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Periodical volume 15. Oktober 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 1 >. Oktober lDlÖ
zu Ausschußmitgliedern die Stadtv. Bollmann, Dr. wollten, was wir an andere Institute für die Unter­
Borchardt, Dr. Broh, Gebert, Grollmus, Groß, Dr. bringung der Insassen zu zahlen hätten, dann haben 
Hertz, Horlitz, Jaftrow, Klick, Frau Klockow, Mar- w ir mit der jährlichen Unterstützung des Heims noch 
cuse, Marzahn, Panschow und Zielenziger.) Ersparnisse gemacht. Dazu kommt noch, daß, wenn 
w ir das Institut übernehmen, w ir die Möglichkeit 
Borstcher-Stellv. Dr. Frentzel: Wir kommen haben, es nach anderer Richtung, wie der Magistrat 
zu Punkt 9: vorschlägt, für uns zu verwerten, jo daß alle Veran­
lassung vorliegt, den Magistrat zu ersuchen, nicht nur 
Vorlage betr. Aufrechterhaltung des Säuglings­ jetzt den Zuschuß zu gewähren, -sondern es so schnell 
heims Eharlottcnburg-Westend. — Drucksache 229. wie möglich in eigene Regie zu übernehmen und es 
so auszugestalten, daß es vollauf den Wünschen, die 
Stadtv. Skalier: Meine Damen und Herren! wir an ein solches Institut zu stellen haben, ent­
Wer die Defizits der letzten Jahre M m  Säuglings­ spricht. W ir werden selbstverständlich der Vorlage 
heim kennt und ihre Ursachen, wird nicht überrascht zustimmen.
gewesen sein, aus der Vorlage zu ersehen, daß der 
wirtschaftliche Zusammenbruch dieses Instituts vor­ Stadtv. Frau Nemitz (zur Geschäftsordnung): 
der Türe stcht. Meine Freunde können sich auch nicht Meine Herren und Damen! Es ist mir unangenehm, 
der Annahme verschließen, daß andere auf Wohl- jetzt in der Debatte das Wort zur Geschäftsordnung 
tätigkeit und privater Hilfe aufgebaute Institute in zu nehmen. Aber ich muß feststellen, daß oben beim 
Kürze einem ähnlichen Schicksal heimfallen werden. Büro Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Ich 
Zurzeit herrscht eben keine Konjunktur für Wohl- stelle fest, daß, so lange ich als Schriftführerin oben 
tätigkeit und das Privatkapital, das sich den Luxus gesessen habe, als erster Redner Herr Dr. Stephan, 
der Wohltätigkeit leistet, versagt jetzt vollkommen. dann Frau Deutsch, dann ich als Rednerin in der 
Vielleicht, daß die Regierung sich entschließt, eine Liste vermerkt war. Ich bin ganz erstaunt, daß jetzt 
neue Rettungsmedaille zu schaffen, um denjenigen, als erster Redner Herr Skalier das Wort bekommen 
die zu bestimmten Zwecken Wohltätigkeit leisten, die hat. Ich glaube, das ist nicht richtig. Wenn es auch 
Quittung in Form eines Ordens zu erstatten. Ich ein Fraktionsfrcund ist, so dürfen doch nicht Unregel­
sage das nicht, um allgemein zum Ausdruck zu mäßigkeiten in dieser Beziehung vorkommen. Herr 
bringen, daß w ir über jede Wohltätigkeitsunter- Skalier hätte seine Ausführungen genau in dem­
ftützung so denken. Ich und meine Freunde haben selben Sinne nachher machen können, und er hätte 
die Ueberzeugung, daß vor allein die Protektorin auch als letzter Redner die Aufmerksamkeit der Ver­
dieses Instituts aus innerem Bedürfnis und aus sammlung gefunden. Das wollte ich hiermit fest­
Liebe zur Sache die großen Summen im Laufe der stellen.
Jahre dem Säuglingsheim zur Verfügung ge­
stellt hat. Vorsteher-Ttellv. Dr. Frentzcl: Ich bemerke da­
Bei den Instituten, die auf Wohltätigkeit auf­ zu folgendes. § 41 unserer Geschäftsordnung besagt: 
gebaut sind. werden wir aber zu untersuchen haben: die Zulassung zum Wort geschieht nach der Reihen­
erstens die Existenzberechtigung und zweitens, wie­ folge der Meldungen. Es ist also ohne weiteres klar, 
weit, falls die Wohltätigkeit im allgemeinen versagt, daß die Redner das Wort erhalten müssen, je nach­
andere öffentliche Organe, wie jetzt hier die Stadt, dem sie sich melden. Ich selbst als augenblicklicher 
einzugreifen nötig haben. Leiter der Versammlung bin daran unbeteiligt, weil 
Ueber die Existenzberechtigung dieses Instituts mir die Liste so vorgelegen hat und ich nicht fest­
ivird kaum ein Zweifel bestehen. Alle Parteien haben stellen kann, wann sich die einzelnen Redner und 
wohl in ihrem Programm Mutterschutz und Kinder­ Rednerinnen gemeldet haben. Die Rednerliste führt, 
schutz. Wo w ir die Möglicksteit haben, das -Bond wie Ihnen vorhin vorgelesen worden ist. Herr 
zwischen Mutter und Kind stärker zu knüpfen und Stadtv. Panschow, der wahrscheinlich durch seine Be­
dafür zu sorgen, daß unehelich geborene Kinder mit richterstattung zum Teil verhindert war, weshalb 
ihren Müttern Jahre hindurch in einem bestimmten Herr Kollege Wilk für ihn eingetreten ist. Ich muß 
Heim untergebracht werden können, da sollten wir feststellen, daß, wenn anders verfahren ist, als es die 
es tun. Die Tatsachen bürgen dafür, -daß eine Rot- Geschäftsordnung vorschreibt, das nicht zu recht ge­
iveitdigkeit vorhanden ist, und wenn ein solches I n ­ schehen ist, und ich möchte die Herren Beisitzer bitten, 
stitut noch nicht bestünde, so würde die Stadt wohl genau nach dem Wortlaut unserer Geschäftsordnung 
die Verpflichtung haben, sich mit der Frage zu be­ zu handeln.
schäftigen, ob es nicht eingerichtet werden müsse.
Anderseits liegt die Situation so, wie sie in der Stadtv. Skalier (zur Geschäftsordnung): Ich
Vorlage geschildert ist. Das Institu t -steht vor dem bin über die Ausführungen der Frau Kollegin nicht 
Zusammenbruch, und wir werden uns über kurz oder wenig eistaunt. Ich habe bereits vor drei Punkten 
lang- ivahrscheinHch über kurz, dazu entschließen dem Kollegen Wilk gesagt, ich möchte zu diesem 
müssen, dieses Institu t in eigene Regie zu nehmen. Punkte das Wort haben. Es ist mir natürlich an 
Aus der Vorlage haben wir ersehen, daß w ir bisher sich ganz gleichgültig, ob ich an erster oder zweiter 
in beschränktem Maße schon Zuschüsse gewährt haben. Stelle herankomme. Ich habe keine Ahnung davon, 
Wenn w ir die Seiche aber kritisch verfolgen und wenn daß die Möglichkeit der Verschiebung der Rednerliste 
wir wissen, -daß die Mehrzahl der dortigen Insassen vorliegt.
Charlottenburger sind und w ir die Verpflichtung 
haben, für diese zu sorgen, so müssen wir zu -dem Stadtv. Wilk (zur Geschäftsordnung): Ich habe 
Schluß kommen, -daß wir tatsächlich von der Verwal­ hierzu nur zu bemerken, daß Kollege Skalier zu mir 
tung dieses Instituts jährlich ein großes Geschenk er­ kam und mich darauf aufmerksam machte, daß er sich 
halten haben. Tenn wenn wir zusammenrechnen schon einmal zum Wort gemeldet hätte. Daraus habe
        
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