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Periodical volume 15. Oktober 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am IB. Oktober 1919
Wenn bann noch im Laufe der in voriger Ich hoffe auch mit dein verehrten Anfrager, daß 
Sitzung gemachten Ausführungen der Regierung sich die Zustände im Schloßpark ändern werden, daß 
zum Vorwurf gemacht worden ist, daß sie dafür ver­ endlich diese Verwüstungen der Rasenflächen und 
antwortlich zu machen sei, daß gestohlene Seife und Sträucher unterbleiben. Aber ich möchte doch drin­
Wäsche auf offener Straße verkauft wird, so ist! es gend bitten, wenn wir eine derartige Sache später 
mir schleierhaft, inwiefern das mit dem Schloßgarten wieder einmal hier behandeln, daß dann nicht poli­
in Charlottenburg überhaupt in Verbindung stehen tische Angriffe auf eine Partei unternommen wer­
soll. Aber Herr Kollege Krüger erlaubte sich, auf den, daß man eine so einfache Sache nicht politisch 
diese Dinge in Verbindung mit diesem Punkte ein­ auszunutzen versucht. W ir müßten uns sonst wieder 
zugehen. Da möchte ich doch darauf hinweisen, daß so energisch dagegen wehren, wie wir es heute getan 
es ein Mangel an staatsbürgerlicher Erziehung ist, haben.
daß gerade Angehörige seiner Klasse während des 
Krieges in unglaublicher Weise geschoben und gestoh­ Stadtv. Dr. Feilchenfeld: Meine Herren! Nur 
len haben, eine ganz kurze Bemerkung! Ich freue mich, daß 
Herr Kollege Krüger heute der Jugend mehr Frei­
(Große Unruhe und lebhafte Rufe: Unglaublich! heit und Freude im Schloßgarten gönnt als das 
bei der Bürgerlichen Fraktion.) vorige Mal. Er hat das vorige Mal ausdrücklich ge­
sagt:
was ich nachweisen kann. Also in der Beziehung ist Zweitens: es muß -verhindert werden, daß 
das neue Regime nicht stärker belastet als das alte diese ehrfurchtgebietende Stätte ein unbeauf­
Regime während des Krieges. — Es ist mir unan­ sichtigter Kinderspielplatz wird. W ill man 
genehm, daß ich die Versammlung damit beschäftigen durchaus einen Kinderspielplatz im Park haben, 
muß; so ist es notwendig, daß dieser auf eine be­
(Lebhafte Rufe bei der Bürgerlichen Fraktion) stimmte Fläche begrenzt wird. A ls passend er­
scheint dazu die sogenannte Pferdewiese im 
aber die Art und Weise, wie sich Ih r  Herr Kollege Hintergründe des Schloßparkes.
Krüger in der vorigen Sitzung erlaubte, diese An­ Also ich habe vollkommen recht gehabt, wenn ich 
gelegenheit hier zu behandeln, zwingt mich, dagegen wünschte, daß diese Beschränkung der Kinder im 
Stellung zu nehmen. Schloßgarten nicht so, wie es Herr Dr. Krüger das 
Außerdem befindet sich noch die sonderbare Wen­ vorige Mal empfahl, einträte.
dung in dem Stenogramm, daß in unserm gequäl­
ten Vaterlande unter allen Umständen wieder Ruhe Vorsteher Dr. Borchardt: Das Wort hat Herr 
und Ordnung eintreten müsse. Das unterschreibe Stadtv. Broh. '
ich ganz und gar. Aber, meine Herren, diese Ruhe 
und Ordnung wird erst wieder eintreten, wenn wir (Große Unruhe und Rufe: Ach!)
die geistige und phlfsische Verwüstung, in die Sie das 
Vaterland hineingezerrt haben, Stadtv. Dr. Broh: Meine Damen und Herren! 
Die Diskussion hat ergeben, daß es hier im Hause 
(Lachen bei der Bürgerlichen Fraktion. — Sehr rich­ zwei Parteien gibt: die eine Partei, die die In te r­
tig! bei den Sozialdemokraten) essen der Kinder wahrnimmt, und die andere Par­
tei unter Führung des Jugenderziehers Dr. Krüger, 
restlos beseitigt haben. Dann erst wird der Zustand die die Interessen der ordnungliebenden und ruhe­
eintreten, den Sie wünschen. Ich möchte Sie drin­ suchenden Bürger wahrnimmt. Die erste Partei ist 
gend bitten, uns zu unterstützen, um recht bald die­ sicherlich die größere im Hause, worüber ich mich na­
sen Zustand herbeizuführen. Aber bedienen Sie sich türlich freue. Aber ich muß sagen, wir müssen auch 
dazu einer wirksameren Methode, verehrter Herr die Rechte der Minderheit respektieren, soweit sie 
Kollege. Auf die Weise, wie Sie die Geschichte nicht die Mehrheit schädigen. Deshalb möchte ich 
anfassen, ist wenig zu machen. mir die Anregung gestatten — und ich glaube, daß 
Eins hat mich noch gewundert: wie ein Jugend- der Herr Kollege Krüger sie gern aufnehmen wird — , 
erzieher, der dazu berufen ist und die moralische daß wir beide Interessen vereinen. Sie werden schon 
Pflicht hat, der Jugend möglichst Licht, Luft und nicht verhindern können, Herr Dr. Krüger, -daß die 
freie Bewegung zu verschaffen, dagegen Stellung Kinder im Schloßgarten zu voller Entfaltung und 
nehmen konnte, daß sich im Schloßgarten die Jugend zu ihrem Rechte kommen. Sie hüben das ja gehört 
austummelt. Selbstverständlich soll das in anstän­ aus allen Aeußerungen der Mehrheitsparteien, wenn 
digen Formen geschähen. Wenn man aber sagt, daß ich so sagen darf. Ich gebe jedoch zu, auch der Ord­
an dieser ehrwürdigen Stätte, die früher dem An­ nung und Ruhe liebende Bürger muß ebenfalls seinen 
denken der Königin Luise geweiht war, die Jugend Teil haben. Deshalb möchte ich empfehlen, daß Sie 
sich nicht austoben darf — verehrter Kollege, so ist den Antrag stellen, daß in dem Schloßgarten ein 
das historisch auch nicht ganz stichhaltig; ich weiß Fleckchen nicht für die Kinder, sondern umgekehrt: 
aus der Geschichte, daß die Königin Luise es sehr „Für die ruheliebenden Bürger" abgesondert wird,
gern gesehen haben soll, wenn die Dorfjugend in 
zwangloser Art sich um sie versammelte, sie hat sich (•Heiterkeit)
dann an diesem lebhaften und farbenprächtigen Bilde 
erfreut und es in vollen Zügen genossen. Wie je­ wo diese sich dann auch ergehen können. Vielleicht 
mand, der auf dem Boden Ihrer historischen An­ dürfte dazu gerade die Pferdewiese geeignet sein.
schauungen steht, das heute verwerfen kann, ist mir 
unerfindlich. .(Heiterkeit.)
        
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