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Periodical volume 29. Oktober 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 29. Oktober 1919
nur Vorschläge «macht und dann wahrscheinlich ab­ gründet. Ich gehöre aber schon lange dem Vorstand 
gelehnt werden, sondern daß sie selbst mal ein biß­ nicht mehr an. Der Internationale Bund der Kriegs­
chen aus ihrer Ruhe aufgeschreckt werden, was ihnen beschädigten hat sich seitdem von unserer Organisa­
wirklich nicht schaden wird. Aus diesem Grunde tion abgesplittert, eine Absplitterung, die wir alle 
haben wir auch diesen Antrag der Kriegsbeschädigten aufs tiefste bedauert haben.
unterstützt. Ich stimme dem Herrn Vorredner durchaus 
Hier wurde die F-mge ausgeworfen, woher denn darin zu, daß bei den Opfern des Krieges auch ein­
die Legitimation dieser Leute stamme. Nun, düs mal eine Ausnahme gemacht werden muß, und wenn 
ist eine Frage, die den Fragesteller bereits charak­ es sich um eine sachliche Forderung handelte, so 
terisiert. Die Legitimation dieser Leute ist die Not, würde ich für mehr als e i ne  Ausnahme sein. Es 
die Not, von der der Fragesteller natürlich sehr -wenig handelt sich aber lediglich darum, ob hier durch das 
weiß, obwohl auch er sich damit protzend hervortut, Anhören einer Deputation der Gang der Verhand­
lungen unterbrochen werden soll, und das scheint mir 
(Lebhafte Zurufe) vollkommen überflüssig, überflüssig schon deshalb, 
weil mir bekannt ist, daß der Bund, der hier demon­
— brüllen Sie doch nicht so, ich kann Sie doch nicht striert, nur eine kleine Minderheit der Kriegsbeschä­
verstehen —, obwohl auch er sich immer damit hervor­ digten und Kriegshinterbliebenen vertritt.
tut, daß er gleichfalls ein Kriegsbeschädigter sei. 
Das mag sein, das sind sehr viele, die sehr vornehm (Zuruf des Stadtv. Dr. Hertz: Ueber zweitausend!)
und sehr wohlhabend sind. Aber hier handelt es sich 
im Gegensat z zu dem Fragesteller um Kriegsbe­ Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, sich zu be­
schädigte, denen esfchlecht  geht, die die Not jeden ruhigen: der Reichsbund der Kriegsbeschädigten hat 
Tag am eigenen Leibe kennen lernen. Und- wenn über eine halbe M illion Mitglieder, und der In te r­
ich die F m «  noch näher beantworten will, so handelt nationale Bund der Kriegsbeschädigten vertritt dem­
-es sich allerdings um einen Bund, der dem Frage­ gegenüber nur eine kleine Minderheit.
steller außerordentlich fernsteht und den er vorher 
schon allen diesen ordnungsliebenden Bürgern hier (Zuruf des Stadtv. Dr. Hertz.)
von vornherein dadurch zu vergruseln gesucht hat, 
daß er erklärt hat, cs wäre der k o m mu n  i sti s ch e — Sie können von- mir nicht verlangen, daß ich im 
Bund. Es ist in der Tat der Internationale Bund Augenblick aus dem Gedächtnis heraus feststelle, wie 
der Kriegsbeschädigten und" Kriegshinterbliebenen. sich die Mitgliedevstärke hier gegenwärtig in Char- 
Ich habe nur der Kür« halber, weil es schnell ge­ lottenburg gestaltet hat. . ,
schrieben werden mußte, den vollen Titel nicht wie­
dergegeben, erkläre aber hiermit, daß es sich um (Zuruf des Stadtv. Dr. H e r tz.)
einen Ausschuß des Internationalen Bundes der 
Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen han­ — Wissen Sie es, Herr Doktor?
delt, der allerdings dem von Herrn Heilmann ver­
tretenen Kriegsbeschädigtenbund meilenweit entfernt (Erneuter Zuruf des Stadtv. Dr. Hertz.)
steht.
Nun wurde vorher schon gesagt, wir würden, Herr Dr. Hertz hat sich soeben vorsagen lassen, daß 
wenn wir diese Leute hier anhören, damit ein der Reichsbund hier 200 Mitglieder hätte, der In te r­
schlechtes Exempel geben. Verehrte Anwesende, es nationale Bund dagegen 2000. Ich muß dann fest­
handelt sich doch selbstverständlich um einen ganz be­ stellen, daß von den Mitgliedern des Internationalen 
sonderen Ausnahmefall. Es handelt sich um die di­ Bundes nur ein sehr kleiner Teil an der heutigen 
rektesten Opfer des Weltkrieges. Und solche Fälle Demonstration teilnimmt.
werden wohl nicht so oft vor Ihren geistigen Ho­
rizont treten. Aus "diesem Grunde meine ich, daß (Sehr gut!)
wir hier diese Ausnahme machen müssen, und daß 
Sie selbst gut tun, wenn Sie sich mal Auge in Meine Damen und Herren, nun hat Herr 
Auge davon überzeugen, was die Leute vorzubringen Dr. Broh seiner Gewohnheit gemäß noch einige Be­
haben. Wie es später mit Ihren Deputationen sein merkungen gemacht, die nicht ganz unmittelbar zum 
wird, das wird eine weitere Frage sein. Aber'ich Thema gehörten. Er hat gemeint, wir lebten in so 
bin überzeugt, fraß mancher unter Ihnen, ivenu er behaglichen Verhältnissen, daß wir persönlich von 
hier die Leute Per sön l i ch  hört, etwas anderer dem Elend der Kriegsbeschädigten nichts wüßten. 
Ansicht werden wird, als wenn es, wie es der Herr Ich darf Herrn Dr. Broh darauf aufmerksam machen, 
Trodtverordnetenvorsteher wünscht, nach den Regeln 
des Sankt Bürokratius auch in diesem Falle weiter­ daß wir zu einer Zeit, als er wohl von Kriegsbe­schädigten noch nichts wußte, angesichts des Elends 
gehen soll. der Kriegsbeschädigten eben die Organisation gegrün­
Aus diesem Grunde bitte ich Sie, hier von der det haben, die bestimmt war, dieses Elend zu be­
Regel eine Ausnahme zu machen, ebenso wie der kämpfen-, Ich möchte aber gleich, damit Herr 
Weltkrieg ja wohl auch, glaube ich, eine «wisst Aus­ Dr. Broh mir nicht nachher entgegnet, w ir und die 
nahme in dem bisher so ruhigen Leben der Bürger Politik der Regierungssozialisten seien ja an dem 
dargestellt hat. Elend und seiner weiteren Ausbreitung überhaupt 
erst schuld,
Stad w. Heilmann: Meine Damen und Herren! 
Ich spreche hier nicht als Vertreter irgendeines (Stadtv. Dr. B r o h :  Sehr richtig!)
„Kriegsbundes". Ich habe seinerzeit, als zuerst die 
Notlage der Kriegsbeschädigten groß wurde, mit bei dieser Gelegenheit dieser Versammlung vorlegen, 
Freunden den Reichsbund der Kriegsbeschädigten be­ was in der letzten Sitzung von meinem'Parteifreunde
        
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