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Periodical volume 17. September 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

436 Sitzung am 17. September 1916
Stadtv. Dr. Hertz: M eine Damen und Herren hier Ausdruck zu geben und energisch zu verlangen, 
Ich möchte an diesen letzten Vorgang anknüpfen und daß die Interessen derer, die in diesen Leichtbauten 
ihn a ls  einen Beweis dafür ansehen, daß das I n ­ wohnen sollen, Berücksichtigung finden.
teresse, das von dieser Versammlung der Wohnung^ W ir sind auch im Gegensatz zu Herrn S ta d t­
frage entgegengebracht wird, sich durchaus nicht von syndikus Sembritzki der Meinung, daß a l l e  Wege, 
dem Mangel an Interesse unterscheidet, das die die zur Lösung der Wohnungsfrage und zur M il­
frühere Versammlung dieser Angelegenheit entgegen derung der Wohnungsnot in Anspruch genommen 
gebracht hat. werden können, g l e i c h z e i t i g  gegangen werden 
müsien. D as ist ja der verhängnisvolle Fehler der 
(Zurufe: Ach du lieber G ott!) Politik, die S ie  vom M ärz an getrieben haben, daß 
damals einige kleine Pallianvmittelchen ergriffen 
Mein Kollege Heidrich hat bereits daraus hinge­ worden sind, aber nicht in entschlossener, großzügiger 
wiesen, daß uns, a ls w ir im M ärz über diese An­ Weise an die Lösung der Wohnungsnot herange­
gelegenheit hier sprachen, der Einwand entgegenge­ gangen wurde. Heute müssen w ir alles machen, wir 
worfen wurde: die Wohnungsnot ist eine Frage von müssen alle Wege, die nur irgendwie gangbar sind, 
v o r ü b e r g e h e n d e r  Bedeutung. Heute stehen zu gleicher Zeit in Angriff nehmen.
wir vor der Tatsache, daß sich die W ohnungsnot so 
ungemein verschärft hat, daß w ir in den W inter­ (Zurufe.)
monaten und weit darüber hm aus m it den aller­
größten Schwierigkeiten zu rechnen haben werden. Denn es ist völlig undenkbar, daß auf Jahrzehnte 
Diese Schwierigkeiten —  das möchte ich feststellen - hinaus irgendeine Milderung der Wohnungsnot ein­
sinid zum Teil darauf zurückzuführen, daß diese Ver­ tritt. Auf Jahrzehnte hinaus! Die bisherige E r 
sammlung der Angelegenheit nicht Las Jn i'c c ß  fahrung hat bewiesen, daß das Phantom , das S ie  
entgegengebracht hat, das sie unbedingt verdient. an die Wand gemalt haben, die Entvölkerung von 
Groß-Berlin, nicht eingetreten ist.
(Widerspruch und Unruhe bei den bürgerlichen 
Parteien.) (Wiederholte Zurufe -bei den bürgerlichen Parteien.)
—  Ich weiß, daß es Widerspruch bei Ihnen  erweckt, I m  Gegenteil, in der letzten Zeit häufen sich infolge 
wenn S ie  a ls  d i e  Versammlung gekennzeichnet der durch den Friedensvertrag geschaffenen Bedin­
wenden, die in dem alten Hausagrariergeist der gungen die Zuzüge nach Berlin außerordentlich.
Wohnungsfrage weiter gegenübersteht.
(Zuruf: Ten Friedensvertrag haben S ie  gewollt!)
(Lochen bei den bürgerlichen Parteien.)
Aber das ändert an der Tatsache nichts, ändert vor — J a  natürlich haben w ir ihn gewollt. —  Jeden­
allen Dingen an d e r  Tatsache nichts, daß die von falls, die Wohnungsnot wird noch Jah re  und J a h r ­
Ihnen  eingesetzte Wohnungsdeputation durch ihre zehnte hinaus bestehen, wenn nicht in der allerent­schiedensten Weise sofort alle Maßnahmen ergriffen 
Zusammensetzung mit.dazu beigetragen hat, die A us­
führung selbst der geringen Maßnahmen, die durch werden, die sie zu mildern imstande sind.
unsern Antrag in die Wege geleitet wunden, außer­ Herr Stadtsyndikus Sembritzki hat ferner dar­
ordentlich zu erschweren. D as ist idas M otiv, bas auf hingewiesen, daß es dem M agistrat Eharlotten- 
uns bestimmt, hierfür einen besonderen Ausschuß burg gelungen ist, eine ganze Reihe von Räumen, 
einzusetzen. die bisher zu anderen Zwecken benutzt wurden, für 
Wohnuirgszwecke in  Anspruch zu nehmen. D as ist 
(Zurufe bei den bürgerlichen Parteien: D as wollen richtig. ^ Jch  weiß au s der Wohnungsdeputatstm, 
w ir ja!) daß diese Erfolge zu verzeichnen sind. Aber es sind so kleine Erfolge, sie spielen im Verhältnis zu der 
Größe der Wohnungsnot eine so untergeordnete 
Der Wohnungsdeputarion in ihrer jetzigen Zusam­ Rolle, daß sich trotzdem die schärfsten Maßnahmen 
mensetzung können wir die Beratung der Wohnungs­ gar nicht vermeiden laßen. W ir kommen nicht mit 
frage nicht übertragen, da sie so einseitig reak­ dem Appell an die freiwillige Zurverfügungstellung 
tionär zusammengesetzt ist, von Wohnräumen aus; wir brauchen die zwangs­
weise Enteignung. Herr Kollege Dr. Rosenfeld 'Hai 
(Rufe: Nanu! Unglaublich!) mir soeben ein O rtsstatut über die Zivileinguar- 
ticrung in Dresden gegeben, nach deßen nur slüch 
daß von ihr keine Förderung «der Wohnungsfragl tiger Durchsicht ich schon sagen kann, daß es ein< 
zu erwarten ist. außerordentlich brauchbare Grundlage für die ein 
Ich  möchte aber weiter darauf Hinweisen, das schneidendsten M aßnahmen auf diesem Gebiet sein 
wir, so sympathisch wir auch der Magistratsvorlagc tont).
gegenüberstehen, unbedingt daran festhalten müßen Ich möchte auch gegenüber der Argumentativ: 
-dast keine Leichtbauten, sondern Massivbauten ge­ des Herrn Kollegen Dr! Rothholz, daß von den 16(X 
schaffen werden. Wer in diesen Wohnungen Hausen Wohnungsuchenden ja nicht alle wohnungslos seien, 
soll, der kann ein Urteil darüber abgeben, welche darauf hinweisen, daß das durchaus kein Beweis da­
gesundheitlichen und hhgienischen Gefährdungen für ist, daß auf dem Gebiet des Wohnungsmarktes 
durch das Wohnen in Holz- ober Leichtbaracken ge. auch nur einigermaßen erträgliche Verhältniße 
schaffen werden. Uns gehen täglich Klagen in außer­ herrschen. Denn das ist ja gerade (ms Kennzeichen 
ordentlich großer Zahl zu. und w ir empfinden es der W ohnungsnot in der jetzigen Zeit, daß die aller- 
a ls unsere dringende Verpflichtung, diesen Klagen ungünstigsten Verhältniße dadurch entstehen, daß
        
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