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Periodical volume 15. Oktober 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

468 Sitzung am 15. Oktober 1918
Stadtv. Dr. Hertz: M e in e  D am en  und H erren ! der D ebatte  zugaben, daß die A rgum ente  fü r  die 
W ir w erden gegen den A n tra g  a u f  A usschußberatung E rrich tung  einer eigenen Bäckerei so überzeugend 
keine E inw endungen  erheben. A ber ich kann mich feien, .d aß  sie ih re  Bedenken zurückstellen m üßten . 
der Einsicht nicht verschließen, a ls  ob gerade h ie r die Trotz dieser Sachlage h a t d e r  M a g is tra t  C h a r lo tte n ­
A usschußberatung dazu d ienen soll, nicht d ie  V orlage burg, w ie . m ir m itg e te ilt w urde , diesen T e il  der 
w e ite r zu verbessern, sondern wahrscheinlich zu v e r ­ V orlage gestrichen. Ic h  verstehe ein  solches V e r­
s c h l e c h t e r n . halten' nicht, und ich g laube, die S ta d tv e ro rd n e te n -  
1 Versammlung d a r f  a n  dieser Tatsache nicht vo rbe i­
(Z u ru fe  bei den  D em okra ten : W a ru m  denn!) gehen, sie muß zum Ausdruck b rin g en , d a ß  sie m it dieser S te llu n g n a h m e  des M a g is tra ts  nicht e inver­
W ir  haben gegen die S p a rsa m k e it a n  sich nicht d as  standen ist.
G eringste einzuw enden  und anerkennen vollkom m en, W ir  stim m en d e r B e ra tu n g  .der V orlage  in  einer 
daß gegenw ärtig  d ie  N o tlag e  d e r  G em einde zu spar­ Ausschußsitzung zu, erw arten  aber, daß  d o r t v o r  allem 
sam er H an d lu n g  zw ingt. A ber die S p a rsam k eit ge­ d ie  S te llu n g n a h m e  d e s  M a g is tra ts  e iner eingehenden 
rade  bei dieser V orlage  macht u n s  doch ganz  a u ß e r­ R ev ision .un te rzogen  w ird .
ordentlich m ißtrauisch . I m  Ausschuß ist von den 
Bedenken, d ie  setzt h ie r zutage getre ten  sind, nicht (D ie  V ersam m lung  beschließt die Ueberw eisung 
d ie  R ede gewesen. Ic k  befürchte, daß  eine neuerliche der V orlage  an einen  Ausschuß von  15 M itg lie d e rn  
B e ra tu n g  dieser V orlage  sie u n s  w en iger annehm bar uNd w ä h lt in  diesen Ausschuß d ie  S ta d tv .  B ade, 
macken w ird  a ls  gegenw ärtig . B o llm an n , F r a u  H ehl, I a s tro w . K a rre r , Klick, Dr. 
G egenüber dem H errn  K ollegen M ever möchte K rüger, L eupold , Dr. L öw enstein , M eyer I I ,  Dr. 
ich doch betonen, daß die Bedenken m eines Kollegen M om m sen, Panschow . S charnberg . S e ife r t ,  Dr. 
K a rre r  vollkom m en berechtigt sind. D ie  Tatsache lä ß t S te p h a n .)
sich nicht a u s  der W elt schaffen, daß  v e rh e ir a te t  B e ­
am te und  A erzte  ein e igenes B ad  zu r V erfügung  Vorsteher Dr. Borchardt: B e v o r w ir  w e ite r­
haben, w ährend m an eine N otw endigkeit d a fü r 5e: gehen, habe ich m itzu te ilen , d a ß  noch zwei A nfragen
den verheira te ten  A r b e i t e r n  nicht an erkann t ha t. e ingegangen sind:
E s  ist gar keine R ebe davon , d aß  fü r jeden l e d i g e n  D en  au f dem  städtischen G elände a n  der 
A rbe ite r, d er d o rt beschäftigt w ird , ein eigenes B ad  S p a n d a u e r  Chaussee ansässigen Laubenkolo­
geschaffen w erden soll. A ber fü r d!» kinderreichen nisten ist d a s  P a c h tv e rh ä ltn is  zum  31. D ezem ­
A rb e ite rfam ilien  ist die S chaffung  eines eigenen ber d. I .  seitens der G enera lpäch terin  ge­
B a d es  u n te r  den d o rt d ra u ß en  herrschenden V e rh ä lt­ kündigt w orden.
nissen eine dringende hygienische N otw endigkeit. I s t  d e r M a g is tra t  bereit, die G rü n d e  für 
Ic h  möchte dan n  noch ein ige  W orte  zu dem  diese K ünd igung  anzugeben , und  kann diese 
sagen, w a s  in  der V orlage  n i c k t  s t  e h t .  I m  A u s ­ eventuell rückgängig gemacht w erden?
schuß ist m it  überw iegender M e h rh e it —  ich glaube, Klick, Dr. .Hertz, Nem itz
in  dem  g roßen , gem einsam en Ausschuß w a ren  n u r 
zwei S t im m e n  dagegen —  beschlossen w orden , d aß  und w eitere  U nterschriften.
im  Anschluß an  die E rw eite ru n g  des S v e ise ra u m s  
eine Bäckerei errichtet w erden soll. d ie  die H erstellung Oberbürgermeister Dr. Scholz: E rste re s  ja, 
der Backw aren fü r die d o rt untergebrachten K ranken zw eites kaum. J e d e n fa lls  sind w ir bereit, die A n ­
zu r A ufgabe h a t. I c h  betone ausdrücklich: diese N ot- frage heute zu bean tw orten .
w endigkeit ist besonders d rin g en d  an erk an n t w orden 
von den A e r z t e n ,  die erk lä rten , daß Don der Vorsteher Dr. Vorchardt: Also w ird  auch diese 
S chaffung  dieser eigenen Bäckerei es zum  großen A nfrage  heute verhandelt w erden.
T e il  abhängt, ob die A n sta lt ih re  A ufgabe überhaup t E in e  w eitere A nfrage la u te t:
w ird  w e ite r erfüllen können: sie erk lä rten , daß der Nach angestellten E rm ittlu n g e n  ist fest­
G esundheitszustand  der K ranken e s  in  sehr vielen gestellt w orden , daß  die jüdischen Fleischer der 
J o l le n  erforderlich macht, d a ß  ihnen e inw andfreie  S t a d t  dauernd  n u r  m it bestem Frischfleisch be­
B ocFnw c verabreicht w ird , die sich in  vri-vaten lie fert w erden, dagegen n iem als  K onserven 
Bäckereien gegenw ärtig  und  au f absehbare Z e it  h in ­ oder Salzfleisch erhalten .
a u s  nicht w ird  herstellen lasten. D ie  H erren  A erzte 
haben u n s  a u s  ih re r  E rfa h ru n g  sogar w eiter m itge ­ I s t  der M a g is tra t bereit, die ungerechte 
te ilt. daß sich die M iß stän d e  bei der V erabreichung B evorzugung  jüdischer E in w o h n er in  der 
von schlechtem B r o t  und dergleichen nicht erst w äh ­ Frischfleischversorgung zu beseitigen und die 
rend d es K rieges verein t haben u n d  deshalb  nickt W ochenmenge an  Frischfleisch fü r jüdische E in ­
m it dem  Augenblick verschwinden w erden , wo die w ohner dem geringeren  Q u a n tu m  Frisch­
iebigen Erncrfrntnasverhä ltn iste  ih r  E nde haben, son­ fleisch, d a s  der A llgem einheit zugebillig t w ird , 
dern  daß d a s  b e re its  v o r dem  K riege der F a l l  w a r. gleichzustellen?
d aß  alio nach seder R ick tu  na b in  d ie  N o tv n n d iak e it 
zu r E rrich tung  e in e r Bäckerei gegeben ist. I m  A u s ­ (Z u ru f  bei den D em okraten : W er hat u n te r­
schuß ist Ferner von den sackverständigen H erren  des schrieben?)
M a g is tra ts  kein Bedenken g eäu ß ert w orden , d a s  es 
irgendw ie recktFertiaen w ürde , d a ß  d ieser T e i l  der —  D ie  A nfrage ist unterschrieben von den S ta d tv .  
V orlage  durch  den M a g is tra t keine G enehm igung  ae- P e in .  B ra n d t, H übner. Dr. M om m sen, Kloka, Dr. 
k'«nden hat. Ic k  betone w eiter, d aß  sehftst einige S te p h a n . M a rz a h n , K rü g er, Deutsch. H erzog, von 
H e r r n ,  die im  A nfang  der B e ra tu n g  dieses V unk tes E berhard , M ü lle r , Dr. F e ig , M arcuse , G ro ß  und 
sich strikt ab lehnend  verhalten  haben , im  V erlau fe G rü ß e r.
        
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