den 
ich über den Krieg gedacht habe. Es ist Ismen viel­ Eindruck, als ob die Zeitfreiwilligen der E in­
leicht nicht gerade unbekannt, daß damals Bethmann wohnerwehr irgendeine Entschädigung oder Ent­
Hollweg diesen Artikel glaubte auch ausschlachten zu lohnung bekommen. Das ist nicht der Ia l l.  Ich 
müssen, allerdings so ähnlich wie Heilmann, gegen­ stelle ausdrücklich fest, dast alle diese Männer, die 
über dem Hauplausschusse. um sich Darauf zu be­ treu ihren Dienst tun, das kostenlos und ohne Ent­
rufen, dass innerhalb Der Sozialdemokratie Stimmen schädigung tun, um Heim und Herd zu schützen. Ich 
dafür seien, da st die westlichen Demokratien in der fühle mich verpflichtet, auch an dieser Stelle, wie ich 
Tat, wie ich damals schrieb, nur Gaukelei seien, und sagen darf, namens des Magistrats allen diesen bra­
das; man uns setzt in Deutschland m it dem ver­ ven Männern, die sich freiwillig zu diesem Dienst ge­
schlissenen Ladenhüter der Demokratie beglücken meldet haben, zum Schutze der Bürgerschaft und 
will, den die Westländer bereits längst als Popanz unserer Stadt, hier den herzlichsten Dank auszu­
erkannt haben. sprechen.
(Ritruf: Rur Sache!) (Lebhafter Beifall bei der Bürgerlichen Iraklion und 
den Demokraten.)
Das ist der Inha lt des Artikels.
Nun also zur Sache (E in Antrag Dr. Luther aus Schlust der Be­
(Groste Heiterkeit) ratung wird von der Versammlung abgelehnt.)
Stadtv. Skaller: Meine Damen und Herren: 
und auch zum Schluß. Herr Brandt hat, meine ich, Es gehört nicht zu den Vergnügungen, auf die Rede 
gar keine Veranlassung, besonders darauf Wert zu des .Herrn Kollegen Broh zu antworten. Da aber 
legen, dast Leute, die ihm nahestehen, vor allen D in­ Herr Broh immer noch als vorgeschickter Redner 
gen drausten gewesen seien. Vielmehr wissen wir, dast seiner Partei gesprochen hat, glaube ich, dast w ir nicht 
unter den Leuten, die immer zum Kriege gehetzt einfach darüber weggehen können und doch auf 
haben, am meisten diejenigen waren, die hier ge­ manches erwidern müssen, was er hier vorgebracht 
blieben sind. Ebenso wissen wir, dast diejenigen, die hat. Ich möchte zunächst auf einige Kleinigkeiten 
zum Durchhalten aufgefordert haben, so ähnlich wie eingehen. Ich freue mich, daß das Aktenstück, das 
w ir es bei dem General von Bülow gesehen haben, in­ ihm in die Hände gefallen ist, nur die Volkswehr 
zwischen auch alle M itte l zum Durchhalten bekom­ und Einwohnerwehr behandelt. Wäre zufällig in 
men haben, während diejenigen, die wirklich im diesem Aktenstück noch irgendwelche Mitteilung über 
Schützengraben gewesen sind, im  Gegensatz zu dem Städteordnunq oder andere Geschichten enthalten 
Herrn General von Bülow und zum Kaiser, nicht nur gewesen, so bin ich fest überzeugt, das; er noch aus­
ihre Knochen preisgegeben haben, sondern auch ihre führlich auch darüber gesprochen hätte.
Iam ilicn  Daheim am Hungerruche nagen mustten.
Ich bin damit am Schlust und kann Ihnen nur (Heiterkeit und Sehr richtig!)
empfehlen, dast Sie auf diese Vorlage, die schon für Herr Kollege Broh hat sich darüber aufgehal­
sich selbst spricht, wenn man die Akten aufmerksam ten, dast in der Vorlage gesagt wird, der Herr 
durchlieft, nur die eine Antwort geben: für diese „Reichswehrminister" habe in der Notverordnung 
126 Mann bewilligen w ir keinen Groschen. Der vom soundsovielten das und das verfügt, obwohl 
Magistrat mag seine Klage gegen Herrn Noske, weil er damals nicht Reichswehrminister gewesen ist. Man 
er den Vorschust schuldig geblieben ist. auf seine Kappe achte auf die kolossale Logik. Herr Broh w ill damit 
und auf sein Risiko allein nehmen. sagen —- um auf ihn zu eremplifnieren — : wenn 
(Bravo! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) ich von einer Handlung des Herrn Dr. Broh 
spreche, aus einer Zeit, wo er noch nicht Justiz­
Stadtrat Wötimcr: Meine Damen und Herren! rat war, da dürfe ich ihn nur Rechtsanwalt 
Von Herrn Stadtverordneten Richter ist der Antrag oder Dr. Broh nennen. Ich darf also nicht 
aus Ausschustberatung gestellt worden. Der Ma­ sagen: Herr Justizrat Broh hat im Januar 1872 
gistrat wirb also mit Ihnen gemeinsam reichlich Ge­ das getan, sondern ich muß sagen: Herr
legenheit haben, ausführlich auf die Vorlage einzu­ Dr. Broh. I n  der Vorlage steht: der Reichs- 
gehen und Ihre Anregungen zu beraten. W ir wer­ wehrminister hat das und das verfügt. Jeder weiß, 
den dann auch im Ausschuß eingehend über die An­ iver der Rcichswehrminister ist. Aber da von einem 
regung^ des .Herrn Stadtverordneten Richter und Datum die Rede ist, an dem Noske nur Oberbefehls­
seiner »vroftion über eine eventuelle Beschränkung haber war, dürfte doch „loqischerweise" nicht gesagt 
des Wachrzuaes beraten und prüfen und feststellen, werden, daß der Reichswehrminister die Verfügung 
ob das möglich und Zweckmäßig ist. Ich kann mir erlaßen hat.
daher ersparen, hierauf und auf die übrigen Aus­ (Stadtv. Dr. B r o h :  Da steht: Durch Verfügung 
führungen einzugehen. des Retchslvehrmimsters!)
        
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