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Periodical volume 3. September 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 3. September 1919
und er denke, im Winter ein riesiges Geschäft damit für die gegenwärtige Lage sind, mal erst einen Vor­
zu machen. Ich meine, die Zeit ist wieder verpaßt mund zu bestellen. Wenn Sie dafür sorgen, daß 
worden, und w ir werden den Torf teuer kaufen die große Masse der Verbraucher, der Mieter den 
müsien. Brennstoff selbst rationeller verbennt und sogfäl- 
Die Gerüchte, die wegen der Lebensmittel­ tiger damit umgeht, dann werden Sie viel größere 
schiebungen in der Stadt herumlaufen, sind allbe­ Erfolge erzielen, als wenn Sie den Magistrat er­
kannt. Wenn dem Magistrat auch nichts nachgesagt suchen, die Hausbesitzer aufzufordern, die Maschinen 
werden kann, so hat doch ein großer Teil der Be­ nachzusehen. Ich glaube, Ih re  Tätigkeit nach der 
völkerung zu dem kommunalen Arbeitcrrat großes Richtung würde für die Stadt und namentlich für 
Vertrauen, und aus diesem Grunde haben w ir den die Versorgung der Allgemeinheit m it Brenn­
Antrag gestellt, dem kommunalen Arbeiterrat die material wirklich ersprießlich sein.
Kontrolle mit zu übertragen. Gerade bei den Nun die Frage der Kontrolle durch den A r­
Kohlen wird jetzt schon ein umfasiender Schleich­ beiterrat! Meine sehr verehrten Damen und 
handel getrieben. Es ist m ir heute in der Fabrik Heren! Die Behörde, die die Verwaltung hat, ist 
mitgeteilt worden, daß es Kohlenhändler in Berlin zweifellos am besten in der Lage, auch die Kontrolle 
gibt, die jetzt pro Zentner 8 dH nehmen, und es ist zu übernehmen. Sorgen Sie dafür, wenn M iß ­
mir weiter mitgeteilt worden, daß jemand, der im stände bekannt werden, wie sie Herr Kollege Suhse 
Betrieb beschäftigt ist, auf diese Weise 10 Zentner hier mitgeteilt hat, daß jemand hinten herum zehn 
Kohlen gekauft hat, wobei ihm gesagt wurde, wenn Zentner Preßkohlen bekommen kann, daß der M a­
er noch mehr haben wolle, könne er sie bekommen. gistrat von derartigen Fällen Kenntnis erhält, sor­
Um dem vorzubeugen, haben w ir beantragt, den gen Sie dafür, daß die Kohlenhändler, die in dieser 
kommunalen Arbeitcrrat zu beauftragen, die Kon­ Weise Schiebungen machen, ihrer Bestrafung ent­
trolle vorzunehmen. Wenn der Herr Oberbürger­ gegengeführt werden, dann wird auch der Schleich­
meister meinte, daß keine Schiebungen im Kohlen­ handel aufhören. Aber, meine Herren, bauschen wir 
handel vorkämen, so zeigt dieses Beispiel, daß das doch die Sache auch nicht zu sehr auf. Was heißt 
heute doch schon der Fall ist, und sie werden im es denn, wenn jemand in einem Einzelfall wirklich 
Winter noch mehr vorkommen. Ich bitte Sie des­ durch persönliche Beziehungen ein derartiges Quan­
halb, den Antrag anzunehmen. tum Kohlen bekommt! Es ist nicht nennenswert. 
Aber wenn es vorkommt, tun Sie, glaube ich, der 
Stadtv. Panschow: Die Sorge um die Heiz­ Allgemeinheit den größten Dienst, wenn Sie dafür 
stoffe für die Bevölkerung hat zweifellos einen Kreis sorgen, daß derartige Schieber ihrer Bestrafung zu­
unserer Bevölkerung viel früher beschäftigt als diese geführt werden.
Versammlung und den Magistrat, und das sind die 
Hausbesitzer gewesen. Schon in diesem Frühjahr, 
als die Heizperiode des vergangenen Winters noch Stadtv. Dr. Feig: Meine Herren! Wenn Sie 
nicht abgelaufen war, hat sich, hervorgerufen durch die Ausführungen des Reichskohlenkommissars ge­
die Mißstände im vorigen Jahr, eine große Organi­ lesen haben, die Ihnen mit der heutigen Einladung 
sation der Hausbesitzer mit der Frage der Heizstoff­ dankenswerterweise, zugegangen sind, werden Sie nicht 
beschaffung befaßt, und schon damals konnten wir im Zweifel darüber lein, daß w ir einem überaus 
feststellen, daß entgegen den Verheißungen und Ver­ harten und ernsten Winter entgegensehen, und ich bin 
sprechungen des Reichskohlenkommissars die Kohlen­ überzeugt, daß selbst manchem der Gönner und An­
lieferung nicht so ausfallen würde, wie es gesagt stifter der politischen Streiks im Bergbau und Ver­
wurde. Scbon damals ist auch dafür gesorgt wor­ kehrsgewerbe heute etwas bänglich zumute sein 
den, daß nach Möglichkeit Brennstoffe bereitgestellt wird. W ir stehen nun leider heute der traurigen 
wurden, auch wenn nicht in die große Bevölkerung Tatsache gegenüber, gegen die w ir in diesem Zeit­
hinein davon viel Aufhebens gemacht wurde, um punkt nur noch wenig tun können. Etwas, was 
die Leute nicht aufzuregen. Schon damals haben wir, glaube ich, tun können, wäre, auch von dieser 
Hauswirte alles versucht, um die Brennstoffe ra­ Stelle einen Appell an die Groß-Berliner Arbeits­
tioneller zu verbrennen, als das bis heute der Fall losen zu richten, daß, wer irgend dazu imstande ist, 
ist, und es sind Prämien für die ausgesetzt worden, doch in das Braunkohlengebiet gehen möge. wo. so­
die nach der Richtung vernünftige Vorschläge machen weit mir bekannt, noch immer nicht alle Arbeitsplätze 
können. Meine Herren, wenn Sie für die Bevölke­ besetzt werden können. Gewiß werden w ir einer 
rung etwas tun wollen, dann hätten Sie es doch Abhilfemaßregel, wie sie uns ut diestr Vorlage vor­
auch so machen sollen, wie es die Hausbesitzer wäh­ geschlagen ist, mit Freuden zustimmen. Die Haupt­
rend dieser Zeit getan haben. sache ist doch aber. daü überhaupt, soweit es jetzt 
noch möglich ist, für diesen Winter mehr durch Koh­
Nun kommen Sie m it dem Vorschlag, den M a­
gistrat zu beauftragen, doch die Hausbesitzer zu ver­ lenförderung vorqesorgt wird.
anlaßen, die Kochmaschinen und Heizvorrichtungen Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber noch eine 
nachsehen nt lassen. Meine Herren, es ist ganz eigen­ Anfrage an den Magistrat richten: ich möchte fragen, 
artig: auf der einen Seite trauen Sie dem M a­ ob in diesem Winter für Wärmstuben und Wärme­
gistrat nie etwas Gutes zu, und auf der anderen hallen Vorsorge getroffen ist. Denn wie m ir gesagt 
Seite ersuchen Sie ihn, hier ohne weiteres eine wurde, sind die Räume, die früher hierfür zur Ver­
Kontrolle zu übernehmen. Es ist das ein ganz fügung standen, jetzt für Wohnzwecke in Anspruch 
sonderbares Verhalten und Verfahren Ihrerseits, genommen.
wenn Sic es immer für nötig halten, der Bevölke­ Ich möchte aber weiter die Aufmerksamkeit des 
rung einen Vormund zu geben. Meine Herren, Magistrats noch auf einen anderen Punkt hinlenken. 
der Vormund darf natürlich nur aus Ihrem Kreise jZu einer Zeit, wo durch die Verschärfung der Gas­
sein. Sonst würde ich doch empfehlen, den Leuten, sperrstunden unseren Hausfrauen die größten Schwie­
die offenbar nicht im Besitz des nötigen Verständnisses rigkeiten gemacht werden, wo Aerzte, Krankenhäuser
        
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