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Periodical volume 25. Juni 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 25 Juni 1918
ben werden, meinetwegen unter denselben Bedingun­ Vorw urf des Herrn Stadtv. Skalier richtig ist, daß 
gen wie hier beantragt, nach der Mindesttare der die Behandlung der Vorlage den Wünschen der 
ärztlichen Gebührenordnung, den Frauen zur Verfü­ Stadtverordnetenversammlung nicht entsprochen hat, 
gung zu stehen, die diesen Wunsch haben. Wenn der kann ich nicht entscheiden. Aber auch da scheinen 
Magistrat diesem Wunsche entspricht,' so sind w ir nach den Ausführungen von Herrn Stadtv. Feilchen- 
bereit, die M itte ilung zur Kenntnis zu nehmen, ohne feld und Herrn Stadtv. Skalier die Ansichten jeden­
einen Ausschuß zu beantragen. Tollte der Magistrat falls verschieden zu sein
Bedenken haben, so würden w ir allerdings einen 
Ausschuß beantragen müssen, um einen Weg m it dem (Widerspruch)
Magistrat zu finden, auf dem den Wünschen der 
weiblichen Bevölkerung entsprochen werden kann. —  in der Behandlung der Vorlage seitens des 
Magistrats.
Stadtv. Skalier: Meine Damen und Herren! Nun hat Herr Stadtv. Feilchenfeld den Wunsch 
Ganz im Gegensatz zu Herrn Kollegen Dr. Feilchen- ausgesprochen, daß es den kranken Frauen möglich 
feld bin ich der Ansicht, daß der Magistrat m it die­ sein soll, in geeigneten Fällen den Rat einer Aerztin 
ser Vorlage nicht die Wünsche der Versammlung einzuholen. Ich glaube, erklären zu können, daß der 
erfüllt, sondern geradezu abgelehnt hat. Es ist sei­ Magistrat bereit ist, in eine erneute Prüfung dieser 
nerzeit einstimmig der Beschluß gefaßt worden, daß Frage einzutreten. Es ließe sich der Weg schaffen, 
eine Aerzrin angestellt werde, die neu feder weib­ daß die Stadtärzte das Recht haben, auch in allge­
lichen Stabtannen besucht werden kann. Herr Kollege meinen Behandlungsfällen auf Wunsch der kranken 
Feilchenfeld hat vorausgeschickt, daß in gewissem Frauen die Betreffenden einer Aerztin zuzuweisen. 
Sinne den Wünschen der Versammlung Folge oeleisiet Ich wiederhole, daß ich zu der Erklärung befugt zu 
sei. Ick bin der Absicht, daß das in gar keinem Punkte sein glaube, daß der Magistrat durchaus bereit ist, 
geschehen ist. Das M ateria l, das den Magistrat zu in eine erneute Prüfung dieser Frage einzutreten. 
dieser Ablehnung geführt hat. kenne ich nicht, ich Voraussetzung dafür scheint m ir allerdings zu sein, 
habe es draußen vergebens gesucht. Soweit ich aus daß die Tätigkeit dieser Aerztin nach den Mindest­
der Vorlage ersehe, scheinen nur die Armenärzte sätzen der Gebührenordnung honoriert wird.
darüber befragt worden zu sein. Daß gerade die 
Armenärzte —  bei aller Hochachtung vor ihrer Tä­ Stadtv. Dr. Löwen stein: Auch ich stelle im
tigkeit —  kompetent sein sollen, darüber zu urteilen, Aufträge meiner Fraktion fest, daß die M itte ilung, 
ob die Anstellung weiblicher Aerzte erwünscht oder die uns der Magistrat in dieser Vorlage zugehen 
nicht erwünscht ist, möchte ich bestreiten. Bei den läßt, durchaus nicht den Wünschen entspricht, die 
Krankenkassen -liegt es im allgemeinen genau so. damals vom Etatausschuß einstimmig geäußert wor­
Ursprünglich hat man geglaubt, daß mau eine Frau­ den sind. Damals wurde beschlossen, und zwar unter 
enärztin anstellen müßte und damit allen Wünschen dem Gesichtspunkt, daß es eine ganze Menge Frauen 
der Frauen Rechnung getragen wäre. Bei den gibt, die sich von vornherein scheuen, zu eimm Arzte 
Krankenkassen, die dazu übergegangen sind, eine zu gehen, und es vorziehen, eine Aerztin aufzu­
große Anzahl von Frauen anzustellen, hat sich erge­ suchen, nicht nur bei spezialärztlicher Behandlung 
ben. daß das Bedürfnis außerordentlich groß ist, von Frauenkrankheiten, sondern auch bei allgemeinen 
und daß die Frauenärztinnen in zahlreichen Fällen Krankheiten. —  daß cs aus diesem Gesichtspunkt 
in Anspruch genommen sind. heraus erwünscht sei, für die Armenbevölkerung eine 
Bei der kleinen Summe, um die es sSickhah dieträrztin zu schaffen, die für die Gesamtheit 
handelt, ist es m ir überhaupt unverständlich, warum Charlottenburgs zuständig ist, so daß die Frauen 
der Magistrat dem Wunsche der Versammlung nicht nicht genötigt sind, erst vorher zu einem Stadtarzt 
Folge geleistet bat. Ein Jahr der Untersuchung zu gehen und sich von diesem an die Stadtärztin oder Fachärztin überweisen zu lassen. Der Etataus­
wird ergeben, daß zweifelsohne die Wünsche der Ver­
sammlung berechtigt waren. Sollte sich wider E r­ schuß hat sich einstimmig zu dieser Meinung, die in seinem Beschlusse zum Ausdruck gekommen ist, be­
warten herausstellen, daß die Frauenärztin nicht 
genügend beschäftigt ist, so wäre das auch nicht als kannt. I n  dem, was der Herr Magistratsvertreter 
großes Unglück zu betrachten, wenn einmal 2000 J i in Aussicht gestellt hat, ist nicht das enthalten, was w ir wünschen. Es soll nicht eine Gelegenheit ge­
zu Versuchszweck, n —  was ich aber persönlich be­
streite —  ausgegeben wären. Was der Magistrat jetzt schaffen werden, die Frauen zu überweisen, sondern 
vorschlägt, besteht hoch tatsächlich Hute schon. Wenn es sollen vonv ornherein die Frauen zu einerFrauenärztin gehen können.
eine Patientin einen Svezialarzt haben w ill, 
dann muß doch diesem Wunsche, sofern er sich wissen­ Wenn dieser Gesichtspunkt gewahrt bleibt, dann 
schaftlich begründen läßt, Rechnung getragen werden, bin ich allerdings auch sehr im Zweifel, woher der 
und es steht doch der Patientin frei, einen weiblichen Magistrat das M ateria l genommen haben w ill, daß 
Spezialarzt aufzusuchen. Also durch diese Vorlage für eine jo lt f ie  Stellung nicht genügend Bedürfnis
iss nichts Neues geschaffen. Ich st lle fest, daß der in der S tadl Charlottenburg vorhanden sein soll.
Magistrat in direktem Widerspruch m it der Ver­ M ir  ist natürlich nur aus einem kleineren Kreise 
sammlung steht, und möchte bitten, daß doch noch meiner Bekannten M ateria l zugegangen, und dort 
eine Aenderung der Vorlage vorgenommen wird. ist der lebhafte Wunsch geäußert worden, daß man 
zu einer Frauenärztin gehen möchte. Eine An­
frage etwa bei den Stadtärzten würde meines E r­
«tadtrat Dr. Nöthig: Meine Tomen und achtens ein durchaus schiefes B ild  ergeben, da die 
Herren! Der zuständige Dezernent, Herr Stadtrat Stadtärzte für diese Frage ja gar nicht zuständig 
Oweritz, ist auf Urlaub. Infolgedessen liegt es m ir sind. Es wird selten eine Frau geben, die dem 
ob. diese Anfrage zu beantworten. Wie weit der Arzt, den sie zu konsultieren hat, sagt, sie wünsche
        
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