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Periodical volume 3. September 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 3. September 1919
unabhängige Gesinnung ist I h n e n  ja gleich R auben Schichten hergeben dürfen, ist es in letzter Linie, der 
uni) M orden . diese Vorlage ihre Entstehung verdankt. D e r  V o r ­
sitzende des Schutzmannsverbandes, ein bisher noch 
(Z u r u f  des S ta d tv .  Heilm ann.) im Polizeidienst in B e r l in  stehender Schutzmann 
oder Wachtmeister —  ich kenne seinen Dienstgrad 
—  H err  Kollege Heilm ann, streiten w ir  darüber nicht — , E rnst  Schräder, ha t  •teirlich in der Z e i t ­
nicht; es könnte sonst noch eine sehr lange E r ­ schrift der Schutzleute oderP olizeibeam ten , wie sie
ö r te rung  deswegen geben. —  Dieser Oberverwal­ heißt, dieses M o tiv ,  wenn auch m it  e tw as  anderen
tungsgerichtsrat Lsindenau schreibt im „B erliner W orten ,  aber doch in der Sache dasselbe, vollkommen 
Tageblatt" zugegeben. Auch er verweist darauf, daß die Schutz­
leute ihre Interessengemeinschaft m it  den übrigen 
(Z u ru f) besitzlosen Schichten der Gesellschaft einsehen und 
sich nicht mehr zu willenlosen Werkzeugen in der 
— das scheinen S i e  nicht zu kennen — : H and von Vorgesetzten machen wollen. W er die 
Demokratie a ls  große Errungenschaft der R ev o ­
„ E in  beängstigendes Zukunftsbild entrollt lu tion nicht n u r  im M u n d e  führt, sondern in 
sich. E ine  S icherheits truppe von 30 000 seinem Herzen Dem okrat ist und das  M itb e ­
kämpf- und schützengrabenqewohnten jungen stimmungsrecht auch denen, die es bisher nicht ge­
M ä n n e rn  erhält die Herrschaft im B erl ine r  habt haben, zubilligt, der m uß  folgerichtig dann 
S träß en leb en  —  Berufssoldaten , die, von dazu kommen, die Schutzleute in ihrem K am pf
Offiz ieren gedrillt und geführt, dazu in K a ­ gegen die M ili ta r is ie rung  der Polizei  zu u n te r ­
sernen vom zivilen Leben abgeschlossen, jeder stützen.
IKenntnis der Gressstadt, ihrer Bevölkerung, H err Oderverwaltungsgerichtsrat Linde mm 
ihrer gesellschaftsfeindlichen Kreise entbehren, macht au s  seiner E rfahrung  heraus  darauf aufmerk­
von Polizeirecht und Taktik keine A hnung, von sam, daß, wenn dieser P l a n  meint, die Verbrecher 
den Grenzen der  Po lizeigewalt keine V o r­ irgendwie energisch fassen und die in  B e r l in  h e r r ­
stellung h a b e n   W ie  soll das  werden, schende Unsicherheit für das E igen tum  und die per­
wenn a n  S te l le  der i m . Polizeifach herange­ sönliche Sicherheit a u s  kriminellen M o tiv en  irgend­
dienten F ü h r e r  der Schutzmannschaft wieder wie abändern zu können, m an sich einer außerorden t­
—  wie es vor 50 J a h r e n  Herkommen w ar! —  lich großen Täuschung hingäbe. D enn  die Ursachen, 
e in  ehemaliger Oberst mit seinem „Offiz iers­ daß d a s  Verbrechertum überhand genommen habe, 
stabe" dem Polizeipräsidenten zu r  S e i te  liegen ja, ganz abgesehen von den allgemeinen U r ­
t r i t t !  . . . . . .  H a t  m an an  die B edürf­ sachen, vor allen D ingen in der zu geringen Z ah l  
nisse des P u b lik u m s  gedacht, dem anstat t  des von geschulten Polizeibeäm ten. W en n  es gelänge, 
allmählich wirklich zum S c h u t z m a n n  ange­ die Zah l der Polizeibeam ten zu vermehren, die 
leiteten erfahrenen B eam ten  der junge U nter­ K enn tn is  und E rfah rung  haben, die große Ersah- 
offizier m it  Silberstickerei, Wickelgamasche und runa , die nötig ist, wenn m an d a s  Verbrechertum 
H and grana te  a ls  Helfer ini großstädtischen wirklich bekämpfen will, dann würde m it  Hilfe der 
S traß en leb en  angeboten wird, dazu der Leu t­ Schutzmannschaft sich dieses Z ie l  schon erreichen 
n a n t  oder M a jo r  a ls  Beschwerdeinstanz." lassen. Aber daß die militarisierten Polizeibeäm ten 
Ich  unterscheide mich selbstverständlich von zu dieser Aufgabe viel weniger fähig sind a l s  die 
diesem eben zitierten O berverw altungsgerichtsra t in Polizeibeamten, daß  cs deshalb folgerichtig zu einer 
der B eurte i lung  dieser Angelegenheit; aber ich zitiere Vermehrung der Unsicherheit gerade a u s  kriminellen 
seine Aeußerungen a ls  B ew eis  dafür, daß nicht n u r  M o tiv en  h e ra u s  kommen muß, w en n  m an dieser 
w ir  die großen Gefahren sehen, die a u s  dieser V o r­ Vorlage zustimmt, das weist H err  O berve rw altun gs­
lage zu entstehen geeignet sind, sondern daß auch gerichtsrat L indenau in eingehenden Darlegungen 
gang andere Kreise, die u n s  vollkommen fernstehen, ganz klar und überzeugend nach.
unsere Auffassung teilen. Deshalb  bleibt eben n u r  die Schlußfolgerung, 
Ich  verkenne keineswegs und ich weiß ganz die ich vorhin zog, daß nicht die Bekämpfung des  
deutlich, daß diese Vorlage  re in  p o l i t i s c h e n  Verbrechertums, sondern die Bekäm pfung gewisser 
M o t i v e n  ihren Ursprung verdankt. I c h  be­ unbequemer politischer Anschauungen für diese V o r ­
zwecke auch hierbei durchaus nicht, I h n e n  einreden lage maßgebend ist. D enn , verehrte Anwesende, 
zu wollen, daß S i e  in I h r e m  Interesse  handeln, wenn S ie  einwerfen wollten, d a ß  die bisherigen 
wenn S i e  unsere Anschauungen und unseren A n ­ Vorgänge in der R evolu tion  gezeigt haben, daß eine 
trag unterstützen, sondern ich weiß ganz deutlich, Bekämpfung derjenigen nötig ist, die a u s  politischen 
daß in dem Kampf, der gegenwärtig zwischen den M otiven  h e rau s  zur Waffe greifen, so verkennen S i e  
Klassen tobt, die herrschenden Klassen sich S tütz­ vollkommen das, w a s  jedem Kenner der A rbe i te r­
punkte schaffen wollen, die sie gegen die anderen bewegung in den letzten M o n a te n  nicht verborgen 
Klaffen benutzen wollen. A ls  ein solches In s t ru m e n t  bleiben konnte, daß  diejenigen Kreise, d ie wirklich 
ist diese militärische P o lize i  gedacht. geglaubt haben, d a ß  sie sich m it  der  Waffe in der 
D ie  Schutzmannschaft, die den bisherigen H and  a l s  eine M in d erh e i t  zur Herrschaft bringen 
Machthabern genügt hat, ist auch durch die Revo­ könnten, jetzt von völliger Einflußlosigkeit sind. S i e  
lu tion  dahin gekommen, daß sie sich wie alle übrigen waren immer e in fluß los u n d  sind jetzt vollkommen 
Schichten der erwerbstätigen und besitzlosen Bevöl­ einflußlos. D eshalb  braucht m an  eine solche große 
kerung des Koalitionsrechtes bedient, um  ihre J n t e r -  kasernierte P o l iz e i  nicht, w enn  m an  n u r  diese' E le ­
effen zu vertreten. Diese Tatsache, d a s  Bewußtsein, mente bekämpfen will. Aber w eil  m a n  eben po li­
daß d ie  Schutzleute ebenfalls im Gegeniay zu den tische Anschauungen, politische P a r te ie n  treffen will.
In teressen  der besitzenden Schichten stehen, daß sie 
sich nicht wie früher zu In s t ru m en te n  der besitzenden (Z urufe)
        
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